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01.04.2004 11:53

Franz-Rosenzweig-Gesellschaft gegründet "Interreligiöser Dialog ohne Selbstpreisgabe"

Ingrid Hildebrand Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Kassel

    Kassel. Mit fast 90 Referaten vor rund 250 Teilnehmern aus 20 Ländern ist heute der Internationale Kongress "Franz-Rosenzweigs Neues Denken" an der Universität Kassel zu Ende gegangen.

    Der Kongress war ein Forum der Forschung über den in Kassel geborenen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig. Im Laufe des Kongresses wurde die "Internationale Rosenzweig-Gesellschaft" gegründet, deren Hauptaufgabe es sein wird, Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Fachgebieten miteinander zu vernetzen. Noch einen Schritt weiter ging der Präsident der Universität Kassel, Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep, der die Hoffnung aussprach, mit Rosenzweig das Verbindende über die Grenzen hinweg sichtbar zu machen.

    Dem Stand der Forschung nach zu urteilen, ist dies weitgehend gelungen. Zentren der internationalen Rosenzweig-Forschung haben sich vor allem in Israel, den USA, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland etabliert. Wesentliche Impulse hatte die Forschung bereits durch den 1. Internationalen Franz-Rosenzweig-Kongress erhalten, der 1986 in Kassel stattfand und den Bundespräsident Johannes Rau in seinem Grußwort einen "Meilenstein der internationalen Franz-Rosenzweig-Forschung" nannte. Rau hatte die Schirmherrschaft über den Kasseler Kongress übernommen. Mit dem jetzigen Kongress galt es vor allem, den Austausch zwischen den verschiedenen Ländern und den unterschiedlichen Forschungsdisziplinen zu ermöglichen. Für Rosenzweig interessieren sich längst nicht mehr nur einige wenige spezialisierte Philosophen und Theologen, sondern auch Germanisten, Kulturgeschichtler und Vertreter anderer Disziplinen.

    Franz Rosenzweig (1886 - 1929) ist einer der bedeutendsten Religionsphilosophen des 20. Jahrhunderts, er war 1920 der Begründer des Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt am Main. Wie kaum ein anderer steht sein religionsphilosophisches Hauptwerk Der Stern der Erlösung (1921) für die Erneuerung des Judentums unter den Bedingungen der Diaspora und der Assimilation. Gleichzeitig ist diese aus dem Gespräch mit seinen christlichen Freunden erwachsene jüdische Religionsphilosophie ein bis heute herausforderndes Angebot zu einem interreligiösen Dialog.

    Der Kongress, der Rosenzweigs "Neues Denken" in seiner ganzen Vielfalt zum Thema hatte, versammelte renommierte Forscher und eine Vielzahl junger Wissenschaftler. Rosenzweigs Neues Denken ist der Versuch, eine Existenzphilosophie zu begründen, die aus dem Bereich rein akademischer Gelehrsamkeit hinaustritt und damit eine neue Lebenspraxis für den Einzelnen ermöglichen will. "Rosenzweig ging es um einen interreligiösen Dialog ohne Selbstpreisgabe des eigenen Glaubens und der eigenen kulturellen Wurzeln - und dies ist ein Thema, das gerade in Migrationsgesellschaften seine bleibende Aktualität behalten hat", sagte der Organisator des Kongresses, Prof. Dr. Wolfdietrich Schmied-Kowarzik von der Universität Kassel. Schmied-Kowarzik betonte auch die Bedeutung Rosenzweigs für die "Erneuerung des Judentums in der modernen Welt", die mit dem Entstehen vieler neuer jüdischer Gemeinden auch in Deutschland wieder verstärkt wahrgenommen werde.

    Als Aufgabe für ihre Gemeinde formulierte dies in einem Grußwort auch Esther Haß, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Kassel, während Bischof Dr. Martin Hein insbesondere den Dialog herausstellte, den Rosenzweig zwischen den Religionen gesucht hat. Dialog entstehe nicht durch Unschärfe, sondern aus der profunden Kenntnis des Gegenübers und durch das klare Benennen der Voraussetzungen des eigenen Denkens und Glaubens. "So erst wird ein Gespräch möglich, das diesen Namen wirklich verdient", sagte Hein.
    Kassel ist nicht zuletzt durch die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur, die seit 1987 jeweils im Sommersemester von einem jüdischen Gastwissenschaftler wahrgenommen wird, zu einem Zentrum der Rosenzweig-Forschung geworden. Im Mittelpunkt der Franz-Rosenzweig-Gastprofessur steht die deutsch-jüdische Tradition, die von Heinrich Heine bis Franz Kafka, von Moses Mendelssohn bis Franz Rosenzweig fruchtbar war und gewaltsam durch den Nationalsozialismus unterbrochen wurde. Uni-Präsident Postlep betonte, dass die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur mit einem neuem Konzept, das es auch jüngeren jüdischen Wissenschaftlern ermöglicht, die Professur wahrzunehmen, fortgeführt werden soll.

    Zu ihrem ersten Präsidenten wählte die neu gegründete Internationale Rosenzweig-Gesellschaft Prof. Dr. Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Kassel, BRD). Seine Stellvertreter wurden Prof. Norbert Samuelson PhD (Tempe, USA) und Dr. Martin Brasser (Luzern, Schweiz).

    jb
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    Infos
    Universität Kassel
    Dr. Frank Hermenau
    Fachbereich 1
    tel (0561) 804- 3614 oder (0561) 6026430
    e-mail Fhermenau@aol.com
    internet www.uni-kassel.de/philosophie/iagphil/miagrosenzweig.htm


    Pressemitteilungen der Uni Kassel im Internet: http://www.uni-kassel.de/presse/pm/
    Kostenloses PM-Abonnement unter: http://www.uni-kassel.de/presse/formulare/pm-abo.ghk


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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