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26.01.2026 16:00

Neues aus der Forschung

Saskia Lemm Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Studie: Acht Monate nach Cannabis-Teillegalisierung keine Auswirkungen festzustellen | Impfstoffkandidat gegen MERS zeigt langanhaltende Immunantwort | Nicht-invasive Diagnostik der Tuberkulose aus Atemschutzmasken | Schon moderate Hitze belastet chronisch erkrankte Menschen | Regulation super-schneller Signale bei der Aktivierung von T-Lymphocyten aufgeklärt | Förderung für Verbundprojekt CONtraCEPT zur Verbesserung von Zyklus-Apps | UKE-Neurologe erhält Barancik Prize der National Multiple Sclerosis Society | Else Kröner-Fresenius-Stiftung verlängert Förderung für UKE-Nachwuchsprogramm „iPrime-Clinical Scientist“

    Studie: Acht Monate nach Cannabis-Teillegalisierung keine Auswirkungen festzustellen

    Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben die kurzfristigen Auswirkungen der Cannabis-Teillegalisierung für Erwachsene in Deutschland untersucht und dabei keine signifikanten Änderungen zur Zeit vor der Gesetzesänderung festgestellt. Grundlage waren Daten einer Bevölkerungsbefragung, die in Deutschland und Österreich vor und nach der Teillegalisierung durchgeführt wurde, wobei der Cannabis-Besitz in Österreich weiterhin verboten ist. Laut der Studie stieg in Deutschland der Cannabis-Konsum von 12,1 auf 14,4 Prozent unter den 18- bis 64-Jährigen an; in Österreich war der Anstieg trotz Verbots vergleichbar. Unter den Menschen, die Cannabis mindestens einmal im Monat konsumierten, fuhren in Deutschland leicht weniger Menschen unter Cannabis-Einfluss Auto als vor Inkrafttreten der Legalisierung und vor Festlegung eines für den Straßenverkehr geltenden neuen Grenzwertes des Cannabis-Wirkstoffes THC (Tetrahydrocannabinol) im Blut – auch hier stellten die Forschenden keinen signifikanten Trendunterschied zu Österreich fest. Bei etwa 22 Prozent der Fahrten unter Cannabis-Einfluss wurden zusätzlich Alkohol oder andere Substanzen konsumiert. Während solche Mischkonsum-Fahrten insbesondere auf wöchentlich Konsumierende zurückgingen, waren Fahrten allein unter Cannabis-Einfluss bei täglich Konsumierenden am häufigsten. In Deutschland wurde im April 2024 der Anbau und Besitz von Cannabis für Erwachsene teilweise legalisiert. Außerdem wurde im August 2024 ein neuer Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum im Straßenverkehr gesetzlich festgelegt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachmagazin The Lancet Regional Health - Europe.

    Publikation: Schranz, Short-term effects of cannabis legalisation in Germany on driving under the influence of cannabis: a difference-in-differences analysis using Austria as a control. The Lancet Regional Health – Europe. 2026.
    DOI: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101593
    Kontakt für Rückfragen: Anna Schranz, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, a.schranz@uke.de

    Impfstoffkandidat gegen MERS zeigt langanhaltende Immunantwort

    Ein von Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelter experimenteller Impfstoff gegen das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) löst auch zwei Jahre nach Auffrischungsimpfung eine stabile und funktionsfähige Immunantwort im Menschen aus. Das ist das Ergebnis einer klinischen Langzeitstudie, die von einem internationalen Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) unter Leitung des UKE durchgeführt und durch das DZIF sowie die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) gefördert wurde. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

    Untersucht wurde der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S, der auf einem abgeschwächten Pockenvirus basiert. MERS verursacht schwere Atemwegserkrankungen mit einer hohen Sterblichkeitsrate von bis zu 36 Prozent. Obwohl Infektionen beim Menschen bislang selten sind, gilt das Virus als potenzielle Bedrohung für zukünftige Ausbrüche. MERS gehört zur WHO-Liste der prioritären Krankheitserreger, für die dringend Impfstoffe und Therapien benötigt werden.

    Neben dem UKE waren an der Studie das Institut für Virologie der Charité, das Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg sowie das Department of Viroscience am Erasmus Medical Centre in Rotterdam (Niederlande) beteiligt. Sie wurde in Kooperation mit dem vom UKE geleiteten Sonderforschungsbereich 1648 „Emerging Viruses: Struktur, Pathogenese und Immunität“ durchgeführt.

    Publikation: Mayer et al. Two-year persistence of MERS-CoV-specific antibody and T cell responses after MVA-MERS-S vaccination in healthy adults. Nature Communications. 2026.
    DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-025-68248-5
    Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Marylyn Addo, Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung

    Nicht-invasive Diagnostik der Tuberkulose aus Atemschutzmasken

    Eine prospektive Studie von Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, dass das sogenannte Face-Mask-Sampling (FMS) eine vielversprechende, nicht-invasive Ergänzung zur bisherigen Diagnostik der pulmonalen Tuberkulose sein kann. Beim FMS wird die DNA des Tuberkuloseerregers Mycobacterium tuberculosis direkt aus der Atemluft von Patient:innen gewonnen. Hierzu tragen die Patient:innen spezielle Masken, in denen ausgeatmete Erregerpartikel aufgefangen werden.

    In der Studie mit 117 erwachsenen Patient:innen mit vermuteter oder bestätigter Lungentuberkulose konnten die Forschenden bei knapp 60 Prozent der Teilnehmenden die DNA von M. tuberculosis in den Masken nachweisen. Bei rund sechs Prozent der Patient:innen war der molekulare Erregernachweis sogar ausschließlich mittels FMS möglich – während der etablierte und bislang als diagnostischer Standard geltende molekulargenetische Nachweis aus dem Sputum (Auswurf) negativ blieb.

    Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler:innen im Fachjournal Clinical Microbiology and Infection veröffentlicht. Die Studie entstand in Kooperation mit dem Forschungszentrum Borstel sowie klinischen Partnern in der Republik Moldau und wurde am Chiril Draganiuc Institute of Pneumology in Chișinău durchgeführt.

    Publikation: Dariusz Wölk et al. Non-invasive diagnosis of pulmonary tuberculosis using face mask sampling: A prospective study in adults. Clinical Microbiology and Infection. 2025.
    DOI: https://doi.org/10.1016/j.cmi.2025.12.017
    Kontakt für Rückfragen: Dr. Thomas Theo Brehm, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, t.brehm@uke.de

    Schon moderate Hitze belastet chronisch erkrankte Menschen

    Steigende Temperaturen infolge des Klimawandels beeinträchtigen die Gesundheit besonders von chronisch erkrankten Menschen, die wenig soziale Unterstützung erfahren, wenig zuversichtlich sind, sich selbst helfen zu können, oder Schwierigkeiten haben, sich im Gesundheitssystem zu orientieren – das zeigen die Ergebnisse der zweiten Welle der CLIMATE-II-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Bereits leichte bis moderate Hitze können demnach deutliche gesundheitliche Beschwerden bei Menschen mit chronischen Erkrankungen verursachen – bei sehr warmen Tagen sogar um rund 80 Prozent im Vergleich zu kühleren Temperaturen. Gleichzeitig identifizierten die Forschenden psychosoziale Faktoren, die diese negativen Effekte abschwächen oder verstärken können: Eine gute Gesundheitskompetenz, hohe Selbstwirksamkeit und soziale Unterstützung gingen mit weniger Beschwerden einher. Negative Erwartungen gegenüber Hitze und eine erhöhte Wahrnehmung körperlicher Symptome verstärkten hingegen die gesundheitlichen Auswirkungen. „Kurz gesagt: Der Effekt von Hitze ändert sich, je nachdem, wie gut oder schlecht die psychosoziale Lage der Patient:innen ist“, sagt Studienleiter Priv.-Doz. Dr. Ingmar Schäfer, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin.

    Für die Studie wurden bundesweit 509 Patient:innen mit mindestens einer chronischen Erkrankung befragt und ihre gesundheitlichen Daten ausgewertet. Die Datenerhebung erfolgte in Zusammenarbeit mit 64 hausärztlichen Praxen und wurde mit regionalen Wetterdaten verknüpft. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin BMC Medicine veröffentlicht.

    Publikation: Schäfer et al., Association between psychosocial factors and adverse effects of light-to-moderate ambient heat in patients with chronic diseases: Results of the prospective cohort study CLIMATE-II., BMC Medicine. 2026.
    DOI: https://doi.org/10.1186/s12916-026-04622-4
    Kontakt für Rückfragen: Priv.-Doz. Dr. Ingmar Schäfer, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin

    Regulation super-schneller Signale bei der Aktivierung von T-Lymphocyten aufgeklärt

    Nachdem Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) bereits super-schnelle Signale durch Kalzium-Ionen unterhalb der Plasmamembran von T-Lymphocyten beschreiben konnten, ist ihnen nun die Aufklärung der Regulation von beteiligten Enzymen und Ionenkanälen gelungen. Sie fanden heraus, dass das Schlüsselenzym (DUOX2) durch mehrere unabhängige Prozesse aktiviert wird und so als biologischer Koinzidenzdetektor wirkt. „Der neu identifizierte Signalweg eröffnet vielversprechende Ansätze für neue Therapieverfahren bei Autoimmunerkrankungen“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Dr. Andreas H. Guse, Direktor des Instituts für Biochemie und Molekulare Zellbiologie des UKE. Bei Autoimmunerkrankungen kommt es zu einer fehlgeleiteten Aktivierung verschiedener Immunzellen. Daher hat die genaue molekulare Kenntnis der biochemischen und zellbiologischen Abläufe der Aktivierung dieser Zellen eine große translationale Bedeutung bei der Entwicklung neuer Therapieansätze. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Signaling veröffentlicht. An der Studie waren neben dem UKE auch die Universität Oslo, die Medizinische Universität Innsbruck, die Universität Hamburg, die Universität Bonn, die Université libre de Bruxelles, die Ludwig-Maximilians-Universität München, sowie die Universität Göttingen beteiligt. Sie wurde durch den vom UKE geleiteten Sonderforschungsbereich 1328 zum Thema „Adeninnukleotide in Immunität und Entzündung“ gefördert.

    Publikation: Kai J. Winterberg et al. Multiple signaling events are required for NAADP synthesis by DUOX2 and formation of Ca2+ microdomains to initiate T cell activation. Science Signal. 2026.
    DOI: https://doi.org/10.1126/scisignal.adp4326
    Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Dr. Andreas H. Guse, Institut für für Biochemie und Molekulare Zellbiologie

    Förderung für Verbundprojekt CONtraCEPT zur Verbesserung von Zyklus-Apps

    Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert von Februar 2026 an den interdisziplinären wissenschaftlichen Verbund CONtraCEPT unter Beteiligung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) über einen Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt 2,8 Millionen Euro. Von der Förderung gehen rund 520.000 Euro an die Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE. Ziel des Verbundes ist es, Biomarker zu identifizieren und diese in digitale Technologien zur Bestimmung des fruchtbaren Fensters im weiblichen Zyklus zu integrieren, um die Möglichkeiten einer natürlichen Familienplanung zu optimieren. Hintergrund ist, dass der Einsatz von hormonellen Verhütungsmitteln wie der „Pille“ in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig zurückgegangen ist und Frauen zunehmend auf digitale Technologien wie Zyklus-Apps zurückgreifen, die jedoch häufig nicht präzise genug für eine zuverlässige Verhütung oder Familienplanung sind . In der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE werden die präklinischen Studien des Forschungsprojekts verantwortet. Daneben sind Wissenschaftler:innen der Medizinischen Fakultäten in Heidelberg, Düsseldorf und Jena an dem Verbund beteiligt; die Sprecherschaft liegt an der Universität Heidelberg.

    Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Petra Arck, Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin

    UKE-Neurologe erhält Barancik Prize der National Multiple Sclerosis Society

    Der Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Prof. Dr. Manuel Friese, wurde mit dem Barancik Prize der National Multiple Sclerosis Society ausgezeichnet. Der Preis ist mit 125.000 US-Dollar prämiert; zusätzlich wird erstmalig ein Stipendium in Höhe von 250.000 US-Dollar vergeben, mit dem Prof. Friese einen UKE-Forschenden am Anfang seiner Karriere unterstützen kann. Der Preis würdigt herausragende Wissenschaftler:innen, deren Arbeit in der Multiple Sklerose-Forschung sich durch außergewöhnliche Innovation und Originalität auszeichnet. Prof. Friese wurde für seine Arbeit zur Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Entzündungen und dem Untergang von Nervenzellen (auch als Neurodegeneration bezeichnet) geehrt, die das Fortschreiten der MS vorantreiben. Seine Arbeit hat laut Jury das Potenzial, neue therapeutische Ansatzpunkte für die progrediente MS zu identifizieren.

    Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Manuel Friese, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose

    Else Kröner-Fresenius-Stiftung verlängert Förderung für UKE-Nachwuchsprogramm „iPrime-Clinical Scientist“

    Das Nachwuchsprogramm „iPrime-Clinical Scientist“ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) wird von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung für weitere drei Jahre mit insgesamt 1,3 Millionen Euro gefördert. Der wissenschaftliche Fokus von iPRIME-CS liegt auf dem molekularen Verständnis von Immunregulation und -fehlregulation bei Nierenerkrankungen und Autoimmunerkrankungen. Das Ziel ist die Entwicklung neuer präventiver, diagnostischer und therapeutischer Anwendungen. Das Kolleg ist interdisziplinär angelegt und bindet international führende UKE-Expert:innen für verschiedene Organsysteme ein. Die Forschenden werden in ihren einzelnen Projekten überschießende Immunreaktionen, Infektionen und resultierende Gewebeantworten in diesen unterschiedlichen Systemen charakterisieren und vergleichend analysieren. Das iPrime-Clinical Scientist-Programm komplettiert das iPrime-Programm für Medizinstudierende (iPrime-MD) und Medical Scientists (iPrime-PhD) zu einem thematisch eng verknüpften Ausbildungscluster, der in Deutschland einmalig ist.

    Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Tobias Huber und Prof. Dr. Ulf Panzer, beide III. Medizinische Klinik und Poliklinik


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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