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20.07.2004 14:20

Daniel Kahneman neuer Ehrendoktor der Uni Würzburg

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekam der Psychologe Daniel Kahneman von der Princeton University (USA) im Jahr 2002 verliehen. Nun kann er eine weitere Auszeichnung für sich verbuchen, nämlich die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg.

    Den Doktorgrad "honoris causa" erhielt Kahneman für seine Beiträge zur experimentellen Erforschung höherer geistiger Prozesse. Dieses Gebiet war in der 1896 von Oswald Külpe begründeten "Würzburger Schule der Psychologie" erstmals zum Gegenstand der psychologischen Forschung erhoben worden. "Professor Kahneman ist somit der vielleicht herausragendste Vertreter einer Forschungstradition, der sich die Würzburger Psychologie von Grund auf verpflichtet fühlt", so der Sozialpsychologe Fritz Strack in seiner Laudatio.

    Was verbirgt sich hinter der "Würzburger Schule"? Im Jahr 1879 gründete Wilhelm Wundt das erste psychologische Institut an der Uni Leipzig. Das Forschungsprogramm, das Wundt und seine Schüler - darunter Oswald Külpe - verfolgten, zielte darauf ab, komplexe psychische Sinneserfahrungen in ihre grundlegendsten Bestandteile zu zerlegen: Dabei hatten hoch geübte Experten die Aufgabe, "in ihr eigenes Inneres" zu blicken und so die Grundbausteine der psychischen Erfahrungswelt zu identifizieren.

    "Die Psychologie im Sinne von Wundt beschäftigte sich also mit Erfahrungen. Dagegen galten psychologische Prozesse wie das Nachdenken, Urteilen oder gar das Fällen von Entscheidungen damals nicht als legitime Forschungsgegenstände der Psychologie", so Strack. Hier trat nun Külpe auf den Plan. Er distanzierte sich von Wundts Forschungsprogramm und machte auch höhere mentale Phänomene für die experimentelle Forschung zugänglich.

    1896 gründete Külpe in Würzburg das Institut für Psychologie. Er begann mit Experimenten, bei denen die Teilnehmer mentale oder kognitive Aufgaben absolvieren mussten und gleichzeitig die dabei ablaufenden psychischen Prozesse durch die Methode der Introspektion, also durch ein "in sich selbst hineinblicken", erkunden sollten.

    "Doch so sehr Külpe und seinem Forschungsprogramm, das als 'Würzburger Schule der Psychologie' bekannt wurde, Anerkennung gebührt - seine Experimente avancierten nicht zu den Klassikern des Fachs", wie Strack sagte. Zwar habe Külpe Grundlagen für spätere Durchbrüche in der Denk- und Sprachpsychologie gelegt, doch erst durch moderne Forschungsmethoden konnten Erkenntnisse erzielt werden, die der Erklärung des menschlichen Denkens zum Durchbruch verhalfen. Die Methode der Introspektion erwies sich letztlich als unzulänglich, und aus diesem Grund war auch Wundts Forschungen kein Erfolg beschieden.

    Der Forschung von Kahneman kommt vor diesem Hintergrund eine entscheidende Bedeutung zu. Strack zu dem Gast aus USA: "Ihre Arbeit hat die Ideen von Wundt und Külpe zusammengeführt. Neben vielen anderen Dingen haben Sie aufgezeigt, dass subjektive Empfindungen eine wesentliche Rolle spielen, wenn es darum geht, sich ein Urteil zu bilden und Entscheidungen zu treffen. Ihre gesamte Arbeit hat unser Verständnis höherer mentaler Prozesse wesentlich bereichert. Und aus diesem Grund sind wir in Würzburg stolz darauf, sie als Ehrendoktor unter uns zu haben."

    Die Verleihung des Ehrendoktorgrades bei einer Feier in der Neubaukirche am 12. Juli erfolgte durch den Präsidenten der Uni Würzburg, Axel Haase, und die Dekanin der Philosophischen Fakultät III, Margareta Götz. Nach der Auszeichnung sprach Kahneman über das Thema "Toward a Science of Well-Being".


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Psychologie, Wirtschaft
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Neuer Ehrendoktor der Uni Würzburg: Daniel Kahneman (links), Psychologe von der Prin-ceton University (USA) und 2002-er Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, mit seinem Laudator Fritz Strack, Sozialpsychologe an der Uni Würzburg.


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