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24.11.2022 10:48

Vegetationsfreie Flächen fördern bodennistende Wildbienen

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

    Über die Nistansprüche bodennistender Wildbienen ist bisher relativ wenig bekannt, obwohl Nistplätze für die Förderung der meisten Wildbienenarten von zentraler Bedeutung sind. Von den knapp 600 Wildbienenarten in Deutschland nisten 75 Prozent im Boden, untersucht wurden bislang aber vor allem oberirdisch in Hohlräumen nistende Wildbienenarten. Ein Forschungsteam der Universität Göttingen hat nun mit einer Studie auf Kalkmagerrasen gezeigt, dass die kleinräumige Entfernung von Vegetation zu einer deutlichen Vermehrung von Bodennestern führte, vor allem bei angrenzendem, hohem Blütenreichtum. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation erschienen.

    Für die Studie wählten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler acht Kalkmagerrasen rund um Göttingen aus. „Kalkmagerrasen sind einer der artenreichsten Lebensräume in Mitteleuropa und daher für den Schutz der Bienenvielfalt von entscheidender Bedeutung“, erklärt Dr. Annika Haß, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität an der Universität Göttingen. Um zu testen, ob bodennistende Wildbienen ihre Nester bevorzugt in vegetationsfreien Bereichen anlegen, entfernte das Forschungsteam die Vegetationsdecke auf drei Parzellen pro Kalkmagerrasen von je einem Quadratmeter. „Die Parzellen wurden sehr schnell von den Bienen angenommen“, sagt die Erstautorin Hanna Gardein, die mittlerweile als Doktorandin am Institut für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut in Braunschweig arbeitet.

    Insgesamt war die Anzahl der Bienennester auf den Parzellen im Vergleich zu den Kontrollflächen vierzehnmal höher. Auch die Nistaktivität war auf den vegetationsfreien Flächen deutlich erhöht, besonders bei warmen Bodentemperaturen. „Durch unsere Studie können wir konkrete Empfehlungen zur Anlage solcher Parzellen geben: Wer solche Offenbodenstrukturen schaffen möchte, sollte sie bevorzugt an warmen, besonnten Hängen anlegen. Hier konnten wir eine besonders hohe Besiedlung feststellen. Die Wildbienen bevorzugten zudem Nistplätze, die direkt an Blühressourcen angrenzen“, fasst Gardein die Ergebnisse ihrer Masterarbeit zusammen.

    Die Bedeutung von offenen Bodenflächen für Wildbienen konnte auch durch den Vergleich der acht Kalkmagerrasen bestätigt werden: Es wurden mehr Wildbienen auf den Kalkmagerrasen erfasst, die mehr Offenbodenstrukturen und Blühressourcen auf der gesamten Fläche aufwiesen. Wie erwartet galt dies im Besonderen für bodennistende Wildbienenarten. „Unsere Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die Verfügbarkeit von Nistressourcen in Studien und Projekten zur Förderung von Wildbienen zu berücksichtigen“, schlussfolgern Prof. Dr. Catrin Westphal und Prof. Dr. Teja Tscharntke, Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie der Universität Göttingen. „Die kleinräumige Entfernung der Vegetationsdecke erwies sich dabei als einfach umzusetzende Maßnahme, die maßgeblich zur Förderung von bodennistenden Wildbienen beitragen kann.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Annika Hass
    Georg-August-Universität Göttingen
    Abteilung Funktionale Agrobiodiversität
    Grisebachstraße 6
    37077 Göttingen
    Telefon: (0551) 39-22157
    E-Mail: ahass@gwdg.de
    Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/601683.html

    Hanna Gardein
    Julius Kühn-Institut
    Institut für Bienenschutz
    Messeweg 11/12
    38104 Braunschweig
    Telefon: (03946) 47-7219
    E-Mail: hanna.gardein@julius-kuehn.de
    Internet: http://www.julius-kuehn.de/bs/personal/p/s/hanna-gardein/


    Originalpublikation:

    Gardein, H., Fabian, Y., Westphal, C., Tscharntke, T., & Hass, A. (2022). Ground-nesting bees prefer bare ground areas on calcareous grasslands. Global Ecology and Conservation, https://doi.org/10.1016/j.gecco.2022.e02289.


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=6886 weitere Fotos


    Bilder

    Nisteingang von etwa 2mm Durchmesser, von einer Furchen- oder Schmalbiene, angelegt auf einer der vegetationsfreien Parzellen.
    Nisteingang von etwa 2mm Durchmesser, von einer Furchen- oder Schmalbiene, angelegt auf einer der ve ...
    Hanna Gardein
    Hanna Gardein

    Versuchsaufbau: vegetationsfreie Parzelle (1m², links) mit anliegender Kontrollfläche (rechts)
    Versuchsaufbau: vegetationsfreie Parzelle (1m², links) mit anliegender Kontrollfläche (rechts)
    Hanna Gardein
    Hanna Gardein


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Nisteingang von etwa 2mm Durchmesser, von einer Furchen- oder Schmalbiene, angelegt auf einer der vegetationsfreien Parzellen.


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    Versuchsaufbau: vegetationsfreie Parzelle (1m², links) mit anliegender Kontrollfläche (rechts)


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