Das forschungsbezogene Wissenschaftsmanagement (WiMa) ist inzwischen eine etablierte Größe an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Es zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen der Forschung qualitätsförderlich zu gestalten. Über die Effekte und Wirkungsbedingungen des forschungsbezogenen Wissenschaftsmanagements ist aber bislang wenig bekannt. Daher wird nun erstmals detailliert analysiert, wie Wissenschaftsmanagement zur Qualitätssicherung sowie -entwicklung beiträgt und welche Faktoren seine Wirksamkeit bestimmen. Im Mittelpunkt steht dabei der Vergleich von Wissenschaftsmanagement an Hochschulen und an außeruniversitären Forschungseinrichtungen.
Die Ausgangsvermutung der Untersuchung war, dass organisationale Unterschiede zu unterschiedlichen qualitätssichernden Effekten führen: Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gelten gemeinhin als Einrichtungen, die in einem höheren Maße als Hochschulen betriebsförmig organisiert sind. Man könnte also annehmen, dass diese eher zur Übernahme von betriebswirtschaftlich orientierten Managementkonzepten und -instrumenten neigen als Hochschulen. Bei Hochschulen dürfte die Übernahme von Managementstrukturen hingegen eher durch externen Druck geprägt sein. Um diesen Vermutungen nachzugehen, wurden Rollenbilder, Bedingungen und Effekte des Wissenschaftsmanagements in beiden Organisationstypen vergleichend untersucht.
Die Ergebnisse zeigen: Der Begriff „Wissenschaftsmanagement“ wird zwar im Alltag beider Organisationstypen kaum verwendet, ist aber in der Sache vom Leitungspersonal, Verwaltungsmitarbeiter.innen und Forschenden als breites und relevantes Aufgabenfeld unter verschiedensten Bezeichnungen fest integriert. Die Wissenschaftsmanager.innen verstehen sich dabei selbst als vermittelnd zwischen den verschiedenen Status- und Beschäftigtengruppen der Einrichtungen. Forschende nehmen sie hingegen vor allem als administrative Unterstützung und Dienstleister.innen wahr. Trotz der Wahrnehmungsunterschiede erbringen sie in beiden Organisationstypen ähnliche Leistungen und erfüllen ähnliche Funktionen. An Hochschulen ist das Aufgabenspektrum im Wissenschaftsmanagement allerdings nicht nur vielfältiger, sondern auch formalisierter organisiert als an außeruniversitären Einrichtungen. In Letzteren ist das Wissenschaftsmanagement stärker mit strategischen Aufgaben betraut und flexibler in die Organisation integriert. Während Hochschulen somit stärker auf Klarheit in der organisatorischen Einbettung des Wissenschaftsmanagements fokussieren und auf dessen Abgrenzung zur Forschung (indes: nicht zur Verwaltung!) achten, betonen außeruniversitäre Forschungseinrichtungen die Verbindung von Management- und Forschungsprozessen.
Einrichtungsleitungen und Forschende richten im Wesentlichen drei Erwartungen an das Wissenschaftsmanagement: (1) Das Wissenschaftsmanagement soll die Wissenschaft in ihrer Forschungsarbeit von Routine- und administrativen Aufgaben entlasten; (2) ferner soll es die Forschungsfähigkeit der Einrichtung und Forscher.innen sichern, etwa durch eine gute Gestaltung der Managementprozesse und förderlicher Rahmenbedingungen für die Forschenden; (3) es soll Impulse für neue und innovative Forschungsaktivitäten setzen (können), d.h. Innovationen Vorschub leisten. Ob diese Erwartungen erfüllt werden können, hängt von mehreren Bedingungen ab. Diese können formaler, organisatorischer, inhaltlicher als auch individueller Art sein. Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen stellen hier zwar sehr ähnliche Erwartungen an das Wissenschaftsmanagement, unterscheiden sich aber deutlich mit Blick auf die Gelingensbedingungen dafür. Als wichtigste Erkenntnis für die Praxis des Wissenschaftsmanagements kann festgehalten werden: Es gibt kein pauschales ‚Richtig‘ oder ‚Falsch‘, was Bedingungen für ein leistungsfähiges Wissenschaftsmanagements betrifft. Entscheidend ist vielmehr: Entspricht die Gestaltung des Wissenschaftsmanagements einerseits den jeweils vorzufindenden Realitäten und Herausforderungen, und werden andererseits die erbrachten Leistungen von den Adressaten auch als nützlich empfunden?
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Sebastian Schneider, sebastian.schneider@hof.uni-halle.de oder
Frederic Krull, frederic.krull@hof.uni-halle.de
Sebastian Schneider / Frederic Krull: Forschungsbezogenes Wissenschaftsmanagement in der Praxis: Bedingungen, Rollenbilder und Effekte (HoF-Arbeitsbericht 128), unt. Mitarb. v. Justus Henke, Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg 2025, 75 S. ISBN 978-3-69059-000-6
https://www.hof.uni-halle.de/web/dateien/pdf/ab_128_WEB.pdf
https://www.hof.uni-halle.de/publikation/forschungsbezogenes-wissenschaftsmanage...
Schneider/Krull: Forschungsbezogenes Wissenschaftsmanagement in der Praxis
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch
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