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27.04.2022 12:30

Was bringt Open Access? TIB-Studie bestätigt Vorteile und entkräftet Vorbehalte

Dr. Sandra Niemeyer Kommunikation und Marketing
TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften / TIB - Leibniz Information Centre for Science and Technology

    „Wirkungen von Open Access“: TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften veröffentlicht neue Studie zu Open-Access-Wirkungen

    HANNOVER, 27. April 2022 – Open Access, die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Publikationen, bietet viele Vorteile. Wie Umfragen zeigen, haben einige Wissenschaftler:innen dennoch Vorbehalte. Im vergangenen Jahrzehnt wurden viele empirische Studien veröffentlicht, die fundierte Ergebnisse zu Hoffnungen und Befürchtungen in Bezug auf Open Access liefern.

    Die Studie „Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010–2021“, die die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt hat, bietet nun eine umfassende Übersicht zu empirischen Studienergebnissen zu den Wirkungen von Open Access.

    „Die Ergebnisse helfen dabei, Vor- und Nachteile von Open Access zu bestimmen. Sie dienen als Wissensbasis für die Open-Access-Strategien von Wissenschaftler:innen, Verlagen, Institutionen und politischen Entscheidungsträger:innen“, erklärt Prof. Dr. Sören Auer, Direktor der TIB.

    Was wurde untersucht? – Analyse von 61 relevanten Studien zu Wirkungen von Open Access

    Die TIB identifizierte für diesen Überblick insgesamt 318 wissenschaftliche Studien, die sich empirisch mit verschiedenen Wirkungen von Open Access auseinandersetzen. Aus diesem Korpus wählte sie 61 besonders relevante Studien für einen systematischen Vergleich aus, analysierte sie im Detail und stellte die verschiedenen Ergebnisse detailliert gegenüber.

    Die untersuchten Wirkungen beziehen sich auf sieben größere Aspekte von Open Access:

    1. Aufmerksamkeit in der Wissenschaft
    2. Qualität wissenschaftlicher Publikationen
    3. Wissenstransfer
    4. Produktivität des Publikationssystems
    5. Nutzung von Publikationen
    6. Ungleichheit im Wissenschaftssystem
    7. Ökonomische Auswirkungen auf das Publikationssystem

    Die Ergebnisse: Forschungsstand zu Open-Access-Wirkungen

    Dr. David Hopf, der als Hauptautor die Studie maßgeblich verfasst hat, führt die wesentlichen Ergebnisse aus: „Die untersuchte Literatur bestätigt mehrere Vorteile von Open Access: Der freier Zugang führt zu einer stärkeren Nutzung und einem fachlich und geografisch diverseren Publikum. Zugleich tragen Open-Access-Publikationen stärker zum Wissenstransfer bei als traditionell veröffentlichte Forschungsergebnisse und der Publikationsprozess – die Zeit zwischen Einreichung und Annahme bzw. Veröffentlichung von Artikeln – ist kürzer. Zudem können einige vermutete negative Befürchtungen in Bezug auf Open-Access-Wirkungen wie eine geringere Qualität von Open-Access-Publikationen und Nachteile beim Verkauf von Druckausgaben entkräftet werden.“

    Ein Teilergebnis ist allerdings überraschend: Dass Open-Access-Publikationen häufiger zitiert werden als Veröffentlichungen, die nicht frei verfügbar sind, wird oft als Vorteil von Open Access genannt – und auch von den meisten empirischen Studien bestätigt. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der empirischen Literatur weicht jedoch von diesem Ergebnis ab, sodass ein Open-Access-Zitationsvorteil nicht eindeutig empirisch bestätigt werden kann. Angesichts einer hohen Plausibilität und methodischer Schwierigkeiten in diesem Bereich ist ein solcher jedoch weiterhin zu vermuten.

    Lediglich ein Ergebnis zeigt eine negative Wirkung von Open Access: Wo es sogenannte Article Processing Charges (APCs) – die bei vielen Open-Access-Veröffentlichungen anfallenden Publikationskosten – gibt, können Autor:innen mit geringeren Ressourcen, etwa wegen geringer Einkommensverhältnisse in manchen Weltregionen oder fehlender institutioneller Förderung, von einer Publikation abgehalten werden. Dies ist allerdings keine Wirkung von Open Access an sich, sondern eine Wirkung eines bestimmten Geschäftsmodells zur Finanzierung von Open Access.

    Offene Fragen – weitere Forschung notwendig

    Neben Antworten auf Fragen zur Wirkung von Open Access identifiziert die TIB-Studie auch Aspekte von Open-Access-Wirkungen mit potenziell hoher Relevanz, die noch nicht ausreichend untersucht wurden. Forschungslücken gibt es beispielsweise zu folgenden Fragestellungen: Wie verhält sich die negative Auswirkung von APCs auf Ungleichheiten im Wissenschaftssystem zu der positiven Wirkung von Open Access auf die Diversität der Nutzung wissenschaftlicher Publikationen? Wie genau wirkt Open Access auf die Karrierewege von Wissenschaftler:innen? Wer profitiert wie stark von Open Access – verteilen sich die Vorteile gleichmäßig oder machen Geschlecht und Zugang zu finanziellen Ressourcen einen Unterschied?

    Außerdem können in fast allen untersuchten Wirkungsfeldern weitere Studien helfen, die bestehenden Ergebnisse zu überprüfen und die Verallgemeinerbarkeit der Aussagen zu verbessern, etwa durch anspruchsvolle Forschungsdesigns und Methoden, die mögliche Störfaktoren systematisch ausschließen.

    „Die Ergebnisse zu Open-Access-Wirkungen zeigen, dass das Ziel einer weitgehenden Transformation zu Open Access, dem sich die deutschen Wissenschaftsorganisationen verschrieben haben, der richtige Weg ist. Aus den Ergebnissen der von uns durchgeführten Studie lassen sich vier konkrete Empfehlungen ableiten: Open Access weiter ausbauen, die genannten Forschungslücken schließen, weitere Forschung zu bestimmten Wirkungen fördern und den negativen Auswirkungen von APCs auf Ungleichheiten mit entsprechenden Gegenmaßnahmen begegnen“, so das Fazit von Marco Tullney, der als Leiter Publikationsdienste an der TIB für die Studie verantwortlich ist.

    Weitere Informationen zu der TIB-Studie finden Sie in den Beitrag „Wirkungen von Open Access – neue TIB-Studie zu Open-Access-Wirkungen“ im TIB-Blog: https://tib.eu/studie-open-access-wirkungen

    Ansprechpartner bei Fragen und für weitere Informationen zu der TIB-Studie ist Dr. David Hopf, erreichbar unter david.hopf@tib.eu.


    Studie „Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010–2021“
    David Hopf, Sarah Dellmann, Christian Hauschke und Marco Tullney. 2022. Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010–2021. Technische Informationsbibliothek (TIB). https://doi.org/10.34657/7666


    Über die TIB
    Die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften versorgt als Deutsche Zentrale Fachbibliothek für Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik Wissenschaft und Wirtschaft mit Literatur und Informationen. Sie verfügt als weltweit größte Fachbibliothek in ihren Bereichen über einen exzellenten Bestand an grundlegender und hochspezialisierter technisch-naturwissenschaftlicher Fachinformation. Hierzu zählen auch Wissensobjekte wie 3D-Modelle, Forschungsdaten und audiovisuelle Medien. Die TIB engagiert sich für Openness, den offenen Zugang zu Informationen, Publikationen und wissenschaftlichen Daten: Sie arbeitet daran, Information und Wissen transparenter, einfacher zugänglich und besser nachnutzbar zu machen.
    Die TIB baut ihre Rolle als deutsches Informationszentrum für die Digitalisierung von Wissenschaft und Technik stetig aus und betreibt angewandte Forschung und Entwicklung, um neue Dienstleistungen zu generieren und bestehende zu optimieren. Ihre Schwerpunkte liegen auf Responsible Data Science, nicht-textuellen Materialien, Scientific Data Management, Open Science und Visual Analytics.

    Fach- und Forschungscommunities unterstützt die TIB unter tib.eu mit wissenschaftlichen Inhalten und digitalen Diensten in den verschiedenen Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens. Im TIB AV-Portal kann, basierend auf semantischen Analyseverfahren, zielgenau im großen Bestand an wissenschaftlichen Videos gesucht werden. Durch die Vergabe von DOI-Namen (Digital Object Identifier) sichert die TIB die Qualität sowie die dauerhafte Verfügbarkeit und Referenzierbarkeit von wissenschaftlichen Objekten.

    Die TIB ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Niedersachsen. Sie ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.


    Anhang
    attachment icon Grafik: Ergebnisse der untersuchten Wirkungen von Open Access (Grafik aus: „Wirkungen von Open Access“, S. 22)

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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