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28.03.2022 20:36

Entdeckung im Versteinerten Wald

Dr. Gesine Steiner Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

    Forschende unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin haben eine neue Pflanzenart aus dem Versteinerten Wald in Chemnitz beschrieben. Der riesige, 291 Millionen Jahre alte Farnsamer wird in den kommenden Jahren weiter untersucht. Ziel ist es, die Vielfalt der Pflanzen in den Wäldern des frühen Perms und ihre Rolle in den zunehmend extremen Ökosystemen dieser Zeit zu erforschen. Die Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Vegetation und Klima im späten Paläozoikum bei, einer Zeit am Ende einer großen Vereisungsphase unserer Erde, die ähnlich zu unserer heutigen Situation ist.

    Ein Team von Paläobotaniker:innen hat ein besonders beeindruckendes Fossil einer Farnsamer-Pflanze beschrieben (Medullosa stellata Cotta 1832), eine Gruppe heute ausgestorbener Samenpflanzen, die in Laub- und Wuchsform an große Baumfarne erinnern. Die Krone der Pflanze, die während eines Vulkanausbruches vom Stamm abgebrochen und kopfüber in vulkanische Asche gefallen war, wurde im Jahr 2010 im Versteinerten Wald von Chemnitz ausgegraben. Vor 291 Millionen Jahren wurde dort ein kompletter Wald samt Flora und Fauna unter mächtigen Ascheschichten begraben und bis heute in großer Detailtreue dreidimensional konserviert. Paläontologische Forschung eröffnet einzigartige Einblicke in diese Lebewelt, besonders in Hinblick auf das Zusammenwirken der Organismen und ihre Wechselwirkung mit der Umwelt.
    Nach mehr als 10 Jahren aufwändiger Präparationsarbeit liegt nun die erste detailgetreue Rekonstruktion eines Medullosales-Farnsamers überhaupt vor. Die Pflanze hatte vermutlich einen bis zu 10 m langen, schlanken Stamm mit einer schirmartigen Krone aus mehreren, über 3 m langen Wedeln, die eine beeindruckend große Blattoberfläche aus feinen Fiederblättchen aufwiesen. Sie wuchsen im eher schattigen Unterbau des Waldes, in dem riesige Cordaitenbäume (frühe Verwandte der Koniferen) das Kronendach bildeten. Die flächig großen Wedel waren für eine maximale Ausbeute des einfallenden Sonnenlichts ideal. Die Forschenden nehmen an, dass diese Pflanzen eine hohe Wasseraufnahme- bzw. Verdunstungskapazität besaßen. Daher waren sie vermutlich auf ganzjährig feuchte Standorte mit hohem Grundwasserspiegel angewiesen und hatten eine weite Verbreitung im frühen Perm. Im zunehmend trockener werdenden Klima auf dem Superkontinent Pangäa starben die Medullosales Ende des Perms aus.
    Bisher ist wenig über diese merkwürdig anmutenden Pflanzen bekannt. Ihre Erforschung soll in den kommenden Jahren im Rahmen eines geplanten DFG-Projekts intensiviert werden. Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit bildet umfangreiches Fossilmaterial in den paläobotanischen Sammlungen des Museums für Naturkunde Berlin und des Museums für Naturkunde Chemnitz. Ziel der Erforschung ist es, die Vielfalt der Pflanzen in den Wäldern des frühen Perms zu erforschen und ihre Rolle in den zunehmend extremen Ökosystemen dieser Zeit zu untersuchen. „Ein spannender Aspekt dabei ist, auf Analogien in der ökologischen Rolle dieser Farnsamer im Vergleich zu Blütenpflanzen der heutigen Tropen bzw. Subtropen einzugehen“, so Ludwig Luthardt, Paläobotaniker am Museum für Naturkunde Berlin. „Die Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Vegetation und Klima im späten Paläozoikum bei, einer Zeit am Ende einer großen Vereisungsphase unserer Erde, die annähernd vergleichbar zu unserer heutigen Situation ist.“


    Originalpublikation:

    DOI: 10.7717/peerj.13051


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Geowissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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