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25.01.2022 18:16

Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2022: Ausgezeichnet in Theoretischer Physik, Psychologie, Literaturwissenschaft

Isa Lange Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Studienstiftung des deutschen Volkes

    Bonn, 25. Januar 2022. Die Promotionspreise der Studienstiftung gehen 2022 an die Physikerin Annabelle Bohrdt, den Psychologen Richard Schweitzer und die Literaturwissenschaftlerin Cornelia Pierstorff. Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und der Nachwuchswissenschaftler erhalten je 5.000 Euro. Erstmals verleiht die Studienstiftung den Lieselotte Pongratz-Promotionspreis für herausragende gesellschaftswissenschaftliche Dissertationen. Die Preisverleihung findet am 30. Mai 2022 in Berlin statt.

    „Den ausgezeichneten Arbeiten gelingt es, in ihrem je eigenen Feld durch methodisch mutige Verknüpfungen Forschungsfragen neu zu perspektivieren und für andere Fachbereiche zu erschließen – sei es, dass sie bislang kaum Darstellbares in der Quantenphysik sichtbar machen, die menschliche Wahrnehmung neu bewerten helfen oder das Wechselspiel ausloten, in dem Fiktion Welt formt und umgekehrt“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung.

    „Die insgesamt fünf ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben uns nicht zuletzt dadurch beeindruckt, dass sie ihre Dissertationen unter Pandemiebedingungen zu so herausragenden Ergebnissen geführt haben“, so Julius.

    Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Promotionspreises für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften zeichnet Annabelle Bohrdt aus. In ihrer Arbeit nutzt sie Verfahrensweisen der Vielteilchentheorie in Kombination mit maschinellem Lernen und entwickelt daraus methodisch ein mächtiges neues Werkzeug zur theoretischen Modellierung von Quantenmaterialien. Dies trägt etwa zum Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung bei.

    Eine besondere Anerkennung sprach die Jury des Hirzebruch-Promotionspreises Johannes Morstein, Chemische Biologie, aus, der molekulare Schalter in Lipide eingebaut hat, die gezielt durch Licht aktiviert sowie deaktiviert werden können. Die grundlegenden Ergebnisse seiner Dissertation könnten zukünftig in die Anwendung gebracht werden, um beispielsweise neue Therapieansätze zu erforschen.

    Mit dem Lieselotte Pongratz-Promotionspreis wird Richard Schweitzer ausgezeichnet, der in seiner Arbeit einen neuartigen Ansatz zur Bedeutung und Funktion von schnellen Augenbewegungen entwickelt, und damit eine Neuinterpretation des menschlichen Sehens und Wahrnehmens vorgelegt hat. Entgegen des bisherigen wissenschaftlichen Konsens, Wahrnehmung sei während der schnellen Augenbewegungen (sogenannte Sakkaden) kaum möglich, kann Richard Schweitzer zeigen, dass das Gehirn die visuelle Information von Blickbewegungen nicht als Störfaktor eliminiert, sondern sie aktiv nutzt, um Raumstabilität und Kontinuität zu erzeugen.

    Eine besondere Anerkennung sprach die Jury des Pongratz-Promotionspreises der Arbeit des Soziologen Philipp Schäfer aus, der auf kommunaler Ebene untersucht, wie Geflüchtete in einer Stadt unterkommen. Die Dissertation basiere auf beeindruckend umfangreichem Datenmaterial, etwa Beobachtungsprotokollen, 60 leitfadengestützten Interviews und Zeitungsartikeln.

    Mit dem Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geisteswissenschaften wird Cornelia Pierstorff geehrt, die sich in ihrer Dissertation mit dem Werk des Schriftstellers Wilhelm Raabe befasst. Auf innovative Art und Weise verbindet sie Erzähl- und Fiktionstheorie und erschließt in Detailanalysen die Frage nach der „Erzählbarkeit“ von Welten. Damit habe Pierstorff ein Referenzwerk für die Realismusforschung geschaffen, würdigte die Jury.

    Um die Promotionspreise 2022 bewarben sich insgesamt 73 ehemalige Promotionsstipendiatinnen und Promotionsstipendiaten. Über die Vergabe der Preise haben Jurys mit 25 namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entschieden.

    // Die Preisträgerinnen und Preisträger der Promotionspreise 2022 im Überblick: //

    Dr. Annabelle Bohrdt wird für ihre Dissertation „Probing strongly correlated many-body systems with quantum simulation“ im Fach Theoretische Physik an der Technischen Universität München mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis 2022 ausgezeichnet.

    Die methodisch sehr innovative Arbeit leistet einen wesentlichen Beitrag zur theoretischen Modellierung von Quantenmaterialien. Bisher können Wechselwirkungen von wenigen Teilchen berechnet werden, was jedoch zum Verständnis von Stoff- und Materialeigenschaften nicht ausreicht. Wechselwirkende Quanten-Vielteilchen-Systeme sind dagegen schwer zu beschreiben und zu berechnen – dies gelingt Bohrdt nun durch die Kombination von Methoden der quantenmechanischen Vielteilchentheorie mit denen des maschinellen Lernens. Hiermit trägt die Physikerin zum Verständnis des Mechanismus bei, der sich hinter dem Phänomen der Hochtemperatur-Supraleitung in Kupferoxiden verbirgt – ein seit Jahrzehnten ungelöstes Rätsel. Die Jury zeigte sich gleichermaßen beeindruckt von der methodischen Vielfalt und der Originalität der Arbeit, die ausgehend von theoretischen Konzepten neue experimentelle Zugänge eröffnet.

    Bohrdt studierte Theoretische Physik an der Technischen Universität Kaiserslautern und war während ihrer Doktorarbeit an der Technischen Universität München von 2016 bis 2018 Research Fellow in Harvard. Sowohl während ihres Studiums als auch während der Promotion erhielt sie ein Stipendium der Studienstiftung. Ihre Erkenntnisse wurden bereits in renommierten Journalen wie „Science“ publiziert und finden Eingang in Kollaborationsprojekte internationaler Forschungsgruppen und Unternehmen wie dem Google Quantum Computing Team in Santa Barbara und dem Max Planck Institute of Quantum Optics. Seit 2021 forscht sie am Harvard Smithsonian Center for Astrophysics an der Harvard Universität in Cambridge.

    Dr. Richard Schweitzer wird für seine Dissertation „Perceptual and Motor Consequences of Intra-saccadic Perception“ im Fach Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Lieselotte Pongratz-Promotionspreis 2022 ausgezeichnet.

    Mit seiner Dissertation hat Richard Schweitzer einen neuen Ansatz zur Bedeutung und Funktion von schnellen Augenbewegungen (sogenannten Sakkaden) in der menschlichen Wahrnehmung entwickelt, wie die Jury in ihrer Würdigung der Arbeit feststellt. Diese Blickbewegungen sind die wahrscheinlich häufigsten und schnellsten aller menschlichen Bewegungen. Bisher nahm die Forschung an, dass mit der Ausführung der Sakkade ein Wahrnehmungsausfall einhergeht. In seiner Arbeit belegt Schweitzer dagegen, dass das Gehirn die visuelle Information von Blickbewegungen nicht als Störfaktor eliminiert, sondern sie aktiv nutzt, um Raumstabilität zu erzeugen. Die Jury hob insbesondere die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit der Arbeit hervor, mit der sich Schweitzer an eine Neuinterpretation des menschlichen Sehens wage. Mit seiner Arbeit beschreite Schweitzer einen innovativen Weg der Erforschung der menschlichen Informationsverarbeitung und gebe neue Impulse für das Verständnis unserer Wahrnehmung. Sein methodischer Ansatz sei bahnbrechend ebenso wie seine Erkenntnisse, die das Forschungsfeld nachhaltig verändern werden.

    Schweitzer studierte im Bachelor Psychologie an der Universität Potsdam und im Master „Mind and Brain“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Schweitzer erhielt während seiner Promotion an der HU Berlin ein Promotionsstipendium der Studienstiftung. Seit 202o forscht er am Exzellenzcluster „Science of Intelligence“ in Berlin.

    Cornelia Pierstorff erhält für ihre Dissertation „Ontologische Narratologie. Welt erzählen bei Wilhelm Raabe“ im Fach Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Zürich den Johannes Zilkens-Promotionspreis 2022.

    Die Arbeit setzt an der Frage an: Was ist erzählte Welt und wie „machen“ Erzähltexte die Welt, von der sie erzählen? Pierstorff befasst sich mit grundlegenden Fragen der Erzähl- und Fiktionstheorie und verbindet diese gewinnbringend zu einer neuen Narratologie des „Worldmaking“. Ergänzt und unterfüttert werden ihre theoretischen Ausführungen durch Einzelanalysen der realistischen Prosa Wilhelm Raabes zwischen 1856 und 1902. Das Problemfeld der „Erzählbarkeit” und der „erzählten Welt“ werde dabei über das konkrete Korpusbeispiel hinaus systematisch operationalisiert und für andere Philologien anwendbar, hebt die Jury in ihrer Begründung hervor. Mit ihrer Arbeit und dem Vorschlag einer „ontologischen Narratologie“ leiste die Literaturwissenschaftlerin einen wegweisenden Beitrag zur Erzählforschung im breiten Kontext historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Dimensionen der Moderne. Die Arbeit ebne nicht nur der Raabe-Forschung neue Wege, sondern werde ein Standardwerk für die Realismus- und Erzähltextforschung.

    Pierstorff studierte im Bachelor Geschichtswissenschaft und Philosophie sowie im Master Literatur- und Kulturtheorie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie erhielt während ihrer Promotion an der Universität Zürich ein Promotionsstipendium der Studienstiftung. Seit 2021 forscht Pierstorff als Oberassistentin am Deutschen Seminar der Universität Zürich.

    // Über die Promotionspreise der Studienstiftung //

    Die Studienstiftung vergibt in den drei Sektionen Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften sowie Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Promotionspreise:

    Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, ein langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, und wird seit 2014 für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben.

    Der Lieselotte Pongratz-Promotionspreis in den Gesellschaftswissenschaften erinnert an die Hamburger Soziologin und Kriminologin und ehemalige Vertrauensdozentin der Studienstiftung. Er wird ab 2022 jährlich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler verliehen, die herausragende Forschungsergebnisse in den Gesellschaftswissenschaften erzielen konnten.

    Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Dissertationen in den Geisteswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung benannt. Von 2014 bis 2021 wurde der Preis für Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verliehen. Ab 2022 wird der Preis für Dissertationen in den Geisteswissenschaften ausgelobt, gesellschaftswissenschaftliche Promotionen mit dem Lieselotte Pongratz-Preis prämiert.

    Die Preisgelder tragen der Verein „Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes“ und die „Theodor Pfizer Stiftung zur Unterstützung der Studienstiftung“.

    Weitere Informationen zum neuen Lieselotte Pongratz-Promotionspreis

    Auf Nachfrage vermitteln wir gerne Kontakte zu den ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

    Kontakt für Medienanfragen:
    Studienstiftung des deutschen Volkes
    Team Kommunikation | Pressesprecherin
    Isa Lange
    Ahrstraße 41, 53175 Bonn
    Telefon: +49 228 82096 330
    E-Mail: lange@studienstiftung.de


    Weitere Informationen:

    http://Weitere Informationen zu den Promotionspreisen der Studienstiftung - https://www.studienstiftung.de/auszeichnungen/promotionspreise/
    https://www.studienstiftung.de/pressemitteilungen/artikel/studienstiftung-vergib... - Pressemitteilung: Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2022


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Chemie, Physik / Astronomie, Psychologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Ausgezeichnet: Literaturwissenschaftlerin Cornelia Pierstorff, Psychologe Richard Schweitzer, Physikerin Annabelle Bohrdt, Naturwissenschaftler Johannes Morstein (Chemische Biologie), Soziologe Philipp Schäfer.


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