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22.08.2022 14:23

Studie über Genveränderungen zeigt neue Behandlungschancen für Rheuma auf

Janina Wetzstein Kongress-Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

    Durch Erbgut-Analysen werden immer mehr Krankheiten entdeckt, die auf angeborenen Störungen der Immunabwehr beruhen. Betroffene leiden oft seit der frühen Kindheit unter wiederkehrenden Infekten, die nur durch wiederholte Antibiotikagabe in Schach gehalten werden können. Der Körper ist eigenständig dazu nicht in der Lage. Das Paradoxon: Gerade diese Menschen sind zudem besonders häufig von Autoimmunkrankheiten wie Rheuma betroffen - während das Immunsystem den Körper nach außen also nur bedingt schützt, richten sich seine Abwehrreaktionen stattdessen gegen körpereigene Strukturen.

    Über Ursachen dieses Zusammenhangs konnte lange nur spekuliert werden, jetzt haben Forschende dahinterstehende Genveränderungen aufgedeckt.
    Was das für die Behandlung von rheumatischen Erkrankungen bedeuten, diskutieren Expert:innen am Dienstag, den 23. August 2022, bei der Vorab-Pressekonferenz anlässlich des Rheumatologiekongresses.

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    Der allgemeine variable Immundefekt (CVID) ist eine angeborene Erkrankung und zeichnet sich durch sehr niedrige Konzentrationen von Antikörpern (Immunglobuline) aus. Bis zu 30 Prozent der Patient:innen leiden zusätzlich auch an einer Autoimmunerkrankung. „Die Abwehrzellen sind bei diesen Menschen nur eingeschränkt in der Lage, Krankheitserreger abzuwehren. Stattdessen kommt es zu Angriffen auf den eigenen Körper, beispielsweise auf Gelenke und Gewebe“, sagt Professor Dr. med. Torsten Witte, Direktor der Klinik für Klinik für Rheumatologie und Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er hat gemeinsam mit anderen Forschenden den Zusammenhang zwischen Immundefekten und Autoimmunerkrankungen im Rahmen einer Studie genauer untersucht. „Bekannt war bereits, dass zumindest bei einigen Patient:innen mit Immundefizienz eine Genveränderung vorliegt. Gegenstand unserer Untersuchung war nun, wie häufig eben diese Genveränderung bei Patient:innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen vorkommt“, erklärt Witte.

    Dazu wurden über 1000 Patient:innen untersucht, die aufgrund von Immundefekten eine medikamentöse Behandlung erhielten, die die Funktion des Immunsystems verbessern sollte. Bei der Untersuchungsgruppe konnte nachgewiesen werden, dass bei fast der Hälfte der Patient:innen mit Rheuma und Immundefekt jene Genveränderungen vorliegen, die bisher lediglich mit Immundefekten in Verbindung gebracht wurden. Bei jenen Patient:innen, die lediglich unter einem Immundefekt litten, waren es nur elf Prozent der Teilnehmenden, bei denen eine Genveränderung nachweisbar war. „Die Verbindung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Immundefekten ist somit überwiegend genetisch bedingt“, erläutert Witte. Der Experte erklärt, dass zukünftig genetische Untersuchungen bei neu diagnostizierten Rheumapatient:innen frühzeitig über mögliche Genveränderungen aufklären könnten. Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen hätten entscheidende therapeutische Konsequenzen und deren Nachweis öffne den Weg zu einer individualisierten Rheumatherapie.

    Die bei Menschen mit Immundefekt häufigen Autoimmunreaktionen haben ein neues Verständnis für die beiden Erkrankungen geschaffen. „Wir betrachten einen Immundefekt nicht mehr nur als Erkrankung, die auf der fehlenden Aktivierung des Immunsystems beruht“, sagt Professor Dr. med. Andreas Krause, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) aus Berlin. „Die Betroffenen haben eher ein nicht korrekt austariertes Immunsystem, bei dem es zu einer fehlenden oder einer überschießenden Reaktion kommen kann“, erläutert Krause weiter. Bei der Behandlung müssten die Ärzte darauf achten, welche Komponente gera-de im Vordergrund steht. „Bei Infektionen benötigen die Patient:innen Antibiotika, im nächsten Moment müssen wir Immunsuppressiva geben, um das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen“, so Krause. Welche Schlussfolgerungen sich damit für eine bessere Behandlung ableiten lassen, diskutieren Experten bei der Vorab-Pressekonferenz der DGRh und dem Rheu-matologiekongress 2022.

    Quelle:
    Sogkas G. et al. Annals of the Rheumatic Diseases 2021; 80:392-399

    Bei Abdruck Beleg erbeten.

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    Terminhinweise:

    Online-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2022
    Termin: Dienstag, 23. August 2022, 11.30 bis 12.30 Uhr
    Anmeldung zur Online-PK: https://attendee.gotowebinar.com/register/8633728564376698895

    Kongress-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2022 (hybrid)
    Termin: Donnerstag, 1. September 2022, 12.00 bis 13.00 Uhr
    Ort: Hotel Estrel Berlin, Estrel Saal B
    Adresse: Sonnenallee 225, Berlin
    Anmeldung zur Online-PK: https://attendee.gotowebinar.com/register/8732517485109733135

    Weitere Informationen unter: https://dgrh-kongress.de/service/presse

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    +++PROGRAMM+++

    Online-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2022
    Termin: Dienstag, 23. August 2022, 11.30 bis 12.30 Uhr
    Link: https://attendee.gotowebinar.com/register/8633728564376698895

    Themen und Referierende

    Geplante Ambulantisierung und Frühversorgungskonzepte:
    Wie entwickelt sich die rheumatologische Versorgung?
    Professor Dr. med. Andreas Krause, Präsident der DGRh, Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin, Fachabteilung Innere Medizin, Rheumatologie, Klinische Immunologie und Osteologie

    Aktuelle Zahlen aus der Pro-Kind-Studie:
    Verbesserte Behandlungsstrategien bei rheumatischen Erkrankungen im Kindesalter
    Professor Dr. med. Dirk Föll, Direktor der Klinik für Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Münster

    Keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille:
    Immundefizienz und Autoimmunität
    Professor Dr. med. Torsten Witte, Direktor der Klinik für Immunologie und Rheumatologie an der Medizinischen Hochschule Hannover

    Lessons learned:
    COVID und Rheuma –Impfung, Infektionsfälle und Versorgung
    Professor Dr. med. Christof Specker, Direktor der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie an den Evangelischen Kliniken Essen-Mitte

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    Über die DGRh
    Die DGRh ist mit mehr als 1600 Mitgliedern die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert hierzulande seit 90 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

    Pressekontakt DGRh für Rückfragen:
    Janina Wetzstein, Stella Muthorst, Corinna Deckert
    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
    Pressestelle
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-457/-309, Fax: 0711 8931-167
    wetzstein@medizinkommunikation.org
    muthorst@medizinkommunikation.org
    deckert@medizinkommunikation.org
    http://www.dgrh-kongress.de

    Kontakt DGRh:
    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
    Geschäftsstelle
    Anna Julia Voormann
    Generalsekretärin
    Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang C
    10179 Berlin
    Tel. +49 30 240 484 70
    Fax +49 30 240 484 79
    E-Mail: anna.voormann@dgrh.de
    http://www.dgrh.de

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    Wenn Sie keine Informationen der DGRh mehr wünschen, senden Sie bitte eine E-Mail an: wetzstein@medizinkommunikation.org


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


     

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