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23.11.2022 15:47

Neue Omikron-Untervariante BQ.1.1 resistent gegen alle therapeutischen Antikörper

Karin Tilch M.A. Stabsstelle Kommunikation
Deutsches Primatenzentrum GmbH - Leibniz-Institut für Primatenforschung

    Entwicklung neuer Antikörpertherapien notwendig

    Sind die zurzeit zugelassenen Antikörpertherapien,
    die für die Behandlung von Personen mit einem erhöhten Risiko für eine schwere
    COVID-19 Erkrankung eingesetzt werden, auch gegen die aktuell zirkulierenden
    Virusvarianten wirksam? Eine aktuelle Studie von Forschenden des Deutschen
    Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung und der Friedrich-
    Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigt, dass die Omikron-Untervariante
    BQ.1.1, die sich derzeit weltweit auf dem Vormarsch befindet, gegen alle
    zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist (The Lancet Infectious Diseases).
    Als Folge einer Infektion mit dem SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2) oder einer COVID-
    19 Impfung kommt es im Körper zu einer Immunantwort. Dabei werden unter
    anderem neutralisierende Antikörper gebildet, die zum Schutz vor einer (erneuten)
    Infektion mit SARS-CoV-2 sowie einem schweren Krankheitsverlauf beitragen.
    Neutralisierende Antikörper schützen, indem sie sich an das virale Stachelprotein
    „Spike“ anheften und so verhindern, dass das Virus in Zellen eindringen kann.
    Allerdings sind einige SARS-CoV-2-Varianten, insbesondere die Omikron-Variante,
    durch Mutationen im Spike-Protein in der Lage, einigen neutralisierenden Antikörpern
    zu entkommen und dadurch auch in geimpften oder genesenen Personen
    symptomatische Infektionen auszulösen. Man spricht von Immunflucht. Dies stellt eine
    besondere Gefahr für Risikogruppen dar, da insbesondere hoch betagte Personen sowie
    Menschen mit einem geschwächten Immunsystem selbst nach vollständiger Impfung
    oftmals keine ausreichende Immunantwort ausbilden, um vor einem schweren Verlauf
    der Infektion geschützt zu sein. Um Risikopatient*innen zu schützen werden ihnen
    biotechnologisch hergestellte Antikörper vorbeugend oder als frühe Therapie bei einer
    diagnostizierten SARS-CoV-2 Infektion verabreicht. Mutationen im Spike-Protein von
    verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten vermitteln Resistenz gegen einzelne
    Antikörpertherapien. Daher ist es wichtig regelmäßig zu überprüfen, ob die zurzeit
    zugelassenen Antikörpertherapien weiterhin gegen die aktuell zirkulierenden
    Virusvarianten wirksam sind.
    Ein Team aus Forschenden der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen
    Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung und der Abteilung Molekulare Immunologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat
    untersucht, wie effizient die derzeit zugelassenen Antikörpertherapien die aktuell
    zirkulierenden Omikron-Untervarianten hemmen. Dabei haben die Forschenden
    festgestellt, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1, welche weltweit auf dem
    Vormarsch ist, gegen sämtliche verfügbaren Antikörpertherapien resistent ist. „Für
    unsere Untersuchungen haben wir nicht-vermehrungsfähige Viruspartikel, welche das
    Spike-Protein von ausgewählten Virusvarianten tragen, mit verschiedenen
    Verdünnungen der zu testenden Antikörper gemischt und nachfolgend gemessen,
    welche Antikörpermenge benötigt wird um die Infektion von Zellkulturen zu hemmen.
    Insgesamt haben wir zwölf einzelne Antikörper und sechs Antikörpercocktails
    untersucht, von denen vier für die klinische Anwendung in Europa zugelassen sind“,
    erklärt Prerna Arora, Erstautorin der Studie.
    Bei ihren Untersuchungen stellten die Forschenden fest, dass die Omikron-
    Untervariante BQ.1.1 weder durch einzelne Antikörper noch durch die
    Antikörpercocktails neutralisiert werden konnte. Im Gegensatz dazu wurde die derzeit
    vorherrschende Omikron-Untervariante BA.5 noch durch einen zugelassenen
    Antikörper und zwei zugelassene Antikörpercocktails neutralisiert. „Mit Blick auf die
    Risikopatient*innen besorgt uns die Tatsache, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1
    gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist. Insbesondere in Regionen, in
    denen BQ.1.1 stark verbreitet ist, sollten Ärzt*innen bei der Behandlung von infizierten
    Risikopatient*innen daher nicht allein auf Antikörpertherapien setzen, sondern
    zusätzlich die Gabe von weiteren Medikamenten wie Paxlovid oder Molnupiravir in
    Betracht ziehen“, kommentiert der Studienleiter Markus Hoffmann das Ergebnis der
    Studie.
    Auch die Tatsache, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 bereits resistent gegenüber
    einer neuen Antikörpertherapie ist, die kurz vor der Zulassung in den USA steht, stellt
    die Bedeutung der Entwicklung von neuen Antikörpertherapien gegen COVID-19
    heraus. „Die immer weiter fortschreitende Resistenzentwicklung von SARS-CoV-2-
    Varianten macht es erforderlich, dass neue Antikörpertherapien entwickelt werden,
    welche insbesondere auf die derzeit zirkulierenden und zukünftige Virusvarianten
    abgestimmt sind. Idealerweise sollten sie auf Regionen im Spike-Protein abzielen, die
    nur wenig Potential für Fluchtmutationen aufweisen“, schließt Stefan Pöhlmann, Leiter
    der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für
    Primatenforschung.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Stefan Pöhlmann
    Tel: +49 551 3851-150
    E-Mail: spoehlmann@dpz.eu
    Dr. Markus Hoffmann
    Tel: +49 551 3851-338
    E-Mail: mhoffmann@dpz.eu


    Originalpublikation:

    Arora P, Kempf A, Nehlmeier I, Schulz SR, Jäck H-M, Pöhlmann S, Hoffmann M (online): Omicron
    sublineage BQ1.1 resistance to monoclonal antibodies. The Lancet Infectious Diseases.
    https://doi.org/10.1016/S1473-3099(22)00733-2


    Weitere Informationen:

    http://medien.dpz.eu/pinaccess/showpin.do?pinCode=ZU8mi0B2NpfV druckfähige Bilder


    Bilder

    Die Omikron-Untervariante BQ.1.1 ist die erste Variante, die gegen alle derzeit durch die EMA (Europäische Arzneimittel- Agentur) und/oder FDA (US-Amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel) zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist.
    Die Omikron-Untervariante BQ.1.1 ist die erste Variante, die gegen alle derzeit durch die EMA (Europ ...
    Markus Hoffmann
    Deutsches Primatenzentrum


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Die Omikron-Untervariante BQ.1.1 ist die erste Variante, die gegen alle derzeit durch die EMA (Europäische Arzneimittel- Agentur) und/oder FDA (US-Amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel) zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist.


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