idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
04.11.2022 12:52

„Die hausarztzentrierte Versorgung ist das Fundament des Gesundheitssystems der Zukunft“

Julia Bird Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

    Prof. Dr. Attila Altiner ist neuer Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg

    Professor Dr. Attila Altiner ist neuer Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). Er folgt damit Professor Dr. Joachim Szecsenyi nach, der der Abteilung noch bis 2023 als Seniorprofessor erhalten bleibt. „Ich freue mich, dass das UKHD mit Professor Altiner einen erfahrenen Praktiker und Wissenschaftler gewonnen hat, der sich für die Stärkung der hausärztlichen Versorgung durch wissenschaftsbasierte Konzepte einsetzt. Mit seinen Schwerpunkten der Arzt-Patienten-Interaktion, dem Patientenempowerment für eine gemeinsame Therapieentscheidung sowie der interprofessionellen, kooperativen Primärversorgung wird er unsere hervorragend aufgestellte Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung stärken und ausbauen“, sagt Professor Dr. Ingo Autenrieth, Leitender Ärztlicher Direktor des UKHD.

    Weiterhin wichtiges Thema ist die Nachwuchsgewinnung für die hausärztliche Versorgung: „Glücklicherweise ist das Interesse der Studierenden an der Allgemeinmedizin in den letzten Jahren gestiegen, muss jedoch weiter gefördert werden,“ so Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. „Professor Altiner hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Verbundweiterbildung plus, das Vorzeigeprojekt der Region Rhein-Neckar, auszubauen, den Einstieg für die angehenden Hausärztinnen und Hausärzte weiter zu erleichtern und sie auf die interprofessionelle Zusammenarbeit im niedergelassenen Bereich vorzubereiten.“

    Mit mehr als 85 Mitarbeitenden ist die Abteilung eine der größten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland. „Dazu kommen zahlreiche niedergelassene Partner an mehr als 200 akkreditierten Lehr- und Forschungspraxen. Professor Altiner möchte dieses Netzwerk ausbauen und zudem weitere Netzwerke etablieren, in denen neue Konzepte für die sektorenverbindende Versorgung pilotiert und evaluiert werden können“, sagt Katrin Erk, Kaufmännische Direktorin des UKHD. „Mit diesen erfolgreichen Kooperationen setzen sich UKHD sowie Hausärztinnen und Hausärzten gemeinsam dafür ein, die ländliche Gesundheitsversorgung fit für die Zukunft zu machen.“

    In seinen Forschungs- und Lehrschwerpunkten, der „evidenzbasierten Primärversorgung“ und der „partizipativen Entscheidungsfindung“, sieht Prof. Altiner die zentralen Eckpunkte einer modern aufgestellten Gesundheitsversorgung durch Hausärztinnen und -ärzte: Evidenzbasierte Primärversorgung meint, dass sich die Versorgungskonzepte der Praxen an Qualitätskriterien und aktuellen Erkenntnissen aus der klinischen Forschung orientieren und im Rahmen von Studien stetig weiterentwickelt werden. Eine große Herausforderung ist dabei die reibungslose Verzahnung mit der ambulanten und stationären Versorgung z.B. im Krankenhaus, aber auch mit anderen Berufsgruppen wie Physiotherapeutinnen und -therapeuten. „Hier besteht großer Entwicklungsbedarf. Unser Ziel in der Versorgungsforschung ist es daher, Konzepte auszuarbeiten, wie Patienten über die verschiedenen Versorgungsstufen hinweg optimal betreut und begleitet werden können“, so Altiner.

    Gleichzeitig sollten Patientinnen und Patienten bestmöglich in die Entscheidungsfindung über die weitere Behandlung einbezogen werden. Dazu muss der Patient gut informiert sein: Wie bewertet er persönlich Nutzen und Nebenwirkungen einer Therapie? Was ist für ihn sinnvoll und daher „durchhaltbar“, was nicht? „Die Aufgabe der Hausärztinnen und -ärzte sehe ich darin, die Patienten in ihrer Gesundheitskompetenz zu stärken und da abzuholen, wo sie sich befinden. Der Patient hat schon zu seiner Erkrankung gegoogelt? Sehr gut, dann hat er schon ein Grundwissen, auf dem ich aufbauen kann“, so Altiner. Allerdings, räumt er ein, reiche es nicht allein aus, angehende Hausärzte für diese Form der Arzt-Patienten-Interaktion zu schulen. Das Gesundheitssystem müsse auch den Raum dafür schaffen.

    Chancen sieht Altiner in der Digitalisierung: Entsprechende Systeme können den sinnvollen Einsatz von Interventionen unterstützen, Überversorgung z.B. auch in der Medikamentenverschreibung verhindern, die Kommunikation mit weiteren Gesundheitsberufen erleichtern oder in Form von Apps die gemeinsame Entscheidungsfindung fördern. All diese Bausteine tragen dazu bei, die hausarztzentrierte Versorgung „zum Fundament des Gesundheitssystems von morgen“ auszubauen, wie er sagt. Seine Vision ist die Hausarztpraxis als Teampraxis, in der die verschiedenen Gesundheitsberufe, z.B. speziell qualifizierte Medizinische Fachangestellte oder auch Demenzbegleiterinnen und -begleiter, im Team und nicht in einem hierarchischen System gemeinsame Patientinnen und Patienten betreuen.

    Zur Person:

    Prof. Dr. Attila Altiner, geboren 1969 in Oldenburg, studierte Humanmedizin in Köln. Im Jahr 2000 wechselte er als Wissenschaftler an die Abteilung für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf und war nach der Facharztweiterbildung ab 2004 in hausärztlichen Praxen in Duisburg und Elsdorf tätig. 2009 folgte er dem Ruf an die Universitätsmedizin Rostock als Ärztlicher Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin. Neben Forschung und Lehre betreute er dort auch weiterhin Patienten im Medizinischen Versorgungszentrum der Universitätsmedizin Rostock. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Arzt-Patienten-Kommunikation, Atemwegsinfekte, Antibiotika und die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der hausärztlichen Versorgung. Prof. Altiner ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Attila Altiner
    Ärztlicher Direktor
    Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung
    Tel.: 06221 56-4745
    E-Mail: attila.altiner@med.uni-heidelberg.de


    Weitere Informationen:

    https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/kliniken-institute/institute/abteilung-al...


    Bilder

    Professor Dr. Attila Altiner
    Professor Dr. Attila Altiner

    Universitätsklinikum Heidelberg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

    Professor Dr. Attila Altiner


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).