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25.08.2022 10:26

Stadtgrün ist Millionen wert – Nutzen berechnen auf www.stadtgruen-wertschaetzen.de

Richard Harnisch Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH, gemeinnützig

    ► Die Menschen in Deutschlands Großstädten wünschen sich mehr Bäume, Grünflächen und begrünte Dächer
    ► Ein neues Onlinetool zeigt, wie sich Szenarien für mehr Stadtgrün auswirken – etwa auf Wasserrückhalt, Luftreinhaltung, Temperaturregulation und die Wertschätzung des Stadtbildes
    ► Mit mehr urbanem Grün könnten Stadtregierungen für ihre Bevölkerung einen jährlichen Nutzen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe erzielen

    Berlin, 25. August 2022 – Von Augsburg bis Wuppertal wünscht sich die Stadtbevölkerung mehr Bäume, mehr naturnahe Grünflächen, begrünte Wege und Dächer. Dies belegt eine repräsentative Befragung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in den 23 größten deutschen Städten. Wie viel Grün eine Stadt bereits hat und wie sich eine Zu- oder Abnahme auswirken würde – das zeigt nun ein Onlinetool des Projekts „Stadtgrün wertschätzen“, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Städte mit mehr als 300.000 Einwohner*innen können in dem Tool berechnen, welche Vorteile ihnen zusätzliches Stadtgrün bietet – etwa für das Stadtklima, den Wasserrückhalt bei Starkregen und die Aufenthaltsqualität. Gerade weil Hitze und Extremwetterereignisse durch die Klimakrise zunehmen, sind dies wichtige Leistungen für lebenswerte Städte, betonen die Forschenden.

    „Maßnahmen zur Steigerung des Grünanteils erbringen für die Bevölkerung in den Städten einen jährlichen Nutzen, der einem Euro-Wert in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe entspricht“, erklärt Projektleiter Professor Jesko Hirschfeld vom IÖW. „Unser frei zugängliches Onlinetool macht diesen Mehrwert mit wenigen Klicks sichtbar. Grundlage ist eine umfangreiche Datenbank zu den Leistungen von Stadtgrün für eine gesunde, lebenswerte und soziale Stadt.“ Ab sofort steht das Tool auf http://www.stadtgruen-wertschaetzen.de bereit. An der Entwicklung waren neben dem IÖW auch die Humboldt-Universität zu Berlin und die Grünflächenämter von Berlin-Neukölln, Karlsruhe sowie Leipzig beteiligt.

    Mehrheit fordert grünere Städte

    Dass Stadtbewohner*innen beim Stadtgrün noch reichlich Verbesserungsbedarf sehen, ergab eine repräsentative Befragung des IÖW im Sommer 2021: Mehr als drei Viertel der 5.100 befragten Großstädter*innen wünschten sich zusätzliche Grünflächen und Straßenbäume.

    „Mit seinen vielseitigen Leistungen erbringt Stadtgrün einen bedeutenden Beitrag für die Lebensqualität in unseren Städten. Grüne Städte sind lebenswert – und das wird auch von der Stadtgesellschaft erkannt“, sagt Rüdiger Dittmar, Präsident der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz GALK e. V. „Es lohnt sich also in Stadtgrün zu investieren! Das zeigt das auch das Stadtgrün-Bewertungstool noch einmal eindrücklich.“

    Onlinetool: Fundierte Zahlen für Stadtplanung und Bürger*innen

    Wie stark würde Berlin profitieren, wenn man die Hälfte aller geeigneten Dachflächen begrünt? Steigt die Lebensqualität für Einwohner*innen von Köln, wenn auf fünf Prozent der Stadtfläche zusätzliche Grünflächen entstehen? Was haben die Menschen in Karlsruhe davon, wenn entlang der Straßen pro 100 Metern drei zusätzliche Bäume gepflanzt werden? Mit dem Stadtgrün-Bewertungstool können Stadtverwaltungen, Politik und interessierte Bürger*innen solche Szenarien selbst durchspielen.

    „Wenn Städte ihr Stadtgrün weiterentwickeln wollen, hilft ihnen das Bewertungstool dabei, besondere Potenziale zu erkennen und mit Bürger*innen über verschiedene Strategien zu diskutieren“, erklärt Catharina Püffel vom IÖW. „Ausgehend von der bestehenden Ausstattung mit verschiedenen Grüntypen lassen sich mit einfachen Schiebereglern Szenarien für mehr Grün einstellen. In wenigen Sekunden berechnet das Tool, welcher Mehrwert dadurch entsteht.“

    Wenn beispielsweise Leipzig den Anteil seiner Grünflächen von derzeit 20 auf 25 Prozent der Stadtfläche, die Zahl der Bäume auf 10 pro 100 Meter und den Anteil der begrünten Dächer auf 50 Prozent steigern würde, ergibt sich dadurch ein zusätzlicher Nutzen von mehr als 38 Millionen Euro pro Jahr. Dazu zählen der Schutz vor Überflutungen und Hitze, das Binden von CO2 und Schadstoffen, aber auch soziale und kulturelle Aspekte wie Erholungsnutzen und die Aufwertung des Stadtbilds. In Hamburg würde ein vergleichbares Szenario einen Nutzen von 85 Millionen, in Berlin deutlich über 100 Millionen Euro pro Jahr ergeben.

    Finanzielle Verluste, wenn Stadtgrün verdorrt oder offene Flächen versiegelt werden
    Von einem steigenden Grünanteil sind viele Städte allerdings noch weit entfernt – im Gegenteil: Zehntausende von Stadtbäumen sind in den letzten Jahren durch den Trockenstress in Folge von mehreren Dürrejahren abgestorben und mussten gefällt werden. Grünflächen stehen unter Druck, wo zusätzlicher Wohnraum, öffentliche Einrichtungen und Gewerbeflächen gebaut werden sollen. Das Stadtgrün-Bewertungstool kann auch berechnen, wie hoch die Verluste für die Bevölkerung sind, wenn Grünflächen wegfallen und Straßenbäume verloren gehen: Solche Kosten erreichen schnell hohe zweistellige Millionenbeträge pro Jahr und müssen von den Stadtregierungen bei Planungsentscheidungen und bei der finanziellen Ausstattung ihrer Grünflächenämter angemessen berücksichtigt werden, mahnen die Wissenschaftler*innen.

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    Downloads und Links:

    ► Zum Stadtgrün-Bewertungstool: http://www.stadtgruen-wertschaetzen.de
    ► Ausführliche Informationen finden Sie in dem Tool unter „Hintergrundmaterial“
    ► Präsentation zur Methodik und zur Befragungsstudie: https://www.ioew.de/fileadmin/user_upload/DOKUMENTE/Vortraege/2022/1_Einfuerhung...
    ► Mitschnitt der Fachtagung zum Stadtgrün-Bewertungstool „Stadtgrün ist Mehrwert“ 1. Juli 2022 (YouTube-Video): https://www.youtube.com/watch?v=VvfcED9sqoo

    Über das Projekt:

    Das Forschungsprojekt „Stadtgrün wertschätzen II“ hat ein datenbankgestütztes Bewertungstool entwickelt, mit dem der Nutzen von Stadtgrün abgebildet und in Geldwerten ausgedrückt werden kann. Neben dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Humboldt-Universität zu Berlin sind drei Praxispartner an der Forschung beteiligt: das Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe und das Straßen- und Grünflächenamt des Berliner Bezirks Neukölln. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme „Nachhaltige Transformation urbaner Räume“ gefördert.

    http://www.ioew.de/projekt/stadtgruen_wertschaetzen_ii

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    Pressekontakt:

    Richard Harnisch
    Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
    Tel.: +49 30/884594-16
    kommunikation@ioew.de

    Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ist ein führendes wissenschaftliches Institut auf dem Gebiet der praxisorientierten Nachhaltigkeitsforschung. Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeiten Strategien und Handlungsansätze für ein zukunftsfähiges Wirtschaften – für eine Ökonomie, die ein gutes Leben ermöglicht und die natürlichen Grundlagen erhält. Das Institut arbeitet gemeinnützig und ohne öffentliche Grundförderung. Das IÖW ist Mitglied im „Ecological Research Network“ (Ecornet), dem Netzwerk der außeruniversitären, gemeinnützigen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschungsinstitute in Deutschland.

    http://www.ioew.de | http://twitter.com/ioew_de | http://www.ioew.de/service/newsletter


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Jesko Hirschfeld
    Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
    Tel.: +49 30/884594-0
    jesko.hirschfeld@ioew.de


    Weitere Informationen:

    http://www.stadtgruen-wertschaetzen.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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