Wer arm ist, kann sich Tickets für Schwimmbäder, Konzerte oder den öffentlichen Nahverkehr oft nicht leisten. Sozial- und Kulturpässe sollen Betroffenen daher vergünstigte oder kostenlose Eintritte ermöglichen und ihnen gesellschaftliche Teilhabe erleichtern. Ob das gelingt, hat ein vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales gefördertes Projekt der Universität Duisburg-Essen untersucht. Es kommt zu einem ambivalenten Ergebnis: Sozial- und Kulturpässe können helfen, sind aber bislang häufig nur begrenzt wirksam.
Für ihre Studie haben Dr. Christian Gräfe und Prof. Dr. Holger Schoneville vom Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik alle kommunalen Sozial- und Kulturpässe in NRW systematisch erfasst. Außerdem haben sie in mehreren Städten Interviews geführt – mit Menschen, die diese Pässe nutzen, sowie mit Fachpersonal aus Sozialämtern und den Servicestellen für die Kultur- und Sozialpässe.
Dabei wurde insgesamt deutlich, wie wichtig kulturelle Angebote für armutsbetroffene Menschen sind und dass die Pässe durchaus das Potenzial haben, eine Schlüsselrolle für gesellschaftliche Teilhabe zu spielen. Doch je nach Kommune unterscheiden sich die Pässe erheblich: Während manche Städte nur wenige kulturelle Angebote vergünstigen und den Kreis der Berechtigten sehr eng fassen, bieten andere ein breiteres Spektrum, das auch verbilligte Nahverkehrstickets einschließt. Ohne diese können viele Betroffene gar nicht erst an kulturellen oder sozialen Angeboten teilnehmen.
„Uns haben die Betroffenen berichtet, dass sich ihre finanzielle Situation auch mit einem Sozial- und Kulturpass nicht grundlegend verändert. Dennoch können Pässe den Zugang zu Angeboten deutlich erleichtern“, erklärt Dr. Christian Gräfe. „Häufig sind selbst stark rabattierte Tickets aber noch zu teuer. Wer sie nutzt, plant lange im Voraus und schränkt sich an anderer Stelle noch stärker ein als ohnehin.“
Zudem spielen Scham und Stigmatisierung eine große Rolle. „Das Vorzeigen des Passes, Warteschlangen bei Ausgabestellen der Ämter oder Unklarheiten darüber, wann welche Vergünstigung gilt, erleben viele als demütigend – und meiden die Angebote deshalb“, so Prof. Dr. Schoneville.
Kritisch sehen die Forschenden auch, dass allgemeine Informationen zu den Pässen häufig lückenhaft verbreitet werden und Beratungsangebote fehlen. Ein Problem stelle zudem die Digitalisierung dar: Zwar können Online-Anträge, QR-Codes oder Apps die Verfahren vereinfachen und Stigmatisierung reduzieren. Gleichzeitig haben es Menschen ohne Smartphone, mit geringen digitalen Kompetenzen oder Sprachbarrieren schwer, die Angebote zu nutzen.
Die Studie kommt zu dem Schluss: Ein Pass allein schafft keine Teilhabe. Aber mit politischer und struktureller Unterstützung – von klaren Informationen bis zu bezahlbarer Mobilität – können Sozial- und Kulturpässe helfen, bestehende Ungleichheiten abzubauen
Die Studie ist hier abrufbar (die Kommunen sind anonymisiert): https://www.uni-due.de/imperia/md/images/biwi/einrichtungen/isp/theorie_und_meth...
Prof. Dr. Holger Schoneville, Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik, Tel. 0201/18-3 2758, holger.schoneville@uni-due.de
https://www.uni-due.de/imperia/md/images/biwi/einrichtungen/isp/theorie_und_meth...
https://www.uni-due.de/biwi/isp/tum/forschung_task
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Gesellschaft, Politik
überregional
Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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