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06.01.2026 16:43

Planning for sustainability transformations: RuR Special Issue Vol. 83 No. 6 (2025) ist Open Access verfügbar

Dr. Tanja Ernst Stabsstelle Wissenschaftskommunikation
ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft

    Nachhaltigkeitstransformationen planen: Theoretische Zugänge, praktische Erfahrungen und politische Konsequenzen

    Im Editorial konstatieren Tanja Mölders, Jochen Monstadt und Niclas Ruppert "Wer plant, transformiert." Aber ob und inwieweit diese Transformationen effektiv zu einer nachhaltigen Raumentwicklung beitragen, erscheint fraglich. Gleichwohl zeigen die Beiträge des Heftes, dass Planung auf der theoretisch-konzeptionellen Ebene mit zentralen Merkmalen von Transformationen verbunden ist (Integration, Zukunftsorientierung, Raumorientierung). Auf der Ebene der Methoden und Umsetzung verfügt Planung über zahlreiche Instrumente, die „transformative Kapazitäten“ besitzen. Demgegenüber steht jedoch die Einschätzung, dass Planung „nicht darauf ausgelegt [ist], einen Prozess tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels anzuleiten“. Und genau hier liegt ein zentraler Diskussionspunkt, dem die Unterscheidung zwischen strategischen und analytischen Ansätzen der Transformation Rechnung trägt. Das Erreichen strategischer Ziele (z. B. des Windenergieausbaus) kann durch den Einsatz von Instrumenten der Raumplanung ermöglicht werden. Dies gilt auch und vor allem für die formelle Planung. Das kritische Hinterfragen und die Veränderung von Machtverhältnissen, institutionellen Arrangements, ökonomischen Rationalitäten und Naturverständnissen lassen sich hingegen weitaus schwieriger in das planerische Denken und Handeln integrieren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass strategische Reformdebatten nicht geführt werden können und sollten. Hierbei erscheint eine Reflexion existierender Gesetze, Instrumente und Verfahren ebenso geboten wie das Infragestellen planungskultureller Gewissheiten. Das vorliegende Heft möchte dazu einen Beitrag leisten.

    Forschungsbeiträge:

    "Meilenstein auf dem Weg zu einer Transformationsplanung? Die Umsetzung der Flächenziele nach Windenergieflächenbedarfsgesetz in der Praxis der Regionalplanung"

    Ludger Gailing, Stefano Panebianco, Axel Priebs und Rainer Danielzyk analysieren die Umsetzung des Windenergieflächenbedarfsgesetzes mithilfe einer qualitativen Expertenbefragung sowie einer Dokumentenanalyse und nehmen eine planungstheoretische Einordnung vor. Die Analyse zeigt, dass die zeitlichen und flächenbezogenen Ziele des Gesetzes zumindest bislang weitgehend stringent in den Ländern und Planungsregionen umgesetzt werden. Zugleich erscheint der Prozess als in skalarer Hinsicht agonistisch, weil es zu Konflikten in den Planungsregionen vor dem Hintergrund der klaren Zielsetzungen des Bundes kommen kann. Der Steuerungsansatz des Gesetzes legt die Frage nahe, ob künftig auch für andere Handlungsfelder der Nachhaltigkeitstransformation extern und ,top-down‘ fachgesetzliche Zielevorgegeben werden sollten – und welche Folgen dies für das Selbstverständnis der Raumordnung als integrierender, koordinierender und abwägender Planung hat.


    "Nachhaltigkeit stärken – Transformationen für den Klimaschutz durch Regionalplanung"

    Ausgehend von der Klimakrise als einer der größten Herausforderungen des Anthropozäns halten Tanja Mölders, Laura Doyé und Ludger Gailing fest, dass die Potenziale der gesamträumlichen Planung bei der Ausgestaltung der Transformation hin zu einer Paris-kompatiblen Entwicklung bislang zu wenig genutzt werden. Vor dem Hintergrund dieser Problemdiagnose wird das Verhältnis von gesamträumlicher Planung und raumbezogenen Nachhaltigkeitstransformationen am Beispiel des Klimaschutzes betrachtet. Forschungsleitend ist die Frage, wie sich die gesamträumliche Planung mit ihren Paradigmen, Konzepten und Instrumenten in der raumbezogenen Transformationsdebatte verorten lässt. In einem empirischen Teil werden die Ergebnisse einer Delphi-Studie vorgestellt, in der die Beiträge der Regionalplanung zum Klimaschutz diskutiert werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass die formelle Planung durchaus Beiträge zu Nachhaltigkeitstransformationen zu leisten vermag. Um ihre potenziell wirkmächtigen Gestaltungsoptionen jedoch konsequent auf eine „starke Nachhaltigkeit“ ausrichten zu können, bedarf die Regionalplanung in Teilen selbst einer Transformation.


    "Tackling municipal growth dependencies through the ‘common good’. Municipal-led collaborative housing in Freiburg’s Kleineschholz development"

    Benedikt Schmid examines the potential of centering the common good in urban development as a way to address municipal growth dependencies – the structural link between market performance and municipalities’ capacity to fulfil their responsibilities. Using a practice-theoretical approach, the paper develops a perspective for tracing how municipal growth dependencies are enacted and negotiated in everyday practice. In doing so, it highlights the partial agency of local authorities as they navigate between market-driven and common-good-oriented forms of development. Empirically, the paper analyses Kleineschholz, an ongoing district development project in Freiburg, Germany, that explicitly departs from short-term calculation in favour of long-term, strategic planning.


    "Putting sustainability transitions “on the ground”. Three arguments for a stronger integration of spatial planning and sustainability transitions scholarship"

    Johannes Suitner and Meike Levin-Keitel argue that one reason for the insufficient materialisation of sustainability objectives is a manifest gap between the prescriptive system knowledge of transition studies and the variegated local lifeworlds where transformations ultimately happen. Spatial planning offers valuable expertise to operationalise this system knowledge and move from abstract calls for one great transformation to concrete local transformations. The paper begins by reviewing debates that have already alluded to a polymorphism in sustainability transitions. Then it looks at the discourse on planning for sustainability transitions, noting how it is nourished by transition knowledge, while adding significant perspectives on spatiality, implementation and politics. Subsequently, it points to three spatial planning literacies that can add value to sustainability transitions research and the implementation of transitions on the ground: (1) A nuanced view on space that adds a material, functional, legal and cultural dimension to the scalar and institutional geographies of transitions, (2) an understanding of local (state) instruments, formal procedures, property and law, planning systems and cultures, and (3) future literacy through scenario-thinking, co-creation and experimentation as modes of democratic, sustainable future-making. We hence invite planning scholars to use their specific spatial, instrumental and future literacy to become more involved in sustainability transition debates to aid the local operationalisation of transition knowledge.


    "Transformative planning capacities in the transformative change of mobility systems"

    Ida Grundel and Kristina Trygg show new innovations, policies, tools and changes in habits related to our transport systems, especially the need to decrease people’s car dependency. Recently, the redesign of city planning through urban experimentation to reduce car dependency has become a common planning tool in many cities. The paper addresses how Swedish municipalities are implementing innovations in transport and mobility through urban experimentation and their work with mobility hubs and to understand the ways in which the municipalities are working with urban experiments towards transformative change. Aand how local authorities are increasingly applying experimental governance approaches. Empirically the paper builds on interviews and workshops with local officials and planners, and an analysis of policy documents in the municipalities. The results show that the influence of local conditions and the planning environment matters for how transformative planning is practised. Communication around future visions and goals is an important aspect of implementing new tools for change. The implementation of new innovations in the mobility sector may require new governance models to achieve more consistent planning tools and challenge existing norms and structures.


    Kommentar

    Zwischen Dringlichkeit und Beharrung: Räumliche Planung in der Transformation

    Antje Bruns diskutiert die Rolle der Planung im Spannungsfeld von Stabilisierung und Transformation: Die Dringlichkeit tiefgreifender Transformationen ist wissenschaftlich unbestritten, doch gesellschaftliche Institutionen – auch die räumliche Planung – reagieren überwiegend träge und stabilisieren bestehende Pfade der Nicht-Nachhaltigkeit. Trotz der Verankerungen des Nachhaltigkeitsprinzips im Raumordnungsgesetz gelingt es bislang kaum, die sozial-ökologische Transformation zielgerichtet voranzutreiben. Der Kommentar verweist auf die Bedeutung von Exnovation und Verlernen als zentrale Elemente sozialökologischen Wandels und plädiert für eine reflexive Selbstverständigung der Planung. Nur wenn Planung ihre Rolle in diesem Spannungsfeld kritisch reflektiert, kann sie als gestaltende Akteurin wirksam werden.


    Book Reviews:

    Book review of: Grau, Victoria; Welch Guerra, Max (Hrsg.) (2024): Histories of Urban Planning and Political Power. European Perspectives
    Detlef Briesen

    Book review of: Wacquant, Loïc (2023): Bourdieu in the City. Challenging Urban Theory
    Ingrid Breckner

    Book review of: Clark, William A.V. (2024): Rethinking Neighborhoods: Connections and Cohesion
    Olaf Schnur

    Book review of: Angebauer, Niklas; Blumenfeld, Jacob; Wesche, Tilo (Hrsg.) (2025): Umkämpftes Eigentum. Eine gesellschaftstheoretische Debatte
    Markus Hesse


    Die Fachzeitschrift „Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (RuR)“ geht auf ihrem goldenen Weg der Publikationspraxis den nächsten Schritt und wird ab 2026 als Diamond Open Access-Zeitschrift erscheinen.
    Diamond Open Access (OA) bedeutet, dass Publikationen oder Publikationsplattformen für alle Interessierten weltweit kostenlos zugänglich sind; für die Autor:innen fallen keine Kosten für die Publikation an. Damit setzt Diamond OA den Open Access-Gedanken konsequent um.

    Die Finanzierung des neuen Standards erfolgt durch das Engagement der fünf herausgebenden Einrichtungen, die die Zeitschrift ab 2026 gemeinsam und vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren.

    ***
    Die RuR ist eine international indexierte, interdisziplinäre Open-Access-Zeitschrift mit Double-Blind-Review-Verfahren für raumwissenschaftlich relevante Fachthemen und Debatten. Sie erscheint im oekom verlag und wird von der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL), dem ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und dem Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) herausgegeben. Die Fachzeitschrift ist unter anderem in der Datenbank Scopus indiziert und hat das DOAJ-Gütesiegel erhalten, ab 2026 erscheint sie als Diamond-Open-Access-Zeitschrift.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Andreas Klee
    Editor- in-Chief
    Leiter der Zentralabteilung/Stellvertreter der Generalsekretärin in der ARL

    Tel. +49 511 34842-39
    andreas.klee@arl-net.de


    Originalpublikation:

    “Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning” Vol. 83 No. 6 (2025)
    https://rur.oekom.de/index.php/rur/issue/view/434


    Weitere Informationen:

    https://www.arl-net.de/de/media/1173/inline (Medieninformation: Fachwissen frei zugänglich machen)


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Studierende, Wissenschaftler
    Bauwesen / Architektur, Gesellschaft, Politik, Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport
    überregional
    Kooperationen, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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