idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Teilen: 
02.11.2021 12:11

Kann Journalismus den Frieden fördern?

Michael Brauns Pressestelle
Universität der Bundeswehr München

    Vom 21.-22. Oktober fand an der Universität der Bundeswehr München das erste internationale Symposium des Projekts „Media for Peace“ (M4P) statt.

    Medien spielen oftmals eine entscheidende Rolle in Kriegs- und Konfliktregionen. Man geht davon aus, dass sie mit ihrer Berichterstattung in Konflikten und Friedensprozessen maßgeblich sowohl zu einer Eskalation als auch zu Deeskalation und Konfliktlösung beitragen können. Friedensjournalistische Untersuchungen sind leider im deutschsprachigen Raum in der Forschung aktuell nur in einem sehr geringen Maße vertreten. Prof. Sonja Kretzschmar von der Universität der Bundeswehr München möchte diese Lücke schließen und startete in diesem Jahr das Projekt „Media for Peace“ (M4P) im Rahmen des Zentrums für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr (dtec.bw).

    Potenziale der Digitalisierung nutzen
    Das Projekt M4P untersucht, welchen Beitrag der Einsatz digitaler Technologien für die politische Stabilisierung leisten kann. Das Projekt hat es sich dabei zum Ziel gesetzt, die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen, um in Kriegs- und Konfliktregionen durch deeskalierenden und friedensfördernden Journalismus politische Entwicklungen zu unterstützen. Nach dem Start des Projektes im Sommer dieses Jahres trafen sich nun über 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Praktikerinnen und Praktiker aus dem Journalismus, Vertreterinnen und Vertreter von nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Vertretern der Bundeswehr für das erste internationale Symposium von M4P an der Universität der Bundeswehr München (UniBw M).

    Zu der hybriden Veranstaltung waren die Teilnehmenden u.a. aus dem Libanon angereist, aber auch aus Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien. Virtuell nahmen Speaker aus den USA, Australien, Südafrika und Tansania an der Tagung teil. Schwerpunktländer des Projekts sind der Libanon und Afghanistan, daher wurden auch Teilnehmende aus Afghanistan aus verschiedenen Ländern zugeschaltet, in die sie geflüchtet sind.

    Zentrale Fragen der Kommunikation
    Die Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der UniBw M und Direktorin des dtec.bw, Prof. Eva-Maria Kern, eröffnete das internationale Symposium. Sie betonte in ihrem Grußwort, dass es eine große Ehre für die UniBw M sei, dieses Symposium auszurichten und damit zu einem der ersten internationalen Events seit der Corona-Pandemie an die Universität einzuladen. Für die zentrale Keynote konnte Prof. Shahira Fahmy, Professorin für Journalism and Mass Communication an der American University in Kairo, assoziiert mit der University of Arizona, gewonnen werden. Sie zählt zu den international ausgezeichneten Forschenden im Bereich des Friedensjournalismus und der visuellen Kommunikation.

    Im Mittelpunkt des Symposiums standen die zentralen Fragen von M4P: Wie kann in der Kommunikation gezielt deeskaliert werden und Journalismus friedensfördernd agieren, um (Post-)Konfliktländer zu stabilisieren und im Idealfall die Demokratie zu fördern? Und: Welche neuen Chancen kann die Digitalisierung für Forschung, Praxis, und auch den Transfer in die Gesellschaft dabei bieten? Es ging aber auch um Themen wie soziale Medien und mediales Peace Building: Social Media wird oft zur Polarisierung von Konflikten innerhalb der Gesellschaften genutzt. Kann Frieden durch Kommunikation gefördert werden? „Methodisch ist das, gerade in den vielen unterschiedlichen Sprachen, sehr herausfordernd“, so Prof. Annika Sehl. Und Prof. Stephan Stetter ergänzte: „Aus der politikwissenschaftlichen Forschung wissen wir, dass Friedensprozesse oft scheitern. Wie kann also mediales Peace-Building funktionieren? Diese Frage für den Nahen Osten und Afghanistan zu diskutieren, ist von zentraler Bedeutung für die Politikwissenschaft“, so der Wissenschaftler von der Universität der Bundeswehr München.

    Eine Blaupause für die Kommunikation in Konfliktregionen
    Die Tagung wurde von Prof. Sonja Kretzschmar (Projektleitung M4P), sowie den M4P-Teammitgliedern, Prof. Annika Sehl, Prof. Stephan Stetter (alle drei UniBw M) und Prof. Christoph Neuberger (Geschäftsführender Direktor des Weizenbaum-Instituts Berlin und Professor an der FU Berlin) organisiert und durchgeführt. Prof. Kretzschmar zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir freuen uns sehr, dass sich so viele Expertinnen und Experten die Zeit genommen haben, uns Einblick in ihre Forschung zu geben und herausfordernde Forschungsfragen für unser Projekt mit uns zu diskutieren. Viele von ihnen haben ihre internationalen Erfahrungen im Journalismus, der Medienarbeit von NGOs und auch der Bundeswehr und der NATO-Streitkräfte mit uns geteilt. Das Projekt M4P ist sehr wichtig für uns, durch die Erforschung von Journalismus in Konfliktregionen kann im Idealfall eine Blaupause erstellt werden, wie Kommunikation in Kriegs -und Konfliktregionen stabilisierend und friedensfördernd aussehen kann. Diese Blaupause kann für die Medienarbeit von militärischen und zivilen Akteuren genutzt werden. Wenn von M4P wichtige Impulse ausgehen könnten, die zur Friedenförderung beitragen, dann wäre das ein toller Output. Gerade an der Universität der Bundeswehr München über die Förderung von Frieden zu forschen, ist ein Signal und hat die Universität in einem Bereich sichtbar gemacht, den viele Gäste des Symposiums nicht erwartet hätten, der aber für die Gesellschaft sehr wichtig ist.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Sonja Kretzschmar


    Weitere Informationen:

    http://Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: https://dtecbw.de/home/forschung/unibw-m/projekt-media-for-peace


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).