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30.03.2004 12:01

Archäologische Sensation: Geheimnis der Spinx von Gizeh enthüllt

Albert Gerdes Pressestelle
Forschungszentrum Ozeanränder

    SPERRFRIST: 1. April 2004, 6.00 Uhr

    Die Sphinx von Gizeh ist vermutlich Teil einer gigantischen, bislang noch im Wüstensand verborgenen Tiergruppenskulptur. Das ergaben geophysikalisch-archäologische Untersuchungen. Sie zeigen, dass die rund 4.500 Jahre alte Sphinx einer Hundeskulptur aufsitzt, die wiederum auf einem überdimensionierten Sandsteinesel ruht. Weitere Gesteinsbruchstückelassen vermuten, dass es sich dabei um einen altägyptischen Hahn handeln könnte, der das Viererensemble ursprünglich krönte. Besonders Bremer Wissenschaftler sind von den neuen Funden elektrisiert.

    Die Sphinx von Gizeh ist vermutlich Teil einer gigantischen, bislang noch im Wüstensand verborgenen Tiergruppenskulptur. Das ergaben geophysikalisch-archäologische Untersuchungen, die in den letzten Monaten unter der Leitung von Dr. Mohammed Assan von der Ägyptischen Altertümerverwaltung in Kairo durchgeführt wurden. Die Untersuchungen, bei denen der Wüstenboden mit hochempfindlicher Sensorik "durchleuchtet" wurde, zeigen, dass die rund 4.500 Jahre alte, 20 Meter hohe und 73 Meter lange Sphinx einer Hundeskulptur aufsitzt, die wiederum auf einem überdimensionierten Sandsteinesel ruht. Weitere Gesteinsbruchstücke, die mit Hilfe der Ultraschallsonden in 67 Metern Tiefe entdeckt wurden, lassen vermuten, dass es sich dabei um einen altägyptischen Hahn handeln könnte, der das Viererensemble ursprünglich krönte. "Vermutlich haben wir hier das Zeugnis eines ausgeprägten Haustierkultes der vierten Dynastie vor uns", sagt Dr. Mohammed Assan. Geplant ist, das Monument bis 2014 komplett auszugraben.

    Auf besonderes Interesse stoßen die Untersuchungen in Bremen. Nicht zuletzt deshalb, weil die jetzt entdeckte Skulpturengruppe in Aufbau und Zusammensetzung frappierend den Bremer Stadtmusikanten gleicht. Kein Wunder also, dass der Bremer Landesarchäologe Prof. Dr. Manfred Rech von seinem Kollegen Dr. Assan vorab über die Funde informiert wurde. Seit einem Urlaubsaufenthalt Rechs in Ägypten stehen die beiden Wissenschaftler in freundschaftlichem Kontakt. "Sollten sich die jetzt vorliegenden Untersuchungen durch Grabungen bestätigen - und daran zweifelt eigentlich in der Fachwelt niemand - wäre dies eine Sensation", sagt Rech. Nicht zuletzt deshalb, weil die Sphinx nicht - wie bislang - als Löwe mit menschlichem Kopf, sondern als Katzenfigur anzusehen wäre.

    "Wir haben schon immer vermutet, dass im Sand von Gizeh weitere Geheimnisse schlummern", kommentiert Prof. Dr. Dietrich Wildung, Direktor des Agyptischen Museums in Berlin die sensationellen Ergebnisse, die gleichwohl viele Fragen aufwerfen. Etwa die nach möglichen Beziehungen zwischen dem Monument im ägyptischen Wüstensand und den hanseatischen Märchenfiguren. Wer einmal arabische Länder bereist hat weiß, dass von einem Haustierkult im mediterranen Raum heute keine Rede mehr sein kann. "Daher fragen wir uns, wie die europäischen und speziell die deutschen Mythen- und Märchenwelten mit den bei Gizeh zu Stein gewordenen mythischen Vorstellungen der Altägypter verknüpft sein könnten", sagt Rech. "Sollten sich hier Verbindungslinien ziehen lassen, würde dies unweigerlich einen Paradigmenwechsel zumindestens in der Volkskunde nach sich ziehen."

    Auch stellt sich die Frage, warum das Figurenensemble erst jetzt entdeckt wurde. "Wir wissen, dass die Nildelta-Region seit langem im Absinken begriffen ist. Vermutlich hat es im Lauf der letzten Jahrtausende tektonisch bedingt abrupte Absenkbewegungen gegeben, die sich bis nach Gizeh auswirkten," erklärt der Bremer Geowissenschaftler Prof. Dr. Gerold Wefer." Die Folge: die Umgebung des Sandsteinensembles bildete eine Senke, in der sich der heranwehende Sand sammelte und das Monument verschwinden ließ. "Meist wird vergessen, dass die Sphinx seit ihrer Errichtung ohnehin die längste Zeit im Sand verschüttet war. Da es in den geologischen Daten bislang keine eindeutigen Anzeichen abrupter Absenkvorgänge gibt, planen die Bremer Geowissenschaftler Großes: "Im Sommer 2006 starten wir eine groß angelegte Expedition mit unserem Forschungsschiff METEOR, die in das südöstliche Mittelmeer führt," sagt Wefer. "Dort wollen wir die Geschichte der regionalen tektonischen Prozesse großräumig untersuchen - in der Hoffnung, das tektonische Schicksal der Skulptur aufklären zu können."

    Von besonderem Interesse sind die neuen Befunde für Martin Heller, Künstlerischer Leiter der Bremer Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010. "Für unsere Bewerbung spielen die Stadtmusikanten als Sympathieträger natürlich eine enorm wichtige Rolle", so der Schweizer Kulturmacher. "Sollten sich die Beziehungen zwischen dem Märchen und den neuen Funden von Gizeh bestätigen, bieten sich insbesondere für international angelegte Werbe- und Marketingmaßnahmen völlig neue Perspektiven." Der studierte Volkskundler plant bereits eine Reise an den Nil. Sein Ziel: Dr. Mohammed Assan als internationalen Botschafter der Bremer Kulturhauptstadt zu gewinnen.

    Hinweis für TV-Stationen:
    Die BBC hat die Untersuchungen Dr. Assans begleitet. Ein kurzer Ausschnitt daraus kan unter www.bremen2010.de/sixcms/detail.php?id=67 abgerufen werden. Er zeigt eine Simulation dessen, was die Wissenschaftler unter dem Sand vermuten und demnächst ausgraben wollen.

    Weitere Informationen:

    Bremen2010 Projektbüro
    Imke Engelbrecht
    Tel. 0421 - 361 - 5978
    Fax 0421 - 361 - 14472
    presse@bremen2010.de


    Weitere Informationen:

    http://www.bremen2010.de/sixcms/detail.php?id=67


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Bauwesen / Architektur, Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kunst / Design, Musik / Theater
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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