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21.01.2026 13:04

MHH unterstützt Perinatalzentrum in der Ukraine

Inka Burow Stabsstelle Kommunikation
Medizinische Hochschule Hannover

    Geräte, Ausbildung, fachlicher Austausch: Durch die Kooperation kann die Klinik in Lwiw modernste genetische Analysen vornehmen und seltene Erkrankungen bei Neugeborenen früh erkennen. Die Klinikpartnerschaft wird von der GIZ finanziert.

    Seltene Erkrankungen sind meist erblich bedingt. Sie verlaufen oft schwer, sind chronisch und lebensverkürzend. Eine möglichst frühe Diagnose, etwa durch genetische Analysen, kann existenziell sein. Doch nicht überall gehören solche Untersuchungen zum diagnostischen Standard. Auch im Perinatalzentrum in der westukrainischen Stadt Lwiw sind diese Möglichkeiten noch relativ neu. Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde dort ein Labor für moderne genetische Diagnostik für Neugeborene aufgebaut. Das Projekt gehört zum Förderprogramm „Klinikpartnerschaften“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ investiert rund 1,2 Millionen Euro in das Vorhaben.

    Größtes Perinatalzentrum in der Westukraine

    Das Perinatalzentrum in Lwiw ist die größte Klinik dieser Art im Westen der Ukraine. Ein Perinatalzentrum vereint Geburtsmedizin und Neonatologie, um Frauen mit Risikoschwangerschaften und kranke oder sehr früh geborene Babys optimal versorgen zu können. Für die Betreuung vor, während und nach der Geburt stehen alle nötigen Fachleute und eine intensivmedizinische Ausrüstung bereit. Das Perinatalzentrum in Lwiw gibt es bereits seit 38 Jahren. Wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine fliehen viele schwangere Frauen in den Westen des Landes und bringen dort ihr Kind zur Welt. 2024 wurden dort rund 6.000 Kinder geboren. „Bestand bei einem Neugeborenen der Verdacht auf eine seltene genetisch bedingte Erkrankung, mussten die Proben zur genetischen Diagnostik in die USA geschickt werden. Das war umständlich und sehr teuer“, beschreibt Prof. Dr. Halyna Shcherbata die frühere Situation in Lwiw. Professorin Shcherbata arbeitet am MHH-Institut für Zellbiochemie und koordiniert die deutsch-ukrainische Klinikpartnerschaft. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Humangentik, der Pädiatrischen Stoffwechselmedizin, der Pädiatrischen Mukoviszidose-Ambulanz sowie mit großer Unterstützung des MHH-Präsidiums gelang es, in enger Kooperation mit den Fachleuten vor Ort die genetische Diagnostik in Lwiw auf neue Beine zu stellen.

    Moderne Technik, kompetentes Team

    Nachdem das Projekt 2023 gestartet war, konnten 2024 schon die ersten Untersuchungen per Next-Generation-Sequencing (NGS) durchgeführt werden. Beim NGS handelt es sich um ein modernes Verfahren zur schnellen, kostengünstigen und detaillierten Entschlüsselung genetischer Informationen. In dem neuen Labor konzentrieren sich die Fachleute auf die sogenannte Exomsequenzierung, das heißt auf die Analyse aller protein-kodierenden Bereiche. Dadurch werden die meisten bekannten krankheitsverursachenden genetischen Abweichungen entdeckt. So können im Perinatalzentrum schon in den ersten Lebenstagen seltene erbliche Erkrankungen diagnostiziert und behandelt werden „Wenn unsere klinische Exomsequenzierung unzureichende Ergebnisse liefert, schicken wir DNA-Proben zur umfassenderen Genomanalyse in die MHH.“ erklärt die Ärztin Dr. Maria Malachynska, Leiterin des Perinatalzentrums. Die Kooperation zwischen Lwiw und Hannover geht aber noch darüber hinaus. Die Einrichtungen kümmern sich nicht nur gemeinsam um die Ausrüstung und die Infrastruktur des Labors, sondern auch um die Ausbildung des Fachpersonals. Vier Laborexpertinnen und-experten, eine Molekularbiologin und eine Kinderärztin waren bereits zu umfassenden Schulungen an der MHH. „Das Perinatalzentrum ist technisch hervorragend ausgerüstet und verfügt über ein hochqualifiziertes Team“, stellt Professorin Shcherbata fest.

    Weitere Zentren im Land profitieren

    Aus der Klinikpartnerschaft ist mittlerweile ein großes Kooperationsnetzwerk geworden. Das regionale Neugeborenen-Screening-Zentrum am Perinatalzentrum Lwiw teilt seine neuen Analysemöglichkeiten auch mit anderen ukrainischen Screening-Zentren, die kein NGS-Labor haben, und baut so ein landesweites Netzwerk für genetische Diagnostik und Kompetenzen auf. Das Team nimmt an internationalen Konferenzen und Forschungsprojekten teil und arbeitet ständig daran, die genetische Diagnostik in der Ukraine weiter auszubauen.

    Zweites Labor und OP-Technik

    Neben der genetischen Diagnostik konnten durch die Klinikpartnerschaft im Perinatalzentrum zwei weitere Maßnahmen realisiert werden: Zum einen wurde ein weiteres Labor eingerichtet, in dem Blutproben von Neugeborenen auf nichtgenetische Hormon- und Stoffwechselerkrankungen untersucht werden können. Auch dieses Labor arbeitet mit anderen Laboren in der Ukraine zusammen. Zum anderen wurde ein 4D-Laser-Hysteroskopie-System installiert, mit dem die Chirurginnen und Chirurgen komplexe offene und minimalinvasive gynäkologische Eingriffe vornehmen können, wie beispielsweise die schonende Entfernung von tief eingewachsener Endometriose oder von gutartigen Wucherungen in der Gebärmutter. Außerdem können mit dem System Verklebungen und Verwachsungen in der Gebärmutter behandelt sowie fruchtbarkeitsrelevante Strukturen rekonstruiert werden.

    Weitere Informationen erhalten Sie bei Prof. Dr. Halyna Shcherbata, Institut für Zellbiochemie, sherbata.halyna@mh-hannover.de.


    Bilder

    Im Operationssaal des Perinatalzentrums Lwiw: Die Zentrumsleiterin Dr. Maria Malachynska (rechts) zeigt Dr. Mariana Tsap (links) und Prof. Prof. Dr. Halyna Shcherbata (Mitte) von der MHH das neue 4D-Laser-Hysteroskopie-System.
    Im Operationssaal des Perinatalzentrums Lwiw: Die Zentrumsleiterin Dr. Maria Malachynska (rechts) ze ...

    Copyright: Perinatalzentrum Lwiw.

    Das Team des Regionalen Zentrums für Neugeborenen-Screening des Perinatalzentrums Lwiw überreicht dem MHH-Team eine Dankesurkunde für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts „Partnerschaft im Gesundheitswesen“, verliehen durch den Lwiwer Regionalrat.
    Das Team des Regionalen Zentrums für Neugeborenen-Screening des Perinatalzentrums Lwiw überreicht de ...

    Copyright: Perinatalzentrum Lwiw.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Kooperationen
    Deutsch


     

    Im Operationssaal des Perinatalzentrums Lwiw: Die Zentrumsleiterin Dr. Maria Malachynska (rechts) zeigt Dr. Mariana Tsap (links) und Prof. Prof. Dr. Halyna Shcherbata (Mitte) von der MHH das neue 4D-Laser-Hysteroskopie-System.


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    Das Team des Regionalen Zentrums für Neugeborenen-Screening des Perinatalzentrums Lwiw überreicht dem MHH-Team eine Dankesurkunde für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts „Partnerschaft im Gesundheitswesen“, verliehen durch den Lwiwer Regionalrat.


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