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23.06.2022 10:46

Mesotheliom des Hodens: Histopathologische Untersuchung unerlässlich für Klassifizierung

Anne Rommel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

    Mesotheliome sind sehr aggressive, nahezu ausschließlich durch Asbest ausgelöste Tumore, die sehr häufig beruflich bedingt sind. Zwischen 2014 und 2020 wurden vier von fünf in einem Institut begutachteten Fälle eines Mesothelioms des Hodens als Berufskrankheit anerkannt. Der fünfte Fall konnte wegen fehlender Mitwirkung des Betroffenen nicht eingestuft werden. Alle fünf Fälle wurden jedoch am Anfang unter einer Verdachtsdiagnose behandelt, die nicht im Zusammenhang mit einem Mesotheliom des Hodens stand. Das zeigt, wie wichtig die histopathologische Untersuchung des operativ entfernten Gewebes ist.

    Die Verarbeitung von Asbestprodukten ist in Deutschland zwar schon lange verboten, trotzdem löst das Mineral immer noch zahlreiche Krankheiten aus. Ein Beispiel sind Mesotheliome – seltene, aber äußerst aggressive Tumore, die fast ausschließlich durch das Einatmen von Asbest ausgelöst werden. Trotz radikaler Operation besteht bei den Patienten eine hohe Sterberate.

    Die Vermutung liegt nahe, dass die Dunkelziffer von Mesotheliomen der Tunica vaginalis des Hodens sogar noch höher ist als bisher bekannt. Ein Mesotheliom des Hodens muss, wie alle anderen Mesotheliome auch, immer als Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit den Unfallversicherungsträgern gemeldet werden.

    Zufallsbefund: Asbestbedingte Tumorerkrankung

    In den Jahren 2014 bis 2020 wurden dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Castrop-Rauxel insgesamt fünf Mesotheliome der Tunica vaginalis des Hodens zur Beurteilung vorgelegt. Im Vorfeld der Operation gab es keinen Verdacht auf eine Asbestexposition. Erst die histopathologische Aufarbeitung führte zur Diagnose einer asbestbedingten Tumorerkrankung. Auf Grund der hohen Rate an Zufallsbefunden eines Mesothelioms des Hodens sollte eine histopathologische Untersuchung von entferntem Gewebe aus ärztlicher Sicht daher der Goldstandard sein.

    Hintergrund: Durch Asbest verursachte Mesotheliome

    Asbest wird schon sehr lange als feuerfestes Material verwendet. Seit 1993 ist das krebserzeugende Mineral in Deutschland weitestgehend verboten. Da jedoch zwischen dem Kontakt mit Asbest und dem Auftreten von Erkrankungen mehr als 50 Jahre vergehen können, werden weiterhin auch neue Fälle von Mesotheliomen diagnostiziert. Mesotheliome sind seltene Tumore des Herzbeutels, Rippen- und Bauchfells, noch seltener sind Mesotheliome der Tunica vaginalis des Hodens. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts erkrankten 2016 mehr als 1.300 Personen in Deutschland an einem Mesotheliom.

    Überwiegend sind Männer in höherem Alter betroffen, die beruflich mit Asbest gearbeitet haben. Diese sind auch aktuell noch gefährdet. Als Berufsgruppen sind u.a. Schlosser, Schweißer, Elektriker, Kraftfahrzeugtechniker und Fliesenleger zu nennen. Bereits geringste Asbestexpositionen können ausreichen, um ein Mesotheliom auszulösen. Daher besteht bei jedem Mesotheliom grundsätzlich der Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Klaus Golka
    Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo)
    Telefon: +49 231 1084-344
    E-Mail: golka@ifado.de


    Originalpublikation:

    Ebbinghaus-Mier, D., Ebbinghaus, R., Prager, HM. et al. Das Mesotheliom der Tunica vaginalis des Hodens – ein histopathologischer Befund mit weitreichenden Konsequenzen. Urologe (2021). https://doi.org/10.1007/s00120-021-01689-0


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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