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29.01.2026 09:00

BAföG, Stipendien & Co.: Sechs von sieben Studierenden nutzen keine staatlichen Finanzierungsangebote

Jan Thiemann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
CHE Centrum für Hochschulentwicklung

    Staatliche Instrumente der Studienfinanzierung wurden 2024 in Deutschland noch seltener in Anspruch genommen als im Vorjahr. Wie eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt, beziehen rund 85 Prozent der Studierenden kein Geld aus staatlichen Angeboten wie BAföG, Stipendien oder Studienkrediten. Die studentische Erwerbsquote hat deutlich zugenommen, was zu längeren Studienzeiten und höheren Abbruchquoten führen könnte. Das CHE fordert eine grundlegende Reform und Bündelung der staatlichen Förderangebote.

    Staatliche finanzielle Unterstützung erreicht nur wenige

    Im Jahr 2024 erhielten nur maximal 15,1 Prozent der Studierenden in Deutschland finanzielle Unterstützung aus staatlichen Mitteln. Der Anteil der Studierenden, die BAföG, staatliche Stipendien oder Studienkredite nutzen, ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozentpunkte gesunken. Im Ländervergleich weist Thüringen die geringsten Quoten auf – hier finanzieren rund neun von zehn Studierenden ihre akademische Laufbahn aus privaten Mitteln, also durch Unterstützung der Eltern oder eigener Berufstätigkeit.

    Bereits zum dritten Mal stellt das CHE in einem CHECK die Nutzungszahlen aller staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten von Studierenden auf Bundes- und Länderebene zusammen. Quellen für die Zahlen sind unter anderem das Statistische Bundesamt, das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie Selbstauskünfte der Anbieter auf Anfrage des CHE.

    Deutschlandstipendium ist einziges Finanzierungsinstrument mit Wachstum

    Rund 326.000 Studierende erhielten 2024 eine BAföG-Förderung. Das entspricht einem Anteil von rund 11,4 Prozent. Zusätzlich wurden 69.000 Personen (2,4 Prozent) im Rahmen eines Stipendiums wie dem Aufstiegsstipendium, dem Deutschlandstipendium oder einem Stipendium der Begabtenförderungswerke gefördert. Rund 44.000 Studierende (1,4 Prozent) nahmen einen staatlichen Studienkredit in Anspruch. Von allen staatlichen Unterstützungsangeboten für das Studium in Deutschland verzeichnete lediglich das Deutschlandstipendium von 2023 auf 2024 ein minimales Plus.

    „Die staatlichen Studienfinanzierungsinstrumente in Deutschland befinden sich seit Jahren in einer Dauerkrise, was Konzeption, Akzeptanz und Nutzungszahlen angeht. Fast 89 Prozent der Studierenden erreicht das BAföG nicht mehr, aber man hat das Gefühl, die Politik hat sich an die Zahlen schon gewöhnt“, so Ulrich Müller.

    Studienfinanzierung wird Privatsache – immer mehr jobben

    Das Fazit des CHE Experten für Studienfinanzierung lautet: „Die Politik überlässt die Studienfinanzierung zunehmend den Studierenden selbst.“ Entsprechend werde studienbegleitende Berufstätigkeit zum Normalfall, so Müller. Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung zeigte 2025 einen Anstieg der Erwerbsquote von Studierenden im Alter von 20 bis 24 Jahren um 19 Prozentpunkte zwischen 2015 und 2023.

    „Damit nimmt die Politik stillschweigend in Kauf, dass die meisten Studierenden sich nicht voll und ganz aufs Studium konzentrieren können – die Studienorganisation ist aber nicht überall entsprechend flexibel gestaltbar. Es drohen längere Studienzeiten, eine eingeschränkte Fach- und Ortswahl sowie eine Zunahme von Studienabbrüchen“, so der Leiter politische Analysen beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

    Staatliche Studienförderung braucht dringend einen grundlegenden Relaunch

    Im September 2025 hat Bundesministerin Dorothee Bär eine umfassende Reform des BAföG zum Wintersemester 2026/27 sowie ein Kreditangebot mit Zinsbindung angekündigt. Die Details sind noch unklar. Das CHE fordert eine grundlegende Neukonzeption staatlicher Studienfinanzierung: Ein „neues BAföG“ sollte unterschiedliche Eventualitäten, Lebenslagen, Bildungsbiografien und Studienmodelle auffangen und für breite Bevölkerungsschichten eine chancengerechte Beteiligung an Hochschulbildung ermöglichen.

    „Bei der staatlichen Studienförderung in Deutschland ist ein Relaunch mehr als überfällig“, urteilt Ulrich Müller: „Dafür müssen mindestens BAföG, KfW-Studienkredit und Bildungskredit in einer ‚Bundesstudienförderung‘ zu einem umfassenden und in sich flexiblen student funding-System gebündelt werden. Es geht darum, die Stärken der bisher separaten Instrumente beizubehalten, aber endlich ihre verwirrende Vielfalt zu beenden.“

    Über die Publikation

    Der vorliegende CHECK Studienfinanzierung bietet einen schnellen Überblick über die verschiedenen Fördermittel und deren faktische Bedeutung für die Studienfinanzierung in Deutschland und einzelne Bundesländer. Die Publikation verdeutlicht die Auswirkung für Studierende und zeigt alternative Finanzierungsmodelle auf. Für den aktuellen CHECK wurden die aktuellen Daten in Deutschland aus dem Jahr 2024 aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Autor der Publikation „CHECK – Studienfinanzierung in Deutschland – Update 2026“ ist Ulrich Müller.

    Über das CHE Centrum für Hochschulentwicklung

    Das CHE ist ein führender Think Tank für die Hochschullandschaft mit mehr als 30 Jahren Erfahrung. Im deutschen Hochschulsystem ist der Ansatz des CHE einzigartig: Es kombiniert empirische Evidenz, Lösungsentwicklung und Umsetzung unter einem Dach. Der Sitz der gemeinnützigen Einrichtung ist in Gütersloh. Gesellschafter sind die Bertelsmann Stiftung und die Hochschulrektorenkonferenz.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ulrich Müller
    Leiter politische Analysen
    CHE Centrum für Hochschulentwicklung
    Tel. 05241 9761-56
    E-Mail: ulrich.mueller@che.de


    Originalpublikation:

    Müller, Ulrich: CHECK - Studienfinanzierung in Deutschland - Update Januar 2026, Gütersloh, CHE, 2026, 35 Seiten., ISBN 978-3-911128-29-2


    Weitere Informationen:

    https://www.che.de/download/check-studienfinanzierung-2026/ - Link zur Publikation


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsergebnisse, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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