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22.09.2022 12:22

„KI unterstützt Kandidatenauswahl in Forschung & Lehre im Industrie 4.0-Umfeld“: Evalitech-Bericht vom Forschungsbeirat

Christoph Uhlhaas M.A. Geschäftsstelle
acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

    Im Projekt Evalitech untersuchten das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), wie man mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Berufungsverfahren für Führungspositionen (Lehrstühle und Institutsleitungen) optimieren kann. Dabei wurde die bisherige Indikatorik für die Technikwissenschaften und speziell für Industrie 4.0 angepasst und ergänzt. Diese Ergebnisse liegen nun als Bericht vor, der vom Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0 und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften herausgegeben wurde.

    Die Kandidatenauswahl für Führungspositionen in den Technikwissenschaften, speziell im Umfeld von Industrie 4.0, ist komplex. Herkömmliche publikationsbasierte Metriken in Berufungsverfahren an Universitäten und Forschungsinstituten werden der Komplexität nicht gerecht: Noch immer stützt sich die Bemessung wissenschaftlicher Leistungen überwiegend auf die weltweite Wahrnehmung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Fachkreisen mit Hilfe von bibliometrischen Indizes. Dazu gehört der h-Index, der lediglich die Anzahl von Zitationen von Publikationen der Wissenschaftlerin oder des Wissenschaftlers in anderen Veröffentlichungen berücksichtigt.

    Deswegen legte das Projekt Evalitech im Frühjahr eine Machbarkeitsstudie vor, die neben einer neuen Indikatorik für Industrie 4.0, auch eine Abschätzung der Automatisierbarkeit durch aktuelle KI-Methoden (Web Scraping, Text Mining, etc.) sowie eine pilotartige Implementation in Form einer funktionalen Webapplikation, mit verschiedenen innovativen Interaktionskonzepten enthält.

    „Mit Evalitech präsentieren wir erstmals eine differenzierte und speziell an den Bedarfen für Führungspositionen im Forschungsumfeld von Industrie 4.0 ausgerichtete Indikatorik“, erklärt Wolfgang Wahlster (DFKI), Mitglied des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0. „Sie beruht auf 7 Oberkategorien, 21 Kriterien und 41 Teilkriterien. Diese haben wir zusammen mit erfahrenen Technikwissenschaftlern erarbeitet. Meine ersten praktischen Erfahrungen mit Evalitech sind positiv. Ein darauf aufbauendes Softwarewerkzeug könnte die Arbeit von Auswahlkommissionen systematisch unterstützen.“

    „Unser Ziel war es, wissenschaftliche Exzellenz einfacher messbar zu machen – und zwar mit einem speziellen Fokus auf Technikwissenschaften und den hier stattfindenden Transfer von Forschungsergebnissen in Unternehmen und ihre Umsetzung in Form von Innovationen“, ergänzt Michael ten Hompel (Fraunhofer IML), Mitglied vom Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0. „Verbreitete Ansätze wie g- und h-Index sind dazu nicht in der Lage. Durch das Evalitech-Projekt und die hier entwickelte flexible Metrik sind wir unserem Ziel einen bedeutenden Schritt nähergekommen.“

    Im Projekt Evalitech konnte exemplarisch der Mehrwert der neuen Indikatorik sowie einer multidimensionalen Darstellung und einer an die jeweilige Stellenausschreibung angepassten Gewichtung der Kriterien aufgezeigt werden. Aufbauend auf den Ergebnissen soll im nächsten Schritt ein transparentes und öffentliches Portal aufgebaut werden, in dem Bewerber-Profile manuell ergänzt und automatisiert durchsucht werden können. Bei Kriterien, die nicht automatisiert ermittelt werden können, sollte das Evalitech-Portal durch die Option zur Selbstauskunft eine Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Daten ermöglichen. Die Datengrundlage soll durch das System auf diese Weise transparent gemacht werden, so dass das Entscheidungsgremium die Vertrauenswürdigkeit der extrahierten Information prüfen und einschätzen kann. Bei vielen Berufungsverfahren sind in der Vorauswahl Kandidatinnen und Kandidaten bisher aufgrund fehlender Information zu relevanten Kriterien nicht berücksichtigt worden. Hier kann eine automatisierte Informationsextraktion aus öffentlich zugänglichen digitalen Quellen, wie bei Evalitech vorgesehen, eine zusätzliche Hilfe darstellen.

    Im Projekt arbeiteten das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) zusammen, unterstützt durch die Ubermetrics Technologies GmbH als industriellen Verbundpartner und Dienstleister. Wolfgang Wahlster, Gründungsdirektor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), und Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML, die das Evalitech-Projekt mit Unterstützung des wissenschaftlichen Beirats der Plattform Industrie 4.0 und acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, initiiert haben, betonen den herausragenden Stellenwert von Evalitech für die Technikwissenschaften.

    Der Bericht zur „Neuen innovationsorientierten Evaluationsmetrik im Industrie 4.0-Umfeld auf KI-Basis” steht auf der acatech Webseite zum kostenlosen Download zur Verfügung: https://www.acatech.de/publikation/evalitech/

    Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (Förderkennzeichen 02P17D262).

    Über den Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0
    Der Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0, der aus dem Wissenschaftlichen Beirat Industrie 4.0 aus dem Jahre 2013 hervorgeht, konstituierte sich 2018 in seiner aktuellen Zusammensetzung neu. Im Forschungsbeirat sind 19 Vertreter aus der Wissenschaft und 12 Repräsentanten aus der Wirtschaft tätig, um die Plattform Industrie 4.0, ihre Arbeitsgruppen und die Bundesministerien, insbesondere das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), unabhängig zu beraten. Die Arbeit des Forschungsbeirats zielt darauf ab, über die Erarbeitung von wissenschaftsbasierten Forschungsempfehlungen, die Weiterentwicklung und Umsetzungsplanung von Industrie 4.0 in der deutschen Wirtschaft voranzutreiben. Der Forschungsbeirat versteht sich als Impulsgeber für künftige Forschungsthemen und Berater zur Umsetzung von Industrie 4.0. Die Arbeit des Forschungsbeirats wird durch acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften koordiniert und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

    Über das DFKI
    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) wurde 1988 als gemeinnützige Public-Private Partnership (PPP) gegründet. Es unterhält Standorte in Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen, Niedersachsen, Labore in Berlin und Darmstadt sowie Außenstellen in Lübeck und Trier. Das DFKI ist auf dem Gebiet innovativer Softwaretechnologien auf der Basis von Methoden der Künstlichen Intelligenz die führende wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung Deutschlands. In 27 Forschungsbereichen, neun Kompetenzzentren und acht Living Labs werden ausgehend von anwendungsorientierter Grundlagenforschung Produktfunktionen, Prototypen und patentfähige Lösungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie entwickelt. Die Finanzierung erfolgt über Zuwendungen öffentlicher Fördermittelgeber wie der Europäischen Union, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), der Bundesländer und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie durch Entwicklungsaufträge aus der Industrie. Der Fortschritt öffentlich geförderter Projekte wird zweimal jährlich durch ein internationales Expertengremium (Wissenschaftlicher Beirat) überprüft. Neben den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland und Bremen sind im DFKI- Aufsichtsrat zahlreiche namhafte deutsche und internationale Hochtechnologie- Unternehmen aus einem breiten Branchenspektrum vertreten. Das erfolgreiche DFKI-Modell einer gemeinnützigen Public-Private Partnership gilt national und international als zukunftsweisende Struktur im Bereich der Spitzenforschung. Das DFKI engagiert sich in zahlreichen Gremien für den Wissenschafts- und Technologiestandort Deutschland und genießt weit über Deutschland hinaus hohes Ansehen in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Derzeit arbeiten etwa 850 hochqualifizierte Angestellte aus Wissenschaft und Verwaltung und rund 510 studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 65 Nationen an über 390 Forschungsprojekten. Das DFKI dient jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Karrieresprungbrett in Führungspositionen in der Industrie oder in die Selbstständigkeit durch Ausgründung von Unternehmen. Mehr als 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden im Laufe der Jahre als Professorinnen und Professoren auf Lehrstühle an Universitäten und Hochschulen im In- und Ausland berufen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Kristina Fornell
    Referentin Kommunikation
    T +49 89/52 03 09-865
    fornell@acatech.de

    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Geschäftsstelle
    Karolinenplatz 4
    80333 München


    Originalpublikation:

    https://www.acatech.de/publikation/evalitech/


    Weitere Informationen:

    https://www.acatech.de/projekt/forschungsbeirat-industrie-4-0/


    Bilder

    Quelle: acatech
    Quelle: acatech

    acatech


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Quelle: acatech


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