idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Teilen: 
18.05.2022 10:50

Substitution von russischem Gas durch Biogas nur begrenzt möglich

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

    DBFZ empfiehlt Sofortprogramm zur Mobilisierung von nachhaltiger Biomasse

    Welche Rolle kann Biogas bei der Sicherung der Energieversorgung vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine spielen? In einem Positionspapier zeigen Wissenschaftler*innen des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) auf, dass ein Exportstopp von russischem Erdgas nur sehr begrenzt durch Biogas kompensiert werden kann. Zur Sicherung der vorhandenen Beiträge wird vor diesem Hintergrund u.a. eine zügige Umstellung der Biogaserzeugung auf landwirtschaftliche Nebenprodukte, biogene Abfälle und Anbaubiomasse ohne zusätzlichen Flächenbedarf empfohlen.

    Derzeit werden etwa 94 TWh Biogas erzeugt, was etwa 9 % des nationalen Erdgasverbrauchs entspricht. Dieser wurde im 1. Quartal 2022 zu rund 40 % durch russisches Gas gedeckt. Ein direkter Ersatz von Erdgas durch Biogas in allen Anwendungen ist allerdings erst nach Aufbereitung zu Biomethan möglich. Dies erfolgt derzeit im Umfang von 11 TWh, was etwa einem Anteil von etwa 1 % am Gasmarkt entspricht. Darüber hinaus kann Biogas Erdgas ohne vorherige Aufbereitung in einzelnen Anwendungen ersetzen. Hierzu zählen flexibel erzeugter Strom (13 TWh bzw. 22 % der Strombereitstellung aus Erdgas) und (KWK-)Wärme (13 TWh bzw. 2 % der Wärmebereitstellung aus Erdgas). Diese Beiträge zur Energieversorgungssicherheit lassen sich mittelfristig nur begrenzt erhöhen, wie aus dem nun veröffentlichten Positionspapier „Die Rolle von Biogas für eine sichere Gasversorgung in Deutschland“ hervorgeht. So könnte etwa der Anteil von Biomethan am Gasmarkt nach Einschätzung der DBFZ-Wissenschaftler*innen bis 2030 auf ca. 3 % ausgeweitet werden.

    Da Biogassubstrate derzeit infolge der hohen Preise für Agrarprodukte verstärkt auf anderen Märkten nachgefragt werden, stellt jedoch bereits die Sicherung der aktuellen Beiträge zur Energieversorgungssicherheit eine Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Wissenschaftler*innen des DBFZ in ihrem Positionspapier ein Sofortprogramm zur Mobilisierung von biogenen Nebenprodukten, Abfällen und Anbaubiomasse ohne zusätzlichen Flächenbedarf im Umfang von 30 TWh. Dies könne bspw. zeitnah durch geeignete Anreize im EEG umgesetzt werden, so Dr. Harry Schindler, einer der Mitverfasser des Positionspapiers. Eine noch stärkere Ausweitung der Biogaserzeugung ist kurzfristig nur durch starke Einschränkungen von Nachhaltigkeitsanforderungen in Kombination mit noch höheren staatlichen Anreizen möglich. Das stünde jedoch kaum im Verhältnis zu den dadurch realisierbaren Biogasmengen, so das DBFZ. Die geringen Anteile von Biogas und Biomethan im Gasmarkt sowie die Herausforderungen für Erhalt und Ausbau der Erzeugung biogener Gase zeigen, dass Biomasse einen Exportstopp von russischem Erdgas nur sehr begrenzt auffangen kann, so ein Fazit der nun vorgelegten Stellungnahme. Vor allem die begrenzte Verfügbarkeit nachhaltiger Biogassubstrate ohne Konkurrenz zur Ernährungssicherheit schränkt das Potenzial von Biogas für eine erweiterte Substitution von Erdgasanwendungen ein. Ungeachtet dessen stellt Biogas angesichts der hohen gesellschaftlichen (Gebäudewärme) und wirtschaftlichen (Industrie) Bedeutung gasförmiger Energieträger einen wichtigen Baustein für die aktuelle und zukünftige Gasversorgung in Deutschland dar. Vor dem Hintergrund des Risikos eines Embargos durch Russland sollte dieser Beitrag gesichert und wo möglich ausgeweitet werden.

    Smart Bioenergy – Innovationen für eine nachhaltige Zukunft

    Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden – www.dbfz.de.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Daniela Thrän
    Tel: (0)341 2434-435
    E-Mail: daniela.thraen@dbfz.de

    Dr. Harry Schindler
    Tel.: +49 (0)341 2434-557
    E-Mail: harry.schindler@dbfz.de


    Originalpublikation:

    https://www.dbfz.de/fileadmin//user_upload/Referenzen/Statements/Positionspapier...


    Weitere Informationen:

    https://www.dbfz.de/pressemediathek/presse/pressemitteilungen/substitution-von-r...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Energie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Biogas kann einen Exportstopp von russischem Erdgas nur begrenzt kompensieren.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).