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20.09.2004 14:43

Probleme der Solidarität in der modernen Gesellschaft

Heidi Neyses Kommunikation & Marketing
Universität Trier

    Erstmals erschienen: Vortrag anlässlich des gemeinsamen wissenschaftlichen Symposiums von Universität und Theologischer Fakultät Trier.

    Seit drei Jahrzehnten vereinigt das gemeinsame wissenschaftliche Symposium von Universität und Theologischer Fakultät Trier Forschung, Wissenschaftsdisput und Geselligkeit miteinander. Der Trierer Soziologe Prof. Dr. Hans Braun hatte den Symposiumsvortrag zum Thema "Zwischen Spontaneität und Organisation. Probleme der Solidarität in der modernen Gesellschaft" (Januar 2004) gehalten und anschließend viele Fragen und Standpunkte zum Thema "Solidarität" mit dem Plenum diskutiert. Erstmals wurde in diesem Jahr auf Wunsch des Präsidenten Prof. Dr. Peter Schwenkmezger der Festvortrag publiziert. Er erschien jetzt in der Reihe "Reden an der Universität".

    In seinem Beitrag behandelt der Soziologe die unterschiedlichen Bedeutungen des Solidaritätsbegriffes, ausgehend von dem Buch von Horst-Eberhard Richter "Lernziel Solidarität", das im Jahr 1974 erschienen war und eine verbreitete gesellschaftliche Aufbruchstimmung gleichsam zu einer Vision verdichtete.

    Zum Inhalt
    An den Anfang seiner Ausführungen stellt Braun die Frage "Wie verhält es sich nun aber mit der Solidarität in unserer Gesellschaft?" In fünf Schritten versucht er aus Sicht des Sozialwissenschaftlers den Begriff Solidarität in unserer Gesellschaft zu analysieren. Dabei geht es zunächst um die Annäherung an den Solidaritätsbegriff, sodann um die implizite Solidarität in elementaren Sozialbeziehungen und um freiwillig geleistete Solidarität jenseits des sozialen Nahraums und schließlich um die eingeforderte Solidarität des Sozialstaats. Zum Abschluss legt Braun verschiedene Entwicklungsperspektiven der Solidarität in unserer Gesellschaft dar.

    Braun belegt seine Ausführungen mit zahlreichen Beispielen: Unterstützung und Betreuung von Angehörigen, Engagement in Bürgerinitiativen oder ehrenamtliche Betätigung im Sozialbereich und schließlich das Spenden. Der Sozialstaat mit seiner organisierten Solidarität und den damit verbundenen Problemen bis hin zum "Staatsversagen", wenn es etwa um Steuerprobleme geht, ist ein Aspekt, den Braun am Ende seiner Überlegungen aufzeigt: "Problematisch ist allerdings der Status der sozialstaatlich organisierten Solidarität."

    Vielen sei nicht bewusst, dass auch der Sozialstaat der Solidarität bedarf, nämlich der Solidarität der Bürger in ihrer Rolle als Beitrags- und Steuerzahler einerseits und als Leistungsempfänger andererseits: "Es ist dies eine abstrakte Solidarität. Auf die Fähigkeit und Bereitschaft, solche abstrakte Solidarität zu zeigen ist die moderne Gesellschaft aber angewiesen. Dies gilt auch für den notwendigerweise verschlankten Sozialstaat der Zukunft." Seine Schlussfolgerung lautet: "Persönliche Nähe, Vertrauen und eben auch Spontaneität sind zentrale Faktoren für die Qualität des Lebens in dieser Gesellschaft. Ohne Bereitschaft zur abstrakten Solidarität werden diese Faktoren aber nur eingeschränkt zur Entfaltung kommen können."

    Zur Vita von Prof. Braun
    Seit 24 Jahren lehrt und forscht Prof. Dr. Hans Braun an der Universität Trier. Zunächst Professor an der Universität Tübingen, übernahm er nach Ablehnung von Rufen an die Katholische Universität Eichstätt und an die Universität der Bundeswehr München 1980 eine Professur für Soziologie an der Universität Trier. Ihr blieb er auch trotz eines Rufes an die Universität Fribourg/Schweiz treu. Brauns Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Sozialpolitik, Gesundheitsverhalten und Gesundheitssysteme, historische Sozialstrukturanalyse, Wohlfahrtsanalyse verbunden mit Glücksforschung, interkulturelle Beziehungen sowie Alterssoziologie, von der Braun sagt: "Allmählich wachse ich in mein eigenes Thema hinein!". Diese Forschungsinteressen schlugen sich in bislang über 270 Publikationen nieder, darunter 13 Monographien und 17 Sammelwerke.
    An der Universität Trier war Braun von 1985 bis 1988 Vizepräsident. Als Mitglied der Versammlung der Universität wurde er 1994 deren amtierender Vorsitzender. Nach der Wahl zum Vorsitzenden der Versammlung 1995 wurde er weitere vier Male in Folge wieder gewählt. Sein Interesse an der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses kam nicht zuletzt in der Mitarbeit in der Graduiertenförderungskommission zum Ausdruck. Als besonders interessant empfindet er die Arbeit in der Forschungskommission des Senats, der er seit vielen Jahren angehört. ney

    Die Publikation ist kostenlos über die Pressestelle der Universität Trier zu beziehen per E-Mail: presse@uni-trier.de oder Tel.: 0651/201 4239.
    Bibliographische Angabe:
    Hans Braun, Zwischen Spontaneität und Organisation. Probleme der Solidarität in der modernen Gesellschaft, Vortrag anlässlich des gemeinsamen wissenschaftlichen Symposiums von Universität Trier und Theologischer Fakultät Trier, in: Reden an der Universität Trier, ISSN 1611-9754


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Politik, Recht, Sprache / Literatur
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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