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15.01.2026 15:28

Studie zur Einkommens- und Sozialpolitik: Was kostet die Inflationskrise?

Ressort Presse Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

    Die Inflationskrise 2022 und 2023 kostete erhebliche politische Anstrengungen und löste zusätzliche gesellschaftliche Konflikte aus: Während staatliche Entlastungspakete viele Haushalte vor drastischen Einkommensverlusten bewahrten, geriet die zuvor begonnene Aufwertung niedriger Löhne und Einkommen ins Wanken. Ein aktueller Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zeigt, welche Folgen die Krisenpolitik insbesondere für die unteren Einkommensgruppen hatte.

    Für ihre Analyse* haben die IAQ-Forschenden Dr. Georg Barthel, Dr. Karen Jaehrling und Michel Breuer politische Akteure und Sozialpartner interviewt, ergänzende Hintergrundgespräche geführt, Bundestagsdebatten und andere politische Dokumente sowie ausgewählte Tarifverträge ausgewertet.

    Laut IAQ-Report wurde die Politik zur Aufwertung niedriger Einkommen in der Inflationskrise grundsätzlich fortgesetzt. Ausschlaggebend hierfür war, dass Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark unter den Preissteigerungen litten. Gleichzeitig geriet diese Strategie zunehmend unter politischen Druck und führte zu neuen Konflikten. Besonders deutlich wurde dies beim Bürgergeld: Die an der Inflation orientierte Anhebung der Regelsätze verkleinerte zeitweise den Abstand zu niedrigen Löhnen und löste damit eine grundsätzliche Debatte über die Reform selbst aus.

    Relativ zu ihrem Einkommen profitierten vor allem die einkommensschwächsten Haushalte von den Entlastungspaketen der Bundesregierung. In absoluten Euro-Beträgen werden jedoch Haushalte mit höheren Einkommen stärker bevorzugt. Damit rückte das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel, niedrige Einkommen und Familien gezielt zu entlasten, teilweise in den Hintergrund.

    Ein wichtiger politischer Eingriff war die außerplanmäßige Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro im Oktober 2022. Dieser Schritt sollte zu einer armutsfesten Lohnuntergrenze beitragen, wurde jedoch durch die hohe Inflation zum Teil wieder aufgezehrt. Zudem verschärfte er die Konflikte zwischen den Sozialpartnern: Erstmals konnte sich die Mindestlohnkommission im Jahr 2023 nicht auf eine gemeinsame Empfehlung einigen. Die Krise machte damit einen grundlegenden Zielkonflikt sichtbar: Soll der Mindestlohn lediglich eine untere Haltelinie darstellen oder einen Mindestlebensstandard sichern?

    Auch die Tarifparteien trugen zur Abfederung der Preissteigerungen bei, indem sie überproportionale Lohnerhöhungen für untere Lohngruppen vereinbarten. Diese Abschlüsse kamen jedoch erst nach längeren und teils sehr konfliktintensiven Verhandlungen zustande. Insgesamt zeigt die IAQ-Analyse, dass bestehende Instrumente wie Tarifverträge mit langen Laufzeiten oder rückwirkende Anpassungen von Sozialleistungen und Mindestlohn kaum geeignet sind, kurzfristig auf hohe Inflationsraten zu reagieren. Das Forschungsteam empfiehlt daher automatische Anpassungen an die Preisentwicklung oder tarifliche Klauseln, die bei unerwartet hoher Inflation schnelle Nachverhandlungen ermöglichen – insbesondere zum Schutz niedriger Einkommen.

    * Der IAQ Report basiert auf einer international vergleichenden, von der EU-Kommission geförderten Studie zur „Bewältigung der Inflationskrise durch sozialen Dialog“ (MAINSOC).

    Publikation:
    Georg Barthel, Karen Jaehrling, Michel Breuer, 2026: Einkommenspolitik von Staat und Sozialpartnern in der Krise. Kurz- und langfristige Auswirkungen der Inflationskrise von 2022 und 2023. IAQ-Report 2026-01. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2026-01, https://www.uni-due.de/iaq/iaq-report-info.php?nr=2026-01

    Weitere Informationen:
    Dr. Georg Barthel, Institut Arbeit und Qualifikation, georg.barthel@uni-due.de
    Dr. Karen Jaehrling, Institut Arbeit und Qualifikation, karen.jaehrling@uni-due.de

    Redaktion: Katja Goepel, Pressereferentin, Institut Arbeit und Qualifikation, katja.goepel@uni-due.de


    Originalpublikation:

    https://www.uni-due.de/iaq/iaq-report-info.php?nr=2026-01


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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