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27.01.2022 15:46

Medizinische Daten sinnvoll nutzen - Förderung für Datentreuhandmodelle

Petra Sandow Kommunikation und Medien
Universitätsklinikum Bonn

    Bonn, 27. Januar 2022 – Daten sind die Grundlage, um schnellere Fortschritte in der medizinischen Forschung zu erzielen und langfristig das Gesundheitssystem zu verbessern. Die Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) hat gemeinsam mit dem Institut für Bürgerliches Recht, Informations- und Datenrecht der Universität Bonn sowie den Fraunhofer Instituten für Internationales Management und Wissensökonomie IMW und für Software- und Systemtechnik ISST 800.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur praktischen Etablierung sogenannter Datentreuhandmodelle erhalten.

    Ziel des Projektes ist es, medizinische Daten der Radiologie in einer geschützten Umgebung der Forschung umfassend zur Verfügung zu stellen.

    In der Medizin besteht über alle Fächergrenzen hinweg ein großer Bedarf an der Auswertung von standortübergreifenden Daten. Besonders deutlich wird dies in der Radiologie: die Vielzahl der radiologischen Bilder, die täglich aufgenommen werden, enthalten sehr viel mehr Informationen, als nur den einzelnen radiologischen Befund. Vielmehr können heute Texturanalysen, sogenannte Radiomics-Analysen, auf radiologischen Bildern zur Datenerhebung durchgeführt werden, welche für den Radiologen zunächst nicht sichtbar sind, aber wichtige Informationen über die Krankheit wie Prognoseabschätzungen liefern können.

    „Voraussetzung dieser Ansätze ist die Analyse sehr großer Datenbestände“, betont Prof. Dr. Alexander Radbruch, Direktor der Klinik für Neuroradiologie und Projektleiter am UKB. „In der klinischen Realität scheitern jedoch immer noch viele Forschungsprojekte daran, dass datenschutzrechtliche Fragen ungeklärt bleiben und insbesondere bereits erhobene, sogenannte retrospektive Daten, häufig nicht für die Forschung verwendet werden dürfen.“

    Sicherer und vertrauensvoller Datenaustausch

    Diesem Missstand soll jetzt in einem neuen Forschungskonsortium, das durch die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Bonn, die Klinik für Neuroradiologie des UKB sowie das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW und das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST gegründet wurde, entgegengewirkt werden.

    „Natürlich handelt es sich gerade bei Gesundheitsdaten um sehr sensible Daten, die besonders geschützt werden müssen und keinesfalls in die falschen Hände geraten dürfen“, erklärt Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider, Professorin für Bürgerliches Recht, Informations- und Datenrecht der Universität Bonn. „Trotzdem hängt der medizinische Fortschritt in erheblichem Maße von einer adäquaten Datennutzung ab. Es gilt daher, Forschungsinteressen und Datenschutz miteinander in Einklang zu bringen. Eine Möglichkeit könnten sogenannte Datentreuhänder sein – technische Möglichkeiten zur gemeinsamen Auswertung von Datenbeständen mehrerer Beteiligter wie Unikliniken, die den Zugriff Unbefugter ausschließen und lediglich die Datenauswertungsergebnisse an die Datengeber ausgeben.“

    Dass es sich bei dem Projekt um einen zentralen Baustein innerhalb der medizinischen Forschungslandschaft handelt, betont auch der Dekan der medizinischen Fakultät Prof. Dr. Bernd Weber. „Eine Vielzahl von medizinischen Forschungsprojekten beruht auf dem sicheren Austausch großer Datenmengen“, bestätigt Prof. Weber. Ferner sei der sichere Datenausaustausch auch für Start-ups im medizintechnischen Bereich essentiell. Erst kürzlich hat die medizinische Fakultät der Universität Bonn für die Unterstützung von Start-ups eine Förderung im Rahmen des BoHAIMe Antrags zur Entwicklung medizinischer Software erhalten. „Durch das neue Projekt zur Datentreuhand können wir nunmehr sowohl kollaborative Forschungsprojekte fördern, als auch innovativen Start-ups Rechtssicherheit, hinsichtlich der Verwendung medizinischer Daten geben“, freut sich Prof. Weber.

    „Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit der Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät und Fraunhofer dieses wichtige Projekt für die Zukunft medizinischer Forschung starten können“, betont auch Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKB. „Nur durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit können die drängenden Fragen des Datenschutzes im medizinischen Umfeld gelöst werden. Wir freuen uns, dass wir am UKB hier Impulse setzen können.“

    Pressekontakt:
    Dr. Inka Väth
    Medizin-Redakteurin
    Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
    Telefon: +49 228 287-10596
    E-Mail: inka.vaeth@ukbonn.de

    Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 400.000 Patient*innen betreut, es sind 8.300 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,3 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr rund 600 junge Menschen in anderen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Alexander Radbruch
    Direktor der Klinik für Neuroradiologie
    Universitätsklinikum Bonn
    Telefon: +49 228 287-16507
    E.Mail: Alexander.Radbruch@ukbonn.de

    Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider
    Professorin für Bürgerliches Recht, Informations- und Datenrecht
    Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Bon
    Telefon: +49 (0)228 73-4240
    E-Mail: sekretariat.specht@jura.uni-bonn.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin, Recht
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Sicherer Austausch von medizinischen Daten für eine sinnvolle Nutzung: (v. li.) Prof. Wolfgang Holzgreve, Prof. Louisa Specht-Riemenschneider und Prof. Alexander Radbruch freuen sich über eine Förderung in Höhe von 800.000 Euro des Bundesminist


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