Führen Betriebe Roboter ein, geht das oft mit Arbeitsplatzabbau einher – Betriebsräte verhindern das. Dies zeigt eine Studie des ZEW Mannheim. Von der Weiterbeschäftigung trotz Automatisierung profitieren vor allem ältere Arbeitnehmer/innen ab 55 Jahren. Denn diese haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Doch auch für die Unternehmen selbst bieten Betriebsräte Vorteile. Haben sie einen, steigt ihre Produktivität im Zuge der Automatisierung stärker als in Betrieben ohne Arbeitnehmervertretung. Die Studie basiert auf Befragungs- und Sozialversicherungsdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und umfasst etwa 18,000 Beschäftigte sowie deren Betriebe.
„Betriebsräte spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, negative Folgen der Automatisierung abzumildern. Davon profitieren besonders ältere Beschäftigte, die es nach einer Kündigung schwer haben, einen neuen Job zu finden. Betriebsräte verbessern die Weiterbeschäftigungschancen für die Belegschaft vor allem dann, wenn es viele Arbeitssuchende gibt“, erklärt Oliver Schlenker, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“ und Ko-Autor der Studie.
Automatisierung kann zu niedrigeren Löhnen führen, wenn Beschäftigte in geringer qualifizierte und schlechter bezahlte Berufe verdrängt werden. „Für Beschäftigte in leicht automatisierbaren Berufen sinken die Löhne aufgrund der Robotisierung um etwa dreieinhalb Prozent. Dies verhindern die Betriebsräte.“
Darum erhöht sich die Produktivität
Zudem kann auch die Unternehmensseite stärker von der Automatisierung profitieren, sagt Schlenker. „Wir zeigen erstmals, dass die Produktivitätszuwächse durch Robotisierung höher sind in Betrieben mit Betriebsrat.“ Er erklärt: „Zum einen sorgen Betriebsräte dafür, dass die passenden Roboter eingesetzt werden und zum anderen, dass die Belegschaft adäquat geschult wird. In Kombination kann das zu mehr Produktivität führen.“
Datengrundlage
Für die Studie verknüpften die Forschenden Befragungsdaten des IAB Betriebspanels zur Adaption von Robotern zwischen 2015 und 2018 sowie zur Präsenz von Betriebsräten mit den Erwerbsbiografien der dort Beschäftigten. Der Fokus der Untersuchung liegt auf der Belegschaft, also allen Arbeitnehmer/innen, die bereits vor der Einführung von Robotern in den Betrieben beschäftigt waren. Dabei vergleichen sie die Beschäftigungs- und Lohnentwicklung in Folge robotischer Automatisierung mit statistisch ähnlichen Beschäftigten. Dies sind Personen mit gleichen persönlichen und beruflichen Merkmalen in vergleichbaren Betrieben (z. B. ähnliche Größe, Lohnniveau und Branche), die sich jedoch darin unterscheiden, ob sie einen Betriebsrat haben oder nicht.
Oliver Schlenker
Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“
Tel.: +49 (0) 621/1235-315
E-Mail: oliver.schlenker@zew.de
https://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp25005.pdf
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, jedermann
Wirtschaft
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Forschungsergebnisse
Deutsch
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