idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
27.01.2026 10:51

Wie Defekte Magnete noch effizienter machen können/TU-Forschende an Publikation in „Nature Communications“ beteiligt

Bettina Bastian Science Communication Centre - Abteilung Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

    Ein internationales Forschungsteam innerhalb des DFG-Sonderforschungsbereichs SFB/TRR 270 „HoMMage“ hat in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ neue Erkenntnisse über effizientere Permanentmagnete veröffentlicht.

    Seltenerdmagnete sind für Hochleistungs-Elektromotoren in Fahrzeugen, Drohnen und Zügen unverzichtbar und bilden das Rückgrat einer modernen, umweltfreundlichen Mobilität. Es handelt sich dabei nicht um einfache Metallblöcke, sondern um sorgfältig konzipierte Materialien mit einer komplexen inneren Nanostruktur, die aus winzigen Bausteinen, sogenannten Phasen, besteht. Jede Phase besitzt ihre eigene Kristallstruktur, Chemie und physikalische Beschaffenheit. Stärke und Stabilität der Magnete werden letztlich dadurch bestimmt, wie sich die Magnetisierung an den Grenzflächen dieser winzigen Bausteine verhält und dort entmagnetisierenden Kräften widersteht. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Effizienz und Zuverlässigkeit der Elektromotoren.
    Mit der Kombination fortschrittlicher magnetischer Messungen, verschiedener Mikroskopieverfahren und mikromagnetischer Simulationen untersuchten die Forschenden einen leistungsstarken Samarium-Kobalt-Magneten, Sm₂(Co,Fe,Cu,Zr)₁₇, der für seine hervorragende thermische und chemische Stabilität bekannt ist. Moderne Bildgebungsverfahren machten einzelne Atome sichtbar und konnten zeigen, dass Magnete mit hoher und mittlerer Leistung zwar strukturell ähnlich aussehen können, sich jedoch im Nanobereich in ihrer chemischen Zusammensetzung stark unterscheiden.
    Eine zentrale Entdeckung war, dass die stärksten Magnete an der Grenze einer kritischen inneren Phase eine ultradünne, kupferreiche Schicht – nur ein bis zwei Atome dick – aufweisen. Diese atomare Struktur wirkt wie eine effektive Verankerungsbarriere, unterdrückt die Entmagnetisierung und ermöglicht so einen zuverlässigen Betrieb unter extremen Bedingungen.
    Ein weiteres wichtiges Ergebnis betrifft die sogenannte Korngrenze, die in einem Kristall Bereiche mit unterschiedlicher Ausrichtung, aber ansonsten gleicher Kristallstruktur voneinander trennt. Sie galt lange Zeit als Schwachstelle für den Beginn der Entmagnetisierung. Nun stellten die Forschenden des SFB HoMMage jedoch fest, dass Korngrenzen die Magnetleistung nicht wesentlich beeinträchtigen, sondern das eigentliche Potenzial für Leistungssteigerungen in den kristallinen Teilen selbst liegt. Magnete werden demnach stärker und stabiler, wenn ihre innere Nanostruktur auf atomarer Ebene sorgfältig optimiert wird. Selbst kleinste Veränderungen im Aufbau und in der Verteilung können hier die magnetischen Eigenschaften des gesamten Materials signifikant verbessern.
    Beim Vergleich der Laborbeobachtungen mit mikromagnetischen Computermodellen erkannten die Forschenden sogenannte „ideale Defekte”, die für den stabilsten und stärksten Zustand des Magneten verantwortlich sind. Diese theoretischen Erkenntnisse helfen zu erklären, warum einige Bereiche des Magneten eine bessere Leistung erbringen als andere und liefern wertvolle Anhaltspunkte für die Entwicklung noch stärkerer und effizienterer Magnete in der Zukunft, sodass langwierige und kostspielige „Trial-and-Error“-Versuche nicht mehr erforderlich sind.

    Die Studie unterstreicht, wie wichtig die Kombination komplementärer Expertise aus verschiedenen Institutionen und Disziplinen war, um ein umfassendes Verständnis davon zu erlangen, wie Magnete ihre Eigenschaften aus dem Zusammenspiel von Struktur und Zusammensetzung bis hin zur atomaren Ebene beziehen. Diese Arbeit ist das Ergebnis einer engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie unter Beteiligung des Instituts für Materialwissenschaft, Technische Universität Darmstadt; Max-Planck-Institut für nachhaltige Materialien, Düsseldorf; Ernst-Ruska-Zentrum für Mikroskopie und Spektroskopie mit Elektronen, Forschungszentrum Jülich; School of Physics and Astronomy, Universität Glasgow; VACUUMSCHMELZE GmbH & Co. KG, Hanau; Fakultät für Physik und Zentrum für Nanointegration (CENIDE), Universität Duisburg-Essen, Duisburg. Das veröffentlichte Manuskript ist gleichzeitig eine Zusammenfassung eines Pilotprojekts, das im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Transregional (SFB/TRR) 270 durchgeführt wurde.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Dr. Oliver Gutfleisch
    Institut für Materialwissenschaft
    Funktionale Materialien
    oliver.gutfleisch@tu-darmstadt.de
    06151/16-22150


    Originalpublikation:

    S. Giron, N. Polin, E. Adabifiroozjaei, Y. Yang, A. Kovács, T. P. Almeida, D. Ohmer, K. Üstüner, A. Saxena, M. Katter, F. Maccari, I. A. Radulov, C. Freysoldt, R. E. Dunin-Borkowski, M. Farle, K. Durst, H. Zhang, L. Alff, K. Ollefs, B.-X. Xu, O. Gutfleisch, L. Molina-Luna, B. Gault, K. P. Skokov: „Identifying grain boundary and intragranular pinning centres in Sm2(Co,Fe,Cu,Zr)17 permanent magnets to guide performance optimisation“. In: „Nature Communications“ 16, 11335 (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-67773-7


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Energie, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).