In der Podiumsdiskussion „Wasser, Ernährung & Klima: Erkenntnisse aus der deutsch-chinesischen Kooperation“ am 16. Januar 2026 auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) in Berlin erörterten deutsche und chinesische Expert:innen die Wasserknappheit, ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie führende Lösungsansätze, die in beiden Ländern als wirksame Gegenmaßnahmen eingesetzt werden können.
Dr. Michaela Böhme, Managing-Direktorin des Deutsch-Chinesischen Agrarzentrums (DCZ), eröffnete die Podiumsdiskussion mit einer Einordnung der Wasserknappheit als zentrales Thema des diesjährigen GFFA-Fachpodiums. Während die deutsche Landwirtschaft lange Zeit weitgehend durch ausreichende Niederschläge geprägt war, rücken Fragen der Wasserverfügbarkeit zunehmend in den Fokus. In China hingegen ist der Umgang mit ungleich verteilten Wasserressourcen seit Langem eine zentrale Herausforderung, wobei die Lücke zwischen Wasserangebot und -nachfrage weiter wächst. Vor diesem Hintergrund kommt dem deutsch-chinesischen Erfahrungsaustausch eine besondere Bedeutung zu, um wirksame Strategien für beide Länder zu identifizieren.
In einer vergleichenden Analyse stellte IAMO-Wissenschaftler Dr. Zhanli Sun die klimatischen Unterschiede sowie die regionalen landwirtschaftlichen Anforderungen in Deutschland und China dar. Trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen sind beide Länder gleichermaßen vom Klimawandel betroffen. Dürre entwickelt sich zunehmend zur neuen Normalität, begleitet von häufigeren Extremwetterereignissen mit spürbaren Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Als zentrale Lösungsansätze zur Deckung des steigenden Wasserbedarfs wurden der Ausbau digitaler Landwirtschaft sowie der verstärkte Einsatz von Drohnen und effizienten Bewässerungssystemen wie der Tröpfchenbewässerung hervorgehoben.
Dr. Frank Wechsung vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erläuterte wasserbezogene Risiken infolge klimabedingter Extremveränderungen, darunter steigende Temperaturen, zunehmende CO₂-Emissionen und eine ungleichmäßige Niederschlagsverteilung. Eine besonders einflussreiche Variable sei der Rückgang der Windgeschwindigkeiten. Dieser führe zu veränderten Niederschlagsmustern mit geringeren Regenmengen im Sommer und höheren im Winter. In Verbindung mit Hochdrucklagen im Sommer erhöhe sich dadurch die Wahrscheinlichkeit langanhaltender Dürren, sowohl in Deutschland als auch in China.
Dr. Zhandong Liu vom Bewässerungsinstitut der Chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften (CAAS) veranschaulichte die Situation in der nordwestlichen, von Getreide- und Baumwollanbau geprägten Region Chinas. Zentrale Herausforderungen ergeben sich aus dem angespannten Verhältnis von Wasserangebot und -nachfrage, insbesondere aus der geringen Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit, die umfassende Wassersparmaßnahmen erforderlich macht. Die Landwirtschaft ist weiterhin der größte Wasserverbraucher, wobei das Grundwasser seit Jahren übernutzt wird. Gleichzeitig verschärfen sich ökologische Konflikte, etwa durch den Rückgang von Ufervegetation und Windschutzstreifen. Der Klimawandel wirkt dabei als zentraler Treiber dieser Entwicklungen.
Als mögliche Strategien stellte Dr. Liu hocheffiziente, wassersparende Technologien vor, darunter Tröpfchenbewässerung, Echtzeitsensorik und präzisionsgesteuerte Ventile. Ziel ist es, Erträge zu sichern und intelligente Bewässerungssysteme gezielt in der Landwirtschaft zu etablieren.
Angesichts der steigenden Lebensmittelproduktion analysierte Prof. Dr. Martin Wagner von der Technischen Universität Darmstadt und der German Water Partnership (GWP) Lösungsansätze zur landwirtschaftlichen Nutzung von behandeltem Abwasser. Zentrale Voraussetzung ist die Sicherstellung einer hohen Wasserqualität, um den Einsatz insbesondere in der Lebensmittelproduktion zu ermöglichen. Dabei gilt es, Grundwasser für Landwirt:innen und Verbraucher:innen in ländlichen Regionen zu schützen. Durch geeignete Filtrations- und Desinfektionsverfahren kann behandeltes Abwasser beispielsweise in der Tröpfchenbewässerung sicher wiederverwendet werden.
Über das GFFA
Das 18. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) fand vom 14. bis 17. Januar 2026 unter dem Titel „Wasser. Ernten. Unsere Zukunft“ in Berlin statt. Das GFFA ist eine internationale Konferenz zu agrar- und ernährungspolitischen Fragen. Es wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Kooperation mit der Messe Berlin GmbH veranstaltet.
Über das IAMO
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
Theodor-Lieser-Straße 2
06120 Halle (Saale)
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Podiumsgäste Martin Wagner, Zhandong Liu, Frank Wechsung, Zhanli Sun und Michaela Böhme auf dem GFFA ...
Quelle: Daniela Schiming
Copyright: © IAMO
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Politik, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

Podiumsgäste Martin Wagner, Zhandong Liu, Frank Wechsung, Zhanli Sun und Michaela Böhme auf dem GFFA ...
Quelle: Daniela Schiming
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