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08.01.2026 09:23

Pausen von digitalen Medien können das Wohlbefinden fördern

Jonas Siehoff Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Eine aktuelle Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigt, dass der bewusste Abstand von digitalen Medien kurzzeitig zu besserer Stimmung führt – und warum Druck zur Abstinenz keine gute Idee ist.

    Wie wirkt es sich auf das Wohlbefinden aus, wenn man das Handy einfach mal eine Zeit zur Seite legt – oder anderweitig auf digitale Medien verzichtet? Dieser Frage hat sich Alicia Gilbert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), mit zwei Kollegen von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gewidmet. Die Ergebnisse ihrer Studie sind vor kurzem im renommierten Fachjournal Communication Research erschienen. „Teilnehmende, die häufiger offline waren als üblich, berichten von einer besseren Stimmung, fühlten sich energetischer und anderen stärker verbunden. Allerdings sind diese Zusammenhänge recht klein und verpuffen nach zwei bis drei Stunden. Und einen Zusammenhang zwischen Digital Disconnection und dem Stressempfinden konnten wir nicht feststellen“, sagt Gilbert.

    Beobachtender Ansatz statt Interventionsstudie

    Zwar existieren nach Angaben von Gilbert bereits einige Studien zu Digital Disconnection. Doch seien diese oft als Interventionsstudien angelegt: Die Forschenden geben dabei genau vor, auf welche Weise und in welchem Ausmaß auf digitale Medien verzichtet werden soll. „Es wird derzeit jedoch stark diskutiert, ob dieses Studiendesign die Ergebnisse beeinflusst, da sich die Teilnehmenden durch die Vorgaben im Alltag eingeschränkt fühlen könnten“, erläutert Gilbert. Gestützt wird diese Vermutung durch die widersprüchlichen Ergebnisse, zu denen bisherige Studien kamen: Von einer Besserung des Wohlbefindens über keinen messbaren Einfluss bis hin zu Stressgefühlen durch Digital Disconnection ist alles vertreten.

    Die Forschenden der JGU und der FAU zogen ihre Studie daher anders auf: Statt konkrete Anweisungen zu geben, beobachteten sie, wie und in welchem Maße junge Menschen Digital Disconnection in ihrem Alltag bereits anwenden und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Dazu befragten sie die Teilnehmenden zwei Wochen lang mehrmals täglich nach aktuellen Digital-Disconnection-Handlungen sowie dem persönlichen Befinden. 237 Personen zwischen 18 und 29 Jahren nahmen an der Studie teil, insgesamt berichteten sie über 12.407 Situationen. Zu den Strategien, die die Forschenden abfragten, gehörten nicht nur die komplette Abstinenz etwa von Social Media, sondern auch kleinere Ansätze wie das Stummschalten von Benachrichtigungen oder das zeitweise Einschalten des Flugmodus. „Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden vielfach auch in Situationen, in denen sie angaben, von einem digitalen Medium zu disconnecten, andere digitale Medien weiterhin nutzten – etwa wenn sie das Smartphone weglegten, aber gerade am Laptop arbeiteten. Digital Disconnection und Mediennutzung fanden somit vielfach gleichzeitig statt“, berichtet Gilbert.

    Druck ist kontraproduktiv

    Dennoch stieg die Stimmung der Teilnehmenden – dieser Zusammenhang war allerdings klein und hielt nur etwa zwei bis drei Stunden an. Und wie stark der positive Zusammenhang mit der Stimmung war, hing außerdem mit dem Grund für die Abstinenz zusammen: „Basiert die Digital Disconnection auf einer eigenen Entscheidung oder wird sie als solche wahrgenommen, ist der Benefit für das Wohlempfinden höher“, sagt Gilbert. „Wird den Leuten dagegen vorgeschrieben oder von ihnen erwartet, dass sie sich von ihrem Handy fernhalten, kann sich dies sogar negativ auf die Stimmungslage auswirken. Es ist also durchaus wichtig, die Mediennutzung frei gestalten zu können.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Alicia Gilbert
    Arbeitsbereich Medienwirkung und Medienpsychologie
    Institut für Publizistik
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    55099 Mainz
    E-Mail: gilbert@uni-mainz.de
    https://medienpsychologie.ifp.uni-mainz.de/alicia-gilbert/


    Originalpublikation:

    A. Gilbert et al., Disconnect to Recharge: Well-Being Benefits of Digital Disconnection in Daily Life, Communication Research, 11. November 2025,
    DOI: 10.1177/00936502251387830,
    https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/00936502251387830


    Weitere Informationen:

    https://Video:
    https://download.uni-mainz.de/presse/02_publizistik_digital-detox_gilbert.mp4
    https://Alicia Gilbert zu Digital Disconnection
    https://Video/©: JGU


    Bilder

    Alicia Gilbert vom Institut für Publizistik der JGU
    Alicia Gilbert vom Institut für Publizistik der JGU
    Quelle: Foto/©: Alicia Ernst


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Medien- und Kommunikationswissenschaften, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Alicia Gilbert vom Institut für Publizistik der JGU


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