Nachts um 11 barfuß im Schnee stehen, morgens um 3 zu lauter Musik tanzen – klingt nach wildem Berliner Wochenende? Von wegen! Das sind Szenen aus unserem außergewöhnlichen Fortbildungsseminar "STRONG International HEARTS". Anfang Januar kamen junge Ärztinnen und Ärzte aus vielen Ländern nach Berlin, um 36 Stunden lang wach zu bleiben und währenddessen ihre chirurgischen Fähigkeiten, Durchhaltevermögen und mentale Stärke zu trainieren – mit Unterstützung der Bundespolizei. Was ist Sinn und Zweck dieser Fortbildung? Und wie ist es den Teilnehmenden ergangen? Das erfahren Sie hier!
Die Füße im Schnee: Sie gehörten zu 14 Herzchirurg:innen und Ärzt:innen, die sich noch in der Facharztweiterbildung befinden. Sie alle kamen nach Berlin, um ihre Belastbarkeit zu testen – und zwar 36 Stunden lang. Pausen gab es schon, ja. Schlaf? Eher nicht. Zum vierten Mal veranstaltete die DGTHG dieses herausfordernde Seminar in Kooperation mit der Bundespolizei. Die Neuigkeit in diesem Jahr: Es wurde international! Aus acht Ländern – darunter Brasilien, Kolumbien, Ukraine und Mexiko – reisten die Teilnehmenden an.
Eine unter ihnen: Nadine Emmerich aus der Schweiz. Die 26-Jährige ist seit einem halben Jahr Assistenzärztin in der Herzchirurgie des Luzerner Kantonsspitals. Die Aussicht auf die vielen chirurgischen Workshops lockte sie nach Berlin ins Langenbeck-Virchow-Haus – und die Neugier darauf, wie ihr Körper und ihre Psyche die vielen wachen Stunden wegstecken. Genau das wird bei STRONG International HEARTS nämlich sehr genau unter die Lupe genommen: Wie ist es um die eigene Aufmerksamkeit und Konzentration bestellt, wenn die Müdigkeit größer wird? Das zeigten Tests – schriftlich und praktisch am simulierten OP-Tisch – die während der 36 Stunden wiederholt wurden, um am Ende einen Vergleich ziehen zu können.
Zugewandt im Team arbeiten
Test – das klingt nach Stress und Druck. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Teilnehmenden hatten hochkarätige Coaches an ihrer Seite, die sie durch die praktischen, theoretischen und mentalen Übungen begleiteten. Wer ihnen zusah, merkte sofort: Hier ging es um Teamarbeit und um ein zugewandtes voneinander Lernen in entspannter, vertrauensvoller Atmosphäre.
Doch nicht nur die Hände wurden trainiert, sondern auch die Seelen. Zuständig dafür war: die Bundespolizei. Klingt im ersten Moment vielleicht überraschend? Kai Winter brachte Licht ins Dunkel. Als ehemaliges aktives Mitglied der der Spezialkräfte der Bundespolizei und heute Coach von High-Performance Teams ermöglichte er Einblicke ins Stressmanagement der Spezialkräfte der Bundespolizei, die bei der Terrorismusbekämpfung, Geiselnahmen oder bewaffneten Bedrohungen zum Einsatz kommen.
Kai Winter zeigte, wie sich dort etablierte Bewältigungsstrategien auch auf die Herausforderungen in der Herzchirurgie übertragen lassen. „Die Spezialkräfte der Bundespolizei und die Herzchirurgie haben gemeinsam, dass sie hohe physische und psychische Anforderungen bewältigen müssen“, erklärte er. Ergänzt wurde er von Dr. Günter W. Weber, Geschäftsführer des Instituts für Konfliktforschung und Krisenberatung und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Psychologie an der Technischen Universität München. Der Experte gab ebenfalls Einblicke in die menschliche Seele und deren Verarbeitungsmechanismen. Weber zeigte, wie sich Akteur:innen in Notfallsituationen selbst steuern und fokussieren können und welchen Prinzipien Kommunikation in Ausnahmesituationen folgen sollte.
Bewältigungsstrategien für Stressmomente
Bei Vorträgen blieb es jedoch nicht: Kai Winter und Günter Weber begeisterten vor allem auch mit praktischen Übungen. Mit Yoga im Schnee zum Beispiel und mit einer Parcours-Übung, die es in sich hatte: Die jungen Ärzt:innen standen vor der Aufgabe, ein symbolisches Spenderherz in einem unbekannt schweren Transportgefäß über eine selbst konstruierte Brücke zu bringen. Kein einfacher Job, denn zu Verfügung standen nur einige wenige Utensilien wie Balken und Seile. „Eine wunderbare Möglichkeit, die die Stärkung von Teamarbeit, Entscheidungsfindung und Vertrauen in den Fokus rückt“, erklärten Kai Winter und Günter Weber.
Zwei-Minuten-Schlaf? Erstaunlich erholsam!
Zwischendurch gab es jedoch auch Atempausen – zum Beispiel bei Meditationsübungen. Teilnehmerin Nadine Emmerich aus der Schweiz: „Dabei bin ich zwei bis drei Minuten eingenickt. Das war erstaunlich erholsam und hat mich wieder fit gemacht.“ Dieselbe Wirkung hatte die Musik im OP-Simulationsraum mitten in der Nacht. Einmal im OP tanzen? Im Langenbeck-Virchow-Haus war es möglich – und sorgte nicht nur für gute Stimmung, sondern half auch beim Stressabbau „All das hat das Fortbildungsseminar so außergewöhnlich gemacht“, sagt Nadine Emmerich. „Man wächst in den 36 Stunden richtig zusammen, wird schnell miteinander vertraut und hat einfach zusammen Spaß!“
Verbesserungen trotz Müdigkeit
Die Ärztin hat das Seminar gut überstanden. So, wie alle anderen Teilnehmenden auch. Samstag, 19 Uhr, war „Feierabend“. Letzter Programmpunkt: Alle wiederholten ihre Tests, um die Konzentrationsfähigkeit noch ein letztes Mal zu überprüfen. Noch hat Nadine Emmerich ihre Auswertung nicht in den Händen. Aber ihr Gefühl sagt: Sie hat sich verbessert! „Ich habe nicht das Gefühl, dass der Schlafmangel meine Leistungsfähigkeit eingeschränkt hat.“ Im Gegenteil: Die vielen praktischen Übungen hätten ihr über die Zeit Routine gegeben, sodass sie die Tests am Ende souveräner meisterte als am Anfang. Eine schöne Erfahrung für die noch junge Ärztin, verbunden mit einem Gefühl der Sicherheit: Sie schafft viel mehr, als sie dachte!
Diese Gefühle der Stärke und des Selbstbewusstseins zu entwickeln – das sei ein Kernziel der STRONG International HEARTS, sagt Herzchirurg und DGTHG-Coach Dr. med. Hristo Kirov, Leitender Oberarzt an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena. „Uns ist wichtig zu vermitteln, dass die Teilnehmenden in einem Ernstfall fähig sind, ihre Kräfte zu aktivieren und auch längere, belastende Phasen in Ausnahmesituationen souverän zu bewältigen können.“ Wer am DGTHG-Seminar teilgenommen habe, hätte danach eine Art „Sicherheitsnetz“ im Kopf mit dem Wissen: Ich kann das!
Wurde dieses Zeil erreicht? Wir haben bei einigen Teilnehmenden nachgefragt:
Dr. med. Dmytro Babliak, Ukraine:
"Ich habe gelernt, dass ich auch in unangenehmen Situationen, einschließlich längerem Schlafentzug, belastbar bin. Dank der Unterstützung der Trainer und eines wirklich spannenden Programms, das einen nie müde werden ließ, konnte ich einen klaren Kopf behalten. Einfach nur seine Arbeit zu erledigen, ist auch mit Schlafmangel machbar, aber unter solchen Bedingungen kreativ und geistig produktiv zu bleiben, bringt einen weit außerhalb seiner Komfortzone."
Dr. med. Oscar Prior, Mexiko:
"Strong International Hearts war für mich eine tiefgreifende Erfahrung in Bezug auf persönliches Wachstum und Gemeinschaft, bei der körperliche Herausforderungen mit gemeinsamen Zielen und echten internationalen Verbindungen einhergingen. Meine größte Herausforderung war es, mich selbst ehrlich kennenzulernen – meine Stärken und Schwächen zu erkennen, Müdigkeit zu akzeptieren, Siege zu feiern und aus Niederlagen zu lernen."
Dr. med. Fábio Serra, Brasilien:
"Strong International Hearts war eine großartige Gelegenheit, meine chirurgischen Fähigkeiten zu verbessern, das Verfassen von Abstracts zu verfeinern, mein Netzwerk zu erweitern und Strategien für den Umgang mit Stresssituationen zu erlernen. Ich habe gelernt, dass ich auch nach langen Arbeitszeiten technische Aufgaben bewältigen kann. Meine größte Herausforderung bestand darin, in Zeiten ohne aktive Aufgaben wach zu bleiben."
Dr. med. Joscha Büch, Deutschland:
"Es war für mich die beste Fortbildungsveranstaltung der DGTHG, die ich besucht habe. Strong International Hearts war eine großartige Gelegenheit, mich im Team realitätsnahen Herausforderungen zu stellen und meine eigenen Fähigkeiten unter Druck zu testen. Ich habe gelernt, wie wichtig Teamgeist, klare Kommunikation und mentale Stärke sind, um Extremsituationen erfolgreich zu bestehen. Gleichzeitig habe ich gelernt, meine eigenen Grenzen und Stärken besser einzuschätzen. Meine größte Herausforderung war, auch nach über 30 Stunden ohne Schlaf konzentriert zu bleiben und komplexe Aufgaben mit Ruhe und Präzision zu bewältigen."
Mohammed AlTawil, MD, Deutschland:
"Strong International Hearts war für mich eine intensive und außergewöhnliche Lernerfahrung, bei der man erkundet, wie weit man gehen kann. Ich habe gelernt, dass nachhaltiges Arbeiten sowie die Entwicklung praktischer Fähigkeiten, interaktive Diskussionsrunden und Zusammenarbeit im Team möglich sind. Meine größte Herausforderung war es, während des 36-stündigen Programms mit fordernden Aktivitäten dauerhaft konzentriert und leistungsfähig zu bleiben."
Dr. med. Ahmed Elderia, Deutschland:
"Strong International Hearts war für mich eine intensive und außergewöhnliche Erfahrung mit Hands-on Training, strukturiertem Coaching und Stressbewältigungsstrategien. Eine Erfahrung, die mich nachhaltig geprägt hat. Ich habe in diesem Projekt gelernt, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren und Intensität zu maximalem Fokus, Teamgeist und Wachstum führen kann. Meine größte Herausforderung war es, über 36 Stunden hinweg körperlich und mental leistungsfähig zu bleiben."
Dr. Ihor Stetsyuk, MD, MPH, PhD, Ukraine:
"Das Seminar war eine hervorragende Veranstaltung für meine berufliche Weiterentwicklung. Es bot eine wertvolle Gelegenheit, Erfahrungen mit hervorragenden Kollegen auszutauschen, inspirierende Fachleute kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. Ich schätze das hohe Niveau der Organisation und der wissenschaftlichen Inhalte sehr."
Wir danken der Firma Abbot für die freundliche Unterstützung der STRONG International HEARTS!
https://dgthg.de/aktuelles/strong-international-hearts-2026/
Teilnehmende und Coaches der STRONG International HEARTS 2026
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
überregional
wissenschaftliche Weiterbildung
Deutsch

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