Das DZNE erhält als Mitglied eines internationalen Verbunds von Forschungseinrichtungen, Kliniken und Industriepartnern rund eine Million Euro an Fördermitteln. Durch dieses Gemeinschaftsprojekt namens „ACCESS-AD“ sollen Innovationen verstärkt in den klinischen Alltag gelangen – mit dem Ziel, Alzheimer früher zu erkennen sowie die Behandlung und Versorgung von Menschen mit Alzheimer zu verbessern. Das Forschungsvorhaben ist auf fünf Jahre angelegt und Teil der „Innovative Health Initiative“ der EU. Das DZNE beteiligt sich an mehreren Teilprojekten: Insbesondere geht es darum, den Therapieverlauf mit Hilfe von Gedächtnistests auf dem Smartphone zu erfassen.
„Die Therapie von Alzheimer ist an einem Wendepunkt. Die Amyloid-Antikörper-Therapie, die im vergangenen Jahr in der EU zugelassen wurde, bietet erstmals die Möglichkeit, den Krankheitsverlauf bei bestimmten Betroffenen zu verlangsamen. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, muss sich auch die Versorgung von Patientinnen und Patienten weiterentwickeln – hin zu einer personalisierten Medizin. Mehr Innovationen von der Forschung in die Praxis zu bringen, ist daher ein Anliegen dieses internationalen Forschungsprojektes“, erläutert Prof. Gabor Petzold, Direktor der klinischen Forschung am DZNE. „In Europa leben derzeit fast 10 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen mit Alzheimer – und ihre Zahl wird aller Voraussicht nach weiter steigen. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf.“
ACCESS-AD beruht maßgeblich auf der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie. Die Initiative wird unterschiedliche Themen im Kontext von Alzheimer aufgreifen. „Seitens des DZNE werden wir uns insbesondere bei der Erfassung des Therapieverlaufs einbringen. Mit innovativer Methodik möchten wir dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag optimal begleitet werden“, so Petzold.
Digitale Kennzeichen
„Kernspin-Aufnahmen des Gehirns, Bluttests und Analysen des Nervenwassers spielen eine wichtige Rolle für die Diagnose und Behandlung von Alzheimer. Als weiteres Element bringen wir und andere Projektpartner digitale Biomarker ins Spiel“, sagt Dr. David Berron, Forschungsgruppenleiter am DZNE-Standort Magdeburg. „Diese verschiedenen Verfahren erfassen jeweils andere Merkmale einer Alzheimer-Erkrankung. Aus deren Verknüpfung kann ein detailliertes Gesamtbild entstehen. ACCESS-AD wird den Nutzen einer solchen Kombination aus digitalen und herkömmlichen Biomarkern untersuchen. Und zwar im praktischen Versorgungsalltag.“
Gedächtnistests per Smartphone
Zum Einsatz kommt dabei eine spezielle App für Smartphones und Tablets, die das Magdeburger Start-Up neotiv auf der Grundlage von Forschungsergebnissen des DZNE entwickelt hat. Die App fordert regelmäßig zu einem Gedächtnistest auf. Schon seit einigen Jahren wird sie in Pilotprojekten und wissenschaftlichen Studien verwendet. „Letztlich geht es darum, sich Bilder zu merken. Der Test dauert nur wenige Minuten und wie unsere Erfahrung zeigt, kommen auch ältere Menschen gut damit zurecht“, erläutert Berron, der neben seiner Tätigkeit für das DZNE auch „Chief Science Officer“ von neotiv ist. Für ACCESS-AD wird die Software geringfügig angepasst. „Ergänzend zum Gedächtnistest sollen die Nutzerinnen und Nutzer mitteilen, wie gut sie im Alltag zurechtkommen. Dazu stellt die App gezielte Fragen.“
Hunderte Teilnehmende
Bisherige Studien haben gezeigt, dass diese App helfen kann, leichte kognitive Störungen („Mild Cognitive Impairment“) zu erkennen – solche Symptome können ein Vorzeichen von Alzheimer sein. „Bei ACCESS-AD fokussieren wir uns nun auf Menschen mit gesicherter Alzheimer-Diagnose und ermitteln, wie sich ihre geistige Leistungsfähigkeit im Zuge einer Therapie entwickelt“, sagt Berron. „Traditionell muss man dafür einen Gedächtnistest in der behandelnden Klinik oder Praxis machen. Mit der App geht das bequem zu Hause – ist also viel weniger aufwendig. So lässt sich die Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit öfter und somit genauer erfassen als auf herkömmliche Weise. ACCESS-AD geht aber noch darüber hinaus. Projektpartner aus Griechenland werden eine Smartwatch zum Einsatz bringen, um etwaige Veränderungen in der körperlichen Aktivität, Mobilität oder der Vitalzeichen zu detektieren.“
Europaweit sollen mehrere hundert Patientinnen und Patienten die App und die Smartwatch nutzen. „Diese werden zum Teil aus der Studienkohorte des DZNE rekrutiert, mit der wir die Einführung der neuen Amyloid-Antikörper in Deutschland begleiten. Aber auch andere Forschungszentren werden diese digitalen Tools einsetzen“, so Berron.
Hintergrund
Das Forschungsprojekt ACCESS-AD umfasst rund 30 Organisationen aus der EU und darüber hinaus. Das Projekt wird gemeinsam vom Amsterdam University Medical Center, King’s College London, dem Unternehmen Siemens Healthineers und Gates Ventures geleitet. Für fünf Jahre wird es durch die „Innovative Health Initiative“ der Europäischen Kommission gefördert.
Förderung
Dieses Projekt wird durch das Joint Undertaking der Innovative Health Initiative (IHI JU) im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101253010 unterstützt. Das JU erhält Unterstützung aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon Europe“ der Europäischen Union sowie von COCIR, EFPIA, Europa Bío, MedTech Europe und Vaccines Europe sowie von Anavex, Muhdo und Neurimmune.
https://www.dzne.de/en/im-fokus/meldungen/2026/dzne-participating-in-european-re... Englische Fassung dieser Meldung
https://www.access-ad.org/ Website von ACCESS-AD
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Wissenschaftler
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Informationstechnik, Medizin
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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