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15.01.2026 13:48

Impfstoffe zum Einatmen: Fortschritt für effektive pulmonale mRNA-Impfstoffe

LMU Presse und Kommunikation
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Neuartige hybride polymere Nanocarrier ermöglichen die Aufnahme von Impfstoffen über die Lunge und eine gezielte Aktivierung von Immunzellen.

    LMU-Forschende unter der Leitung von Professorin Olivia M. Merkel, Inhaberin des Lehrstuhls für Drug Delivery an der LMU, haben ein neues Transportsystem für mRNA-Impfstoffe entwickelt, die über die Atemwege aufgenommen werden. Die im Fachmagazin Cell Biomaterials veröffentlichte Studie stellt eine neuartige Wirkstoffkombination aus Poly(lactid-co-glycolid) (PLGA) und Poly(β-aminoestern) (PBAEs) vor, die gezielt darauf ausgelegt ist, zentrale biologische Barrieren in der Lunge zu überwinden.

    „Um eine effektive Immunisierung der Schleimhäute durch Inhalation zu erreichen, braucht man Trägersysteme, die den Schleim der Atemwege durchdringen können und dabei die empfindlichen RNA-Moleküle schützen, die sie transportieren“, erklärt Merkel. Ist die Lungenbarriere überwunden, müssen die Nanocarrier aus den sie transportierenden Bläschen (Endosomen) entweichen und die mRNA effizient in Immunzellen einbringen (transfizieren), die dann auf ihrer Oberfläche die entsprechenden Antigene präsentieren.

    Stabiles und effizientes Transportsystem

    Das LMU-Team hat ein System entwickelt, das diese Anforderungen über einen räumlich und zeitlich koordinierten Mechanismus erfüllt. Die Forschenden konnten zeigen, dass ihre hybriden Nanopartikel die angesteuerten Zellen des Immunsystems effizient transfizieren, was eine zentrale Voraussetzung für eine starke Immunaktivierung ist, und sowohl die Antigenpräsentation als auch die Reifung von Immunzellen unterstützt. Zudem durchdrangen die Partikel erfolgreich die Schleimbarriere und ermöglichten die mRNA-Expression in ex vivo humanen Präzisions-Lungenschnitten, einem besonders relevanten menschlichen Lungenmodell.

    „Ein wesentlicher Vorteil des neuen Systems ist seine hohe Stabilität während der Zerstäubung des Wirkstoffs“, sagt Merkel. Nach der Vernebelung mittels Vibrationsmembran-Inhalator behielten die PLGA/PBAE-Nanocarrier eine höhere Transfektionseffizienz als klinisch zugelassene Lipidnanopartikel, was ihre Eignung für inhalative Impfstoffanwendungen unterstreicht. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein datenbasiertes Polymerdesign in der Lage ist, mehrere Transportbarrieren gleichzeitig zu adressieren. Diese hybride Plattform stellt eine vielversprechende Alternative zu Lipidnanopartikeln für die nächste Generation pulmonaler mRNA-Impfstoffe dar.“

    Die Studie wurde von der Bayerischen Forschungsstiftung und dem Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert und leistet laut den Autorinnen und Autoren einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung sicherer, wirksamer und patientenfreundlicher mukosaler Impfstoffe.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Olivia M. Merkel
    Lehrstuhl für Drug Delivery
    Department Pharmazie
    LMU München
    olivia.merkel@lmu.de


    Originalpublikation:

    Min Jiang, Felix Sieber-Schäfer, Simone P. Carneiro, Dana Matzek, Anny Nguyen, Diana Leidy Porras-Gonzalez, Arun Kumar Verma, Miriam Kolog-Gulko, David C. Jürgens, Gerald Burgstaller, Bastian Popper, Xun Sun & Olivia M. Merkel: A hybrid polymeric system for pulmonary mRNA delivery: Advancing mucosal vaccine development. Cell Biomaterials 2026
    https://doi.org/10.1016/j.celbio.2025.100311


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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