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27.03.2025 13:05

Johtingeaidnu – The Path Within - Ein künstlerisches Forschungsprojekt von Emilia Tikka

Katja Naie Pressestelle
Schering Stiftung

    In der Ausstellung Johtingeaidnu – The Path Within setzen sich die finnische Künstlerin Emilia Tikka, der samische Rentierhirte Oula A. Valkeapää und die Künstlerin Leena Valkeapää in Filmen, Zeichnungen und in einer Installation mit der traditionellen Lebensweise der nomadischen Rentierhirt*innen in Nordeuropa und ihrer Geschichte auseinander. Sie zeigen, dass diese Praxis heute bedroht ist und spekulieren über die Zukunft im Jahr 2102. Wie kann es in ferner Zukunft gelingen, Erinnerungen an vergangene Lebensstile von Mensch und Tier wiederzubeleben?

    Im Rahmen eines künstlerischen Forschungsprojektes arbeitet Tikka seit 2021 mit dem samischen Rentierhirten Oula A. Valkeapää und der Künstlerin Leena Valkeapää zusammen. In ihrer gemeinsamen Arbeit gehen sie zurück zu den traditionellen Migrationsrouten der Familie Valkeapää, die seit Jahrhunderten den Rentieren entlang von kilometerlangen Wegen durch Norwegen, Schweden und Finnland folgten. Doch diese Praxis wird heute zunehmend durch befestigte Grenzen, Windparks, Klimawandel und Tourismus erschwert.

    Einblicke in das Leben eines Rentierhirten liefert der Film von Oula A. Valkeapää, der mit der live action Kamera seinen Alltag filmt. Seine Aufnahmen werden begleitet von Szenen aus dem Jahr 2001, die Leena Valkeapää filmisch dokumentiert hat und die das nomadische Leben an Orten zeigen, die den Herden heute nicht länger zugänglich sind.
    Eine Installation des Trios macht die Veränderungen nachvollziehbar. Eine projizierte Karte zeigt, wie sich die traditionellen Wege seit 1500 verschoben haben und dass sie dennoch in der Erinnerung von Mensch und Tier weiterbestehen. Das Weiterleben der Erinnerungen erhält in dem Moment eine Bedeutung, in dem ein zukünftiges Klimaereignis in Form einer mächtigen Strömung, die alles durcheinanderwirbelt, eintritt. Tikka, Valkeapää und Valkeapää visualisieren den Kollaps des Golfstroms. Es handelt sich dabei um ein Szenario, das laut Klimaprognosen weite Teile Nordeuropas in eine eisige Kälte mit schweren Stürmen stürzen und die Region unbewohnbar machen könnte. Was für viele eine beispiellose Krise wäre, könnte für die samischen Rentierhirten bedeuten, auf angestammte Pfade zurückzukehren.

    Der begleitende Film von Tikka, basierend auf einem Skript mit Oula A. Valkeapää, spielt im Jahr 2102. Er stellt die Frage, ob Erinnerungen an eine vergangene Lebensweise mit biowis-senschaftlichen Methoden zurückgeholt werden könnten. Grundlage dieser Überlegungen ist die Epigenetik, ein Forschungsfeld, das untersucht, wie Umweltfaktoren Spuren in Körpern hinterlassen; Spuren, die über Generationen weitergegeben werden. Die finnische Wissenschafts- und Technikforscherin Marianne Mäkelin, die für die Ausstellung einen Text beigesteuert hat, erläutert die Disziplin so:
    „Epigenetik steht, grob gesagt, für einen biologischen Forschungsansatz, der nicht das Gen, sondern den Phänotyp – also die äußerliche Form des Organismus – als Ausgangspunkt für die Untersuchung von Entwicklungsveränderungen nimmt. (…) Epigenetische Studien haben gezeigt, dass Prozesse, die nicht auf Verände-rungen der DNA-Sequenz beruhen, also außerhalb des Genoms wirksam werden, zu Modulationen von sichtbaren Merkmalen eines Organismus führen kön-nen und dass diese Veränderungen möglicherweise vererbbar sind. (…) Den Körper aus der Sicht von Epigenetiker*innen zu betrachten, bedeutet, ihn als durchlässig wahrzunehmen und als direkt von der Umwelt beeinflusst.“

    Tikkas Film mündet in einem Moment der „Offenbarung“, der eine Rückkehr zu lang gelebten Traditionen einleitet und zeigt, dass biowissenschaftliche Methoden sowie indigenes Wissen gemeinsam dazu beitragen können, längst vergangene Erinnerungen wieder lebendig werden zu lassen. Johtingeaidnu – The Path Within entwirft ein tröstliches Zukunftsbild, das die Folgen des Klimawandels nicht verharmlost, aber Hoffnung weckt auf produktive und nachhaltige Formen des Zusammenlebens zwischen Mensch und Nicht-Mensch.

    Begleitveranstaltungen
    11.04.2025, 12:30 Uhr: Epigenetische Erinnerungen. Über Zugvögel, Rentierwanderungen und die Biowissenschaft der Epigenetik. Gespräch zwischen Prof. Dr. Miriam Liedvogel, Zoologin und Direktorin des Instituts für Vogelforschung in Wilhelmshaven und der Künstlerin Emilia Tikka über das Forschungsfeld der Epigenetik und das Konzept der Erinnerung sowie dessen Einfluss auf das Zugverhalten von Tieren, moderiert von Dr. Christina Landbrecht.

    04.05.2025, 12 Uhr: Führung durch die Ausstellung mit der Künstlerin Emilia Tikka und der Kuratorin Dr. Christina Landbrecht anlässlich des Gallery Weekend Berlin.

    28.06.2025, 17-24 Uhr: Führungen durch die Ausstellung anlässlich der Langen Nacht der Wissenschaften.


    Bilder

    Film Still
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    Emilia Tikka
    Emilia Tikka

    Film Still
    Film Still
    Oula A. Valkepää
    Oula A. Valkepää


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, jedermann
    Biologie, Kunst / Design, Umwelt / Ökologie
    regional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

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