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02.11.2021 15:10

Schriftsteller*innen, der Akt des Schreibens und literarische Milieus in Alexandria nach der Revolution

Lena Herzog Leibniz-Zentrum Moderner Orient (ZMO)
Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

    Ein neues Buch von Samuli Schielke und Mukhtar Saad Shehata, "Shared Margins. An Ethnography with Writers in Alexandria after the Revolution" (De Gruyter 2021), erforscht die literarischen Räume und Karrieren von Schriftsteller*innen in Ägyptens zweitgrößter Stadt. Es dezentriert kosmopolitische Avantgarden und säkular-revolutionäre Ästhetiken, die seit 2011 in Ägypten intensiv dokumentiert und untersucht wurden und bietet es eine feldforschungsbasierte Darstellung verschiedener Milieus und Stile. Eine öffentliche Buchpräsentation findet am 8. November 2021 um 17 Uhr am Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin und online statt.

    Literarische Texte sind in "Shared Margins" nicht der Hauptgegenstand der Untersuchung. Vielmehr beleuchten die Autoren jene Teile der Literatur, die einer reinen Textbetrachtung weniger zugänglich sind: persönliche und soziale Beziehungen, Motivationen und Karrieren, Netzwerke und Kreisläufe, die zusammen die Literatur als soziale Institution ausmachen.

    Der erste Teil des Buches mit dem Titel "Über das Schreiben" erzählt von Literatur als sozialer Praxis in verschiedenen literarischen Milieus der Stadt. Literarisches Schreiben, so argumentieren die Autoren, hat Marginalität als eine zugleich ermöglichende und begrenzende Bedingung. Es bietet Räume des imaginären Exzesses, die über das Selbstverständliche eines gesellschaftlichen Milieus hinausgehen können und doch nie unbegrenzt sind.

    Der zweite Teil mit dem Titel "Schreiben über…" untersucht einige zentrale Themen des Schreibens, die angesprochen wurden: Revolution, Urbanität, religiöser Glaube, Zweifel und Gewissheiten. Zusammengenommen thematisieren sie eine lebensweltliche Erfahrung von Pluralität ohne Pluralismus: unterschiedliche Lebensweisen, unterschiedliche Visionen vom guten Leben und unterschiedliche literarische Ästhetiken koexistieren konfliktreich und ohne gegenseitige Anerkennung. Die literarische Vorstellungskraft wird zum Bestandteil solch sozialer Konflikte und Transformationen, wobei ihre Rolle weder im Widerstand gegen die Macht noch in der Orientierung an Normen besteht, sondern vielmehr in einer offenen Komplizenschaft.

    "Shared Margins" bietet eine beispiellose Tour durch die Orte und Themen des literarischen Schreibens, von den Anfängen und Motivationen des Schreibens in Wohnungen und Cafés über das Entstehen und Zerbrechen literarischer Szenen in der Stadt und die Infrastrukturen ihrer Vorstellungskraft bis hin zu den Parallelwelten, die Schriftsteller*innen in den geschützten Räumen literarischer Zusammenkünfte zu leben versuchen. Es erzählt von dem optimistischen Moment der Revolution vom 25. Januar 2011, als es so schien, als ob Poesie die Welt zum Besseren verändern könnte. Das Buch ist Teil eines Gesprächs mit Autor*innen und Intellektuellen, die darüber debattieren, ob Alexandria wirklich jemals ein so schöner kosmopolitischer Ort war, wie ihn viele heute gerne in Erinnerung haben. Die Autoren des Buches versuchen nicht zu sagen, was Literatur ist, sondern erkunden, wo sie zu finden ist, einschließlich der unklaren Randbereiche der Literatur wie Graffiti und Social-Media-Posts, denen ein Kapitel gewidmet ist. Das Buch widmet sich auch den Texten und ihren Autor*innen, indem es zwei Dichter genauer unter die Lupe nimmt, deren Werke sehr unterschiedlichen ethischen und ästhetischen Grundsätzen folgen, die jedoch die Frage nach Zweifel und Gewissheit gemeinsam haben. Abschließend weitet das Buch seinen Fokus von Alexandria auf Orte des literarischen Exils aus, darunter auch Berlin.

    Der Anthropologe Samuli Schielke ist seit 2009 Senior Research Fellow am Leibniz-Zentrum Moderner Orient (ZMO). In seiner aktuellen Forschung beschäftigt er sich mit Vorstellungskraft als sozialer Praxis und zusätzlich mit Literatur. Seine weiteren aktuellen Forschungsprojekte erzählen von Migranten aus Ägypten in Westeuropa und den Golfstaaten sowie von Mensch, Gott und Schicksal. Der Schriftsteller und freiberufliche Forscher Mukhtar Saad Shehata hat mehrere Romane, Kurzgeschichten und Forschungsaufsätze auf Arabisch und Portugiesisch veröffentlicht. Er hat einen Masterabschluss in African and Indigenous Studies von der Universidade do Estado da Bahia.

    "Shared Margins" ist in der Reihe ZMO-Studien bei De Gruyter erschienen. Die Publikation wurde durch den Leibniz-Publikationsfonds für Open-Access-Monografien gefördert und kann kostenlos heruntergeladen und gelesen werden. Eine öffentliche Buchpräsentation findet am 8. November 2021 um 17 Uhr am Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin und online statt.

    Anfragen für Interviews und Rezensionen richten Sie bitte an Lena Herzog: presse@zmo.de.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dozent Dr. Samuli Schielke: samuli.schielke@zmo.de


    Originalpublikation:

    Schielke, Samuli and Shehata, Mukhtar Saad: Shared Margins. An Ethnography with Writers in Alexandria after the Revolution. ZMO-Studien 41, Berlin, Boston: De Gruyter, 2021. https://doi.org/10.1515/9783110726305


    Weitere Informationen:

    http://Link zur Veranstaltung: https://www.zmo.de/en/events/shared-margins-an-ethnography-with-writers-in-alexa...
    http://CV Samuli Schielke: https://www.zmo.de/en/people/dozent-dr-samuli-schielke


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Sprache / Literatur
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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