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03.04.2025 13:31

Resiliente Krisenkommunikation: Litfaßsäule 4.0 in Darmstadt eingeweiht

Bettina Bastian Science Communication Centre - Abteilung Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

    Digitale, energieautarke Erweiterung für bestehende Litfaßsäulen informiert und warnt Bürgerinnen und Bürger bei Gefahren und im Krisenfall

    Die klassische, seit mehr als 170 Jahren bekannte Litfaßsäule erfährt eine Renaissance als Warnmultiplikator. Die Idee: Wenn bei einem langanhaltenden Stromausfall andere
    Kommunikationsmedien wie Mobilfunk, Internet oder Fernsehen ausfallen, kann die
    energieautarke Litfaßsäule 4.0 Menschen weiterhin informieren. Am Donnerstag nahmen das LOEWE-Zentrum emergenCITY, die Technische Universität Darmstadt und das Medienhaus Ströer den in einer gemeinsamen Forschungskooperation entstandenen Prototypen auf dem Riegerplatz in Darmstadt in Betrieb.

    Neben der technischen Erprobung sollen wissenschaftliche Untersuchungen im Anschluss zeigen, wie die Darmstädterinnen und Darmstädter die Warnsäule wahrnehmen.

    Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels und die hessische Digitalministerin
    Prof. Dr. Kristina Sinemus hoben die Bedeutung der Innovation in ihren Grußworten hervor. „Im LOEWE-Zentrum emergenCITY arbeiten die Forschenden an Lösungen, die in Krisenfällen einen Notbetrieb sicherstellen und schnelle Hilfe und die Rückkehr zur Normalität ermöglichen sollen“, sagte Gremmels. „Die Litfaßsäule 4.0 nutzt auf innovative Weise ein Alltagsobjekt, das wir alle kennen, für Krisenkommunikation. Damit zeigt das Projekt eindrücklich, welche wichtige Rolle unsere Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit spielen.“
    „Rundherum immer gut informiert, auch im Krisenfall – das ist das Prinzip der Litfaßsäule 4.0“, betonte Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. „In einer zunehmend digitalisierten Welt müssen wir sicherstellen, dass unsere Infrastrukturen auch im Krisenfall funktionsfähig bleiben. Dazu leistet die Forschungsarbeit von emergenCITY einen wichtigen Beitrag und darauf wollen wir mit unserem Zentrum für digitale Resilienz in Katastrophen aufbauen.“

    „Vorreiterin in der resilienten digitalen Notfallkommunikation“

    Der Darmstädter Oberbürgermeister Hanno Benz erklärte: „Als Wissenschaftsstadt Darmstadt freuen wir uns, mit der Litfaßsäule 4.0 Vorreiterin in der resilienten digitalen Notfallkommunikation zu sein. Mit dieser innovativen Lösung können wir die Menschen in unserer Stadt zuverlässig in besonderen Situationen warnen und informieren.” Bau- und Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey unterstrich die Rolle für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz: „Das 21. Jahrhundert ist von Krisen geprägt. Wir sollten auf die nächste Katastrophe vorbereitet sein. Im Notfall müssen wir gewährleisten können, dass wir alle Stadtbewohnerinnen und -bewohner zuverlässig erreichen. Die resiliente Notfallkommunikation ist dabei ein zentraler Baustein.“

    „Leuchtturmprojekt unter Federführung der TU Darmstadt“
    Seit 2020 beschäftigen sich Forschende des LOEWE-Zentrums emergenCITY mit der Frage, wie resiliente Informations- und Kommunikationssysteme dazu beitragen können, Menschen besser auf Katastrophen vorzubereiten. „Es ist ein Leuchtturmprojekt unter Federführung der TU Darmstadt, das von der Grundlagenforschung bis hin zum Transfer das zukunftsrelevante Thema der digitalen Resilienz in den Fokus rückt“, sagte Prof. Dr. Matthias Oechsner, Vizepräsident der TU Darmstadt.

    „Digitale Technologien müssen unsere Gesellschaft dabei unterstützen resilienter zu werden!“, ergänzte Prof. Dr. Matthias Hollick, wissenschaftlicher Koordinator von emergenCITY. „Mit LOEWE emergenCITY arbeiten wir an diesem Ziel, und ich freue mich, dass wir mit der Litfaßsäule 4.0 Teile unserer Forschung zu den Menschen auf die Straße bringen."

    Kritische Infrastrukturen sind verwundbar

    Blackouts, also großflächige, lang andauernde Stromausfälle, sind äußerst selten. Doch angesichts steigender Bedrohungen durch Naturkatastrophen oder geopolitische Konflikte, durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung sind insbesondere kritische Infrastrukturen verwundbar. Fällt der Strom länger aus, können weder Mobilfunknetze, Festnetztelefonie, Internet noch Fernsehen ausreichend mit Notstrom versorgt werden. Sie stünden für die Krisenkommunikation nicht mehr zur Verfügung.
    Auf der Suche nach geeigneten Medien stieß Architekt und emergenCITY-Wissenschaftler
    Dr. Joachim Schulze auf einen Klassiker der Außenwerbung, die Litfaßsäule. „Die in Städten gleichmäßig verteilten Säulen bieten einige Vorteile: Sie gehören zum Stadtbild, allein 155 gibt es in Darmstadt, deutschlandweit sind es rund 65.000. Im Gegensatz zu anderen digitalen Außenmedien befinden sie sich in Wohnquartieren, in der Kernstadt nur 300 Meter zu Fuß entfernt“, sagte Schulze, der auch Initiator der Litfaßsäule 4.0 ist.

    Außenmedien schon heute Teil der Warn- und Sicherheitsinfrastruktur

    Alexander Stotz, CEO Ströer Media Deutschland GmbH, ergänzte: „Die Litfaßsäule ist ein
    Stadtmöbel mit einer sehr langen Historie, einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung und einer unverwechselbaren Präsenz in unseren Städten.“ Schon immer war es die Aufgabe der Litfaßsäule, Bürgerinnen und Bürger über Amtsmitteilungen oder wichtige und dringende Nachrichten zu informieren. Durch die neue Möglichkeit der digitalen Darstellung der Motive können Außenmedien in Echtzeit kommunizieren. Sie übernehmen daher heute immer mehr zusätzliche Aufgaben und zählen durch die Anbindung an das Warnsystem des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mittlerweile zur Warn- und Sicherheitsinfrastruktur im öffentlichen Raum. Viele tausend Screens bundesweit sind bereits an das System angeschlossen und können so durch
    Warnmeldungen – zum Beispiel der örtlichen Krisenstäbe - unterbrochen werden, um die
    Bevölkerung in Echtzeit und mit hohem Reichweitenaufbau zu informieren.

    „Die Litfaßsäule 4.0 ist die nächste Weiterentwicklung des Kultmediums und ein wichtiger weiterer Baustein, um Service – und Infrastrukturleistungen im öffentlichen Raum für Städte und Kommunen und deren Bevölkerung bei einem Blackout anzubieten“, sagte Stotz. Als eines der führenden Medienhäuser in Deutschland sähe man sich in einer gesamtgesellschaftlichen Pflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, diese Mehrwerte in den Medien zu implementieren.

    Energieautark dank Photovoltaik und Brennstoffzelle

    „Darüber hinaus bieten Litfaßsäulen die baulichen Voraussetzungen zur Integration der
    Technologie“, betonte Schulze. In einer seit Oktober 2023 bestehenden Forschungskooperation entwickelten die emergenCITY-Forschenden gemeinsam mit Ströer den Prototypen. Weitere Partner wie die Wissenschaftsstadt Darmstadt, Darmstadt Marketing GmbH sowie die Feuerwehr Darmstadt wurden einbezogen.

    Die Litfaßsäule 4.0 ist eine Erweiterung für bestehende Litfaßsäulen, bei dem das bestehende Kapitell durch einen neuen Aufsatz ersetzt wird, der mit drei LED-Displays ausgestattet ist, welche Informationen und Warnungen von Behörden anzeigen können. Betrieben wird die digitale Anzeige durch eine Methanol-Brennstoffzelle der SFC Energy AG, die auch als Sponsoringpartner gewonnen werden konnte. Zwei Photovoltaikmodule auf dem Dach sichern den Stand-by-Betrieb des Empfängers, den die Feuerwehr per Funk ansteuern kann. Bei einem Stromausfall kann die Litfaßsäule bis zu 72 Stunden betrieben werden. Perspektivisch soll der neue Warnmultiplikator auch in das Modulare Warnsystem des Bundes integriert werden.

    Wissenschaftliche Untersuchungen und technische Erprobung

    In den kommenden sechs Monaten untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von emergenCITY sowie dem ebenfalls an der TU Darmstadt angegliederten und in Gründung befindlichen Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) zunächst wie die Litfaßsäule 4.0 von den Stadtbewohnerinnen und -bewohnern angenommen wird. Dazu sind unter anderem Umfragen, Zählungen sowie Mensch-Computer-Interaktionsstudien geplant.
    Gemeinsam mit Ströer, der Feuerwehr, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Darmstadt Marketing GmbH erfolgen weitere Tests.
    Im Hinblick auf das langfristige Ziel sagte Alexander Stotz von Ströer abschließend: „Wenn
    Sicherheitskommunikation funktionieren und alle erreichen soll, muss so ein Projekt großflächig ausgerollt und umgesetzt werden – idealerweise deutschlandweit. Das funktioniert perspektivisch nur gemeinsam mit den Städten.“


    Weitere Informationen:

    http://Pressekontakt
    http://Angela Zimmerling
    http://Referentin für Kommunikation
    http://und Öffentlichkeitsarbeit
    http://press@emergencity.de
    http://tel. 06151 16-25489


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Informationstechnik
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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