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04.04.2025 09:00

Peergroup in der Schule beflügelt Gehalt und Karriere

Fabian Oppel Presse und Redaktion
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

    Das Gehalt steigt, wenn die eigene Peergroup in der Schule „gritty“, also ausdauernd und leidenschaftlich bei der Sache war. Eine vom ZEW Mannheim gemeinsam mit der Cardiff Business School durchgeführte Studie zeigt, dass eine Peergroup mit „Grit“ in der Schul-Jahrgangsstufe den eigenen Erfolg positiv beeinflusst – sogar weit über den Schulabschluss hinaus bis ins Erwachsenenalter. Besonders Menschen mit sozial schwächeren Hintergründen profitieren von diesem Effekt. Dazu wurden Daten von rund 6.000 ehemaligen Schülerinnen und Schülern US-amerikanischer High Schools ausgewertet. Da Peer-Effekte auch in anderen Ländern auf den Erfolg wirken, sind die Ergebnisse auch für Deutschland relevant.

    „Grit bedeutet, dass man eine starke Motivation hat, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Grit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das die Ausdauer einer Person beschreibt, die sich mit Hingabe für ein bestimmtes langfristiges Ziel einsetzt“, erklärt Ko-Studienautorin Effrosyni Adamopoulou, PhD, stellvertretende Leiterin der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“. „Nicht nur als eigenes Persönlichkeitsmerkmal hat Grit Einfluss auf den Erfolg in Ausbildung und Beruf, auch Grit des sozialen Umfelds in der Schule prägt den eigenen späteren Lebens- und Berufsweg entscheidend. Besonders Menschen mit sozial schwächerem Hintergrund können von diesem Effekt profitieren. Eine ambitionierte Peergroup kann helfen, diese Hürden zu überwinden.“

    Ausgleich sozioökonomischer Nachteile durch Peergroup mit Grit

    Je mehr Grit eine Person hat, desto höher ist ihr Jahresbruttoeinkommen. Die Studie zeigt, dass ein/e Schüler/in im 83. Perzentil der Grit-Verteilung – also mit deutlich höherer Ausdauer und Motivation als der Durchschnitt – später 6,2 Prozent mehr verdient als der Durchschnitt. Grit wurde anhand verschiedener Fragen der zugrundeliegenden Erhebung „Add Health“ gemessen. Die Fragen bewerteten unter anderem Eigenschaften wie Ausdauer und Widerstandsfähigkeit, einschließlich der Tendenz, nicht leicht aufzugeben.

    Auch den Einfluss der Peergroup kann die Studie beziffern: Liegt der Grit-Wert für die Peergroup im 83. Perzentil, wächst das jährliche Bruttoeinkommen der betreffenden Person um 3,9 Prozent verglichen mit dem Durchschnitt. Die Peergroup hat also maßgeblichen Einfluss auf das Gehalt.

    „Nicht nur das Gehalt ist höher, wenn man in der Schule eine Peergoup mit Grit hatte. Menschen mit einer ambitionierten Peergroup in ihrer Jahrgangsstufe sind in der Regel zufriedener mit ihrer späteren Arbeit und haben eher eine Stelle, die ihren langfristigen Karrierezielen entspricht. Gerade Menschen mit sozial benachteiligtem Hintergrund können davon profitieren und unterschiedliche Startbedingungen ausgleichen“, sagt Ko-Studienautorin Yaming Cao, Wissenschaftlerin aus dem ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“.

    Daten von 6.000 High-School-Schülern/-innen

    Die Studie liefert erstmals empirische Belege für den Einfluss von sogenanntem „Peer Grit“ auf den persönlichen beruflichen und finanziellen Erfolg im späteren Leben. Grit bezeichnet dabei eine Persönlichkeitseigenschaft, die sich durch Ausdauer und Leidenschaft für ein bestimmtes Ziel auszeichnet. Die Peergroup bezeichnet das soziale Umfeld und bezieht sich im Rahmen der Studie auf Mitschüler/innen derselben Alterskohorte.

    Repräsentative Daten von rund 6.000 früheren US-High-School-Schülern/-innen wurden für die Studie ausgewertet. Die Schülerinnen und Schüler wurden sowohl im Schulalter (zwischen 12 und 19 Jahren) als auch 15 Jahre später, nach dem Schulabschluss, befragt. Rund zwei Drittel, also über 4.000 davon wurden zusätzlich weitere acht Jahre später nochmals befragt. So können Informationen über die Schulzeit und deren Auswirkungen auf das spätere Leben nachvollzogen werden. Die Daten stammen aus verschiedenen Befragungswellen der US-amerikanischen Langzeitstudie Add Health im Zeitraum zwischen 1994, 2009 und 2017.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Effrosyni Adamopoulou, PhD
    Stellvertretende Leiterin der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“
    Tel.: +49 (0)621 1235-296
    E-Mail: Effrosyni.Adamopoulou@zew.de

    Yaming Cao, PhD
    Wissenschaftlerin aus dem ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherung“
    Tel.: +49 (0)621 1235-154
    E-Mail: yaming.cao@zew.de


    Originalpublikation:

    https://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp25002.pdf


    Bilder

    Diagramm: Auswirkungen von Grit auf Einkommen im Vergleich zum Durchschnitt
    Diagramm: Auswirkungen von Grit auf Einkommen im Vergleich zum Durchschnitt

    ZEW


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Diagramm: Auswirkungen von Grit auf Einkommen im Vergleich zum Durchschnitt


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