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28.01.2022 12:15

„Green-IT: Nachhaltigkeit in der Digitalisierung“ wird in Workshops angeboten

Katja Bolza-Schünemann M.A. Hochschulkommunikation
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

    Die Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik thematisiert den umweltbewussten Umgang mit Hard- und Software

    Green-IT – das betrifft nicht nur Recycling bzw. Verschrottung von Hardware oder die Reduktion von Daten-Geschwindigkeit, es kann beispielsweise auch einen optimierten Einsatz von Software einschließen. Prof. Dr. Sebastian Biedermann bietet gemeinsam mit Prof. Dr. Isabel John, Prof. Dr. Peter Braun und weiteren Professorinnen des National Technical University Kharkiv Polytechnic Institute (KhPI) im Sommersemester ein Modul „Nachhaltigkeit in der Digitalisierung – Green-IT“ an. Es bildet einen integrativen Bestandteil des Angebotes „Mobility goes virtual“ der Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt in Kooperation mit dem ukrainischen National Technical University Kharkiv Polytechnic Institute.

    Vor allem über Workshops möchte Biedermann Studierende beider Länder für die Thematik Green-IT sensibilisieren. Nachhaltigkeit – das umfasst nicht nur die Hardware und Betriebssysteme, die Entsorgung von Rechnern, Laptops, Readern und Smartphones oder die EU-weite gesetzliche Einigung auf einheitliche Ladeschnittstellen für alle einschlägigen Geräte. Die Schnelligkeit aller Vorgänge stehe zentral im Fokus der Userinnen und User – diese sei jedoch nicht immer ressourcenschonend und müsse überdacht, könne optimiert werden. So kann beispielsweise im Bereich Kryptographie mit geschickter Auswahl von geeigneten Algorithmen und Schlüssellängen passend zum Szenario effizienter kommuniziert werden.

    Software - Green Coding und Zero Carbon

    Auch im Bereich der Software und Netzwerke können Prozesse umweltfreundlicher realisiert werden, um z. B. die Produktion von Treibhausgasen einzugrenzen. Die Informations- und Kommunikationstechnologie mache aktuell fünf bis neun Prozent des weltweiten Stromverbrauchs aus – eine Suchanfrage im Internet benötigt etwa 0,0003 bis 0,003 kWh (Quelle: Quarks). Über das sogenannte „Green Coding“ (siehe z.B. Firmen wie „ecochain“, „ecovadis“ oder „carbmee“) kann nicht verwendete Software heruntergefahren werden - oder es wird geprüft, ob Vorgänge in Echtzeit verarbeitet werden und somit das Bereithalten dynamischer Inhalte kontinuierlich notwendig ist oder optimiert werden kann.

    Effiziente Kommunikationsformen

    Auf Basis durchdachter, intelligenter Kommunikationsformen on- und offline können z. B. Apps, Chatbots, Formulare, Blogs/Vlogs eingesetzt werden, um eine Vielzahl an unnötigen Mails einzusparen. Auf Formen von immer wiederkehrenden Selbstinformationen und überflüssigen Angaben könnte ebenso verzichtet werden wie auf die temporär nicht notwendige Aufrechterhaltung von Netzwerkverbindungen („Keep-Alive-Nachrichten“).

    Dezentralisierte Systeme

    Dezentrale Systeme verfügen über keine zentrale steuernde Instanz, sondern die Nutzenden stellen gleichzeitig selbst die Systemfunktionalität bereit. Um derartige Systeme realisieren zu können und in dezentralen Systemen zu einem gemeinsamen Status aller Teilnehmer zu finden (sog. Konsens), sind aufwändige Strategien notwendig. So benötigt beispielsweise die dezentrale Kryptowährung Bitcoin enorm viel Energie zur Konsensfindung (d. h. wer hat zu welchem Zeitpunkt wie viel Guthaben). Andere ressourcenschonendere Strategien sind allerdings auch möglich und setzen sich nun schrittweise durch.

    Ressourcenoptimierung

    Biedermann schlägt folgende ressourcenschonende Optimierungen vor:

    - Bestand-schonende Aktivitäten von Hardwarekomponenten und Betriebssystemen - nicht immer ist die neueste Hardware notwendig. Häufig könnten ältere Komponenten länger verwendet werden.
    - die gemeinsame Nutzung von Hardwareleistung mit Hilfe von Virtualisierungstechnologien (z.B. Hypervisorsoftware, die Hardwarekomponenten virtuell aufteilt).
    - Containerisierung (das Verpacken von Softwarecode in Pakete, die die erforderlichen Komponenten wie Bibliotheken, Frameworks und weiteren Elementen enthalten), Cloud-Computing und das "as-a-service"-Paradigma (ein Modell, das Services als Cloud-Dienstleistungen bereitstellt oder aus dem Netz bezieht)

    Re-Use und Richtlinien

    Auch das Thema „Re-Use“ (das systematische Wieder- bzw. Weiterverwendung von Komponenten) sowie Umwelt-Richtlinien sollen im Sommersemester zur Sprache kommen. In der Green-IT kommen u. a. die „RoHs“- sowie die „WEEE-Richtlinie“ zum Tragen: Die RoHS-Richtlinie (Restriction of Hazardous Substances) regelt die Verwendung und Reduktion gefährlicher Stoffe in Produkten. Die WEEE-Richtlinie (Waste of Electrical and Electronic Equipment) erlässt die Rahmenbedingungen, um abgegebene Elektro- und Elektronikgeräte zu sammeln, wertvolle und seltene Roh- und Wertstoffe aus ihnen zu extrahieren und die Geräte zu recyceln.

    Stromverbrauch und Serverfarmen

    Der Stromverbrauch für die Nutzung und Kühlung von Rechnern und Rechenzentren ist enorm und könnte im Zuge der Nachhaltigkeit reduziert werden. Zwischen 35 und 50 Prozent der gesamten Energiekosten eines Rechenzentrums werden für die Kühlung aufgewendet. Um möglichst wenig Energie in Kühlung zu investieren, werden Serverfarmen in Regionen aufgestellt, in denen es kühl ist wie im schwedischen Luleå und im russischen Bratsk oder in denen die Geothermie genutzt wird wie auf Island. Auch kann über Rankings mit dem „Clean Energy Index“ der Energieverbrauch von Internet-Unternehmen eingesehen und entsprechend eine Wahl getroffen werden („Grüner-klicken"-Report)

    Green IT – Nachhaltigkeit in der Digitalisierung an der FHWS

    Im Programm „Mobility goes virtual“ ist das Modul „Nachhaltigkeit in der Digitalisierung - Green IT“ integriert. Daran beteiligt sind in der Ukraine die National Technical University Kharkiv Polytechnic Institute (Kharkov) und in Würzburg die Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik an der FHWS. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert das einjährige Projekt im Rahmen der International Virtual Academic Collaboration (IVAC) in Kooperation mit dem Hochschulservice Internationales (HSIN). Ansprechpersonen an der FHWS: Franziska Meyer, Maike Antlitz, Prof. Dr. Peter Braun, Prof. Dr. Isabel John, Prof. Dr. Sebastian Biedermann Ansprechpersonen an der KhPI: Prof. Dr. Mariia Kozulia, Prof. Dr. Maryna Vovk, Prof. Dr. Olga Cherednichenko


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Hochschule Würzburg-Schweinfurt
    Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik
    Prof. Dr. Sebastian Biedermann
    Sanderheinrichsleitenweg 20
    97074 Würzburg
    0931-3511-8973
    sebastian.biedermann@fhws.de


    Weitere Informationen:

    https://fiw.fhws.de/fakultaet/aktuelle-projekte/mobility-goes-virtual/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Kooperationen, Studium und Lehre
    Deutsch


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