Eine heute veröffentlichte Studie zum Thema CO₂-Entnahme – bei der CO₂ aus der Atmosphäre entnommen und gespeichert wird – zeigt: Der Einsatz von großflächigen landbasierten Methoden wie Aufforstung oder Bioenergie zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung (BECCS) kann Biodiversität durch vermiedene Klimaschäden schützen, könnte aber auch Gebiete betreffen, die für den Schutz der biologischen Vielfalt besonders wichtig sind. Es gilt, die Kriterien für die Standortwahl besser auszuarbeiten.
Die Studie, die in Nature Climate Change veröffentlicht und von Forschenden des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet wurde, analysiert Zukunftsoptionen aus fünf groß angelegten Modellierungsprojekten und berücksichtigt zudem 135.000 Arten und 70 für die biologische Vielfalt besonders wertvolle Regionen, sogenannte Biodiversitäts-Hotspots. Im Ergebnis wird räumlich dargestellt, wo landbasierte CO₂-Entnahme künftig stattfinden könnte.
Der gewählte Ansatz erlaubt eine Risiko-Bewertung. Er zeigt nicht nur die Überschneidungen zwischen Biodiversitäts-Hotspots und Flächen für CO₂-Entnahme, sondern auch, wie CO₂-Entnahme die Biodiversität positiv beeinflussen könnte – über die dadurch vermiedenen Klimaschäden. Die Untersuchung zur Bedeutung der Biodiversität stammt von der Wallace Initiative unter Leitung von Dr. Jeff Price, in Zusammenarbeit mit dem Tyndall Centre for Climate Change Research (University of East Anglia) und der James Cook University in Australien.
In ambitionierten Emissionsszenarien, bei denen der globale Temperaturanstieg bis 2100 – nach vorübergehendem Überschreiten dieses Limits – wieder auf 1,5°C zurückgeht, würden sich die Flächen für CO₂-Entnahme zu bis zu 13 Prozent mit Gebieten hoher Biodiversität überschneiden. Das bedeutet nicht automatisch, dass Biodiversität in solchen Regionen verloren geht. Es hängt vielmehr von der Umsetzung der Entnahmen ab. Allerdings besteht Grund zur Sorge, da manche Arten besonders empfindlich auf menschliche Eingriffe reagieren.
Sorgfältige Standortwahl ist entscheidend
„Angesichts der globalen Erwärmung sollten wir so schnell wie möglich die Emissionen reduzieren, aber zugleich muss die CO₂-Entnahme ausgeweitet werden“, sagte Ruben Prütz, PIK-Forscher und Leitautor der Studie. „Unsere Karten zeigen, dass CO₂-Entnahme Gebiete betreffen könnte, die in einer wärmeren Welt für die Erhaltung der biologischen Vielfalt besonders wichtig sind. Eine sorgfältige Standortwahl ist daher entscheidend, um negative Auswirkungen zu vermeiden.“
Eine intensivere Landnutzung für CO₂-Entnahme könnte zudem im Widerspruch zu international vereinbarten Zielen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt stehen. Das Globale Rahmenwerk für biologische Vielfalt von Kunming-Montreal aus dem Jahr 2022 zielt darauf ab, den Verlust von Gebieten mit hoher Bedeutung für die Biodiversität, einschließlich ökologisch intakter Ökosysteme, bis 2030 nahezu auf null zu reduzieren.
Andere Technologien zur CO₂-Entnahme wie Direktabscheidung aus der Luft und Speicherung könnten eine Alternative zu landbasierten Optionen darstellen und den Wettbewerb um Flächen verringern. Sie befinden sich jedoch noch in frühen Phasen der technologischen Entwicklung und sind derzeit deutlich teurer.
Vorteile für die Biodiversität durch CO₂-Entnahme
Der Risiko-Risiko-Vergleich zeigt auch: Die Temperatur mindernden Effekte der CO₂-Entnahme könnten positive Folgen für die Biodiversität haben. Die wirksame Umsetzung von Wiederaufforstung und BECCS könnte den langfristigen Verlust von Biodiversitätsgebieten durch klimabedingte Faktoren um bis zu 25 Prozent reduzieren, sodass die Entnahme unterm Strich vorteilhaft wäre. Das Forschungsteam betont jedoch: Voraussetzung ist, dass sich die relevanten Ökosysteme von dem vorübergehend überschießenden Temperaturanstieg erholen können, was sehr unsicher ist.
„Wir müssen anerkennen, dass unsere fortgesetzte Nutzung fossiler Brennstoffe uns doppelt schadet“, sagt Ruben Prütz: „Sie setzt uns Extremereignissen und anderen Klimaauswirkungen aus und senkt zugleich die Anzahl der Instrumente, die wir zur Umsetzung von Lösungen haben.“
Gerechtigkeit bei landbasierter CO₂-Entnahme
Die für die CO₂-Entnahme erforderlichen Landnutzungsänderungen verteilen sich zudem ungleich auf die verschiedenen Regionen der Welt. Für auf Wald basierende CO₂-Entnahme werden in den Modellen bis zu 15 Prozent der für die Biodiversität wichtigen Flächen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen vorgesehen – in wohlhabenden Ländern sind es nur an die 7 Prozent.
„Das bedeutet eine größere Last für diejenigen Länder, die historisch deutlich weniger zu den globalen Emissionen beigetragen haben“, sagte Sabine Fuss, PIK-Forscherin und Mitautorin der Studie. „Es unterstreicht auch die Notwendigkeit, dass internationale Finanzmittel für den Schutz der Biodiversität von den reicheren Ländern an diejenigen fließen, die sie zum Schutz des Gemeinwohls dringend benötigen.“
Artikel: Prütz, R., Rogelj, J., Ganti, G., Price, J., Warren, R., Forstenhäusler, N., Wu, Y., Augustynczik, A. L. D., Wögerer, M., Krisztin, T., Havlík, P., Kraxner, F., Frank, S., Hasegawa, M., Doelman, J., Daioglou, V., Humpenöder, F., Popp, A., Fuss, S., (2026): Biodiversity implications of land-intensive carbon dioxide removal. Nature Communications. [DOI: 10.1038/s41558-026-02557-5]
https://doi.org/10.1038/s41558-026-02557-5 - Link zum Artikel
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