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04.06.2004 16:44

"Konsensusgespräche sind wertvolle Werkzeuge für den Wissenstransfer"

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

    Wissenstransfer aus der Forschung in die Wirtschaft und an den Verbraucher ist eine der vorrangigen Aufgaben der Hochschulen. Als wertvolles Instrument, um diesem Auftrag gerecht zu werden, beurteilt die Universität Hohenheim das Werkzeug der wissenschaftlichen Konsensusgespräche. Vor diesem Hintergrund sieht der Rektor der Universität, Professor Hans-Peter Liebig, auch keinen Anlass für Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität von Publikationen, wie sie als Ergebnis von Konsensusgesprächen veröffentlicht wurden, die der Hohenheimer Ernährungswissenschaftler Professor Hans Konrad Biesalski initiiert und durchgeführt hat.

    Vor allem in der Medizin werden Konsensusgespräche gerne eingesetzt, um den aktuellen Stand der Wissenschaft zu bestimmten Fragestellungen zu determinieren. Hierzu treffen sich Spezialisten mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten, tauschen ihren Erkenntnisstand aus und halten den nach versammelter Expertise unstrittigen, gemeinsam erarbeiteten Standpunkt fest.
    Konsensusgespräche wurden in den Räumen der Universität Hohenheim von dem Hohenheimer Institutsdirektor für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft, Professor Biesalski, durchgeführt. Bislang gab es dort 18 Konsensusgespräche zu Themen wie Antioxidantien, Na-Glutamat, Ernährung und Krebs, Selen, Food Safety und andere.
    Zum Verfahren der Konsensusgespräche gehören mehrere Prüfungsstadien: In der ersten Prüfstufe nehmen sechs bis acht fachkompetente Wissenschaftler aus dem In- und Ausland teil, die sowohl die Grundlagen- als auch die angewandte Forschung repräsentieren, um einen weiten Querschnitt zu versammeln. So soll gewährleistet werden, dass der maximale Erkenntnisstand korrekt erfasst wird. Die Ergebnisse der Erörterung müssen im Konsens aller Beteiligten erarbeitet werden. Die zweite Prüfstufe besteht darin, dass jeweils ein Vertreter eines Ministeriums, eines Amtes oder einer Organisation als prominenter Beobachter eingeladen wird. Dazu gehörten bislang Vertreter der Ministerien für Gesundheit, für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit oder für Bildung und Forschung. Alternativ eingeladen waren auch Vertreter von Ämtern wie dem Bundesumweltamt oder dem Bundesamt für Risikobewertung. Außerdem nahmen Vertreter von Organisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, der Weltgesundheitsorganisation oder der EU an den Konsensusgesprächen teil. Eine dritte Prüfstufe durchlaufen die Ergebnisse vor ihrer Publikation in angesehenen Fachzeitschriften, die Beiträge erst nach einer erneuten Beurteilung durch eigene Fachgutachter akzeptieren, die alle am Konsensusgespräch nicht teilgenommen haben.
    Bislang erschienen die Ergebnisse der Konsensusgespräche in Hohenheim in internationalen, hoch angesehenen Magazinen wie dem British Journal of Nutrition, dem European Journal of Nutrition, dem European Journal of Parenteral and Enteral Nutrition, dem CA Cancer Journal for Clinicians oder dem Journal of Cancer Prevention sowie dem deutschen Fachjournal Aktuelle Ernährungsmedizin.
    Die Auftraggeber, die die Konsensusgespräche in Hohenheim auch finanzierten, stammten aus der Industrie oder waren Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation oder das Bundesgesundheitsministerium. Für die Industrie besteht das Interesse an den Konsensusgesprächen darin, dass die Konsensusergebnisse eine wissenschaftlich gesicherte Festlegung darstellen, auf die sie sich bei Zulassungsfragen oder Sicherheitsbewertungen stützen können. Gesetzgeber und Organisationen profitieren durch Erkenntnisse, von denen sie allgemeine Empfehlungen oder Risikobewertungen für Lebensmittelinhaltsstoffe ableiten können. Vom Konsensusgespräch selbst bleiben Auftraggeber oder Vertreter von Interessenverbänden ausgeschlossen, da nur so die Autonomie des Gremiums gewährleistet werden kann.
    "Mit Konsensusgesprächen kommt die Universität ihrer erwünschten und vorgeschriebenen Transferfunktion nach und bringt Erkenntnisse aus der Wissenschaft in Wirtschaft, Politik und an den Verbraucher, so dass Forschungsergebnisse tatsächlich weiterverbreitet und auch angewendet werden", urteilt Professor Hans-Peter Liebig, Rektor der Universität Hohenheim. Wichtig sei dabei die wissenschaftliche Unabhängigkeit von Konsensusgesprächen. "Eine Finanzierung durch Auftraggeber aus der Wirtschaft tut der Seriosität wissenschaftlicher Ergebnisse dabei keinen Abbruch", sagt Rektor Liebig. "Die wissenschaftliche Unabhängigkeit misst sich vielmehr daran, dass es Sicherungsvorkehrungen gibt, die einen externen Einfluss ausschalten und abschließende Prüfverfahren, denen die Ergebnisse standhalten müssen."
    Als Universität begrüße Hohenheim deshalb Initiativen wie die Konsensusgespräche von Professor Biesalski. "Wissenschaftlich sind Konsensusgespräche erwünscht und werden von der Universität noch viel zu wenig genutzt", sagt Rektor Liebig. Werden solche Veranstaltungen in Nebentätigkeit organisiert, sei es allerdings Voraussetzung, dass diese durch die Universität genehmigt würden. Würden Räume oder andere Ressourcen genutzt, müsse die Universität außerdem gemäß der Hochschulnebentätigkeitsverordnung entschädigt werden. Im Fall der Konsensusgespräche von Professor Biesalski hat die Universität Hohenheim das angemessene Nutzungsentgeld erhoben. Diesem hat Professor Biesalski zugestimmt.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    regional
    Organisatorisches
    Deutsch


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