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02.02.2026 13:51

Zwei neue BIH-Professuren: Stammzelldynamiken und Mitochondriale Genomik sowie Cellular Programming

Ole Kamm Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)

    Im Februar 2026 treten Dr. Dr. Leif Si-Hun Ludwig und Dr. Daniel Ortmann jeweils eine neue Professur am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) an. Leif S. Ludwig erhält eine Heisenberg-Professur für Stammzelldynamiken und mitochondriale Genomik, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Bereits seit November 2020 leitet er eine gleichnamige Emmy Noether Arbeitsgruppe am BIH und Max Delbrück Center (MDC). Nach der fünfjährigen Förderlaufzeit wird das BIH die Professur verstetigen. Daniel Ortmann tritt eine Professur für Cellular Programming an. Er forscht zu Therapien, die aus Körperzellen hergestellte Stammzellen nutzen, um Organschäden zu reparieren.

    Unser Blut erneuert sich ständig: Millionen neuer Zellen ersetzen jede Sekunde alte Blut- und Immunzellen. Sie entspringen aus hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen im Knochenmark und reifen über mehrere Entwicklungslinien zu roten und weißen Blutkörperchen, Thrombozyten sowie B- und T-Zellen heran. Während wir die Anzahl der Zellen im Blut routinemäßig in der Klinik oder beim Arztbesuch in einer Blutprobe messen können, ist der einzelne Beitrag der vielen tausenden Stammzellen zur Blutproduktion nur schwer abschätzbar.

    Die Beobachtung natürlicher Mutationen in der menschlichen DNA erlaubt fundamentale Einblicke in das Verhalten von Stammzellen, um die Blutbildung aufrecht zu erhalten, oder bei krankhaften Veränderungen. Einzelne Mutationen in unserem Erbgut mit drei Milliarden Basenpaaren zu finden, ist aber trotz modernster Methoden teuer und fehleranfällig.

    Zellkraftwerke verraten den Ursprung der Blutzellen

    Leif S. Ludwig konzentriert sich mit seiner Methode auf natürliche Mutationen im mitochondrialen Genom – einem eigenen, deutlich kleineren DNA-Molekül in den Zellkraftwerken (Mitochondrien). Er kombiniert diesen Ansatz mit modernsten Einzelzell-Sequenzierungstechnologien. Dadurch lassen sich routinemäßig Zehntausende Knochenmarks- und Blutzellen analysieren und die Aktivität blutbildender Stammzellen sichtbar machen. Diese einzelzellbasierte Analyse natürlicher genetischer Variation erlaubt darüber hinaus Aussagen über den Gesundheitszustand einzelner Zellen. Im klinischen Alltag könnte dieses Verfahren künftig helfen, den Erfolg von Stammzelltransplantationen vorherzusagen oder Zellersatz- und Gentherapien gezielt zu verbessern.

    Außerdem interessiert sich Leif S. Ludwig für angeborene krankhafte Mutationen im mitochondrialen Genom, die zu einer Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen des Energiestoffwechsel führen und zahlreiche Organsysteme in Mitleidenschaft ziehen. Obwohl mitochondriale Erkrankungen zu den häufigsten angeborenen genetischen Defekten zählen, sind ihre molekularen Ursachen bislang noch unzureichend verstanden. Leif S. Ludwig erforscht, wie mitochondriale Genvarianten verschiedene Zell- und Stoffwechsel-Phänotypen beeinflussen – mit dem Ziel, die Grundlage für neuartige therapeutische Ansätze zu schaffen. Für diese Arbeiten erhält Leif S. Ludwig jetzt eine Heisenberg-Professur für Stammzelldynamiken und mitochondriale Genomik am BIH, gefördert von der DFG.

    „Das Heisenberg-Programm fördert herausragende Forscherinnen und Forscher. Der Erfolg von Leif S. Ludwig kam für uns daher nicht unerwartet”, sagt Professor Christopher Baum, Vorsitzender des Direktoriums des BIH und Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité. „Seine exzellente Arbeit verknüpft Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Anforderungen. Leif S. Ludwig und sein Team stärken damit das translationale Netzwerk von BIH, Charité und MDC zum Wohle von Patientinnen und Patienten.”

    Biografisches über Leif Ludwig

    Leif Si-Hun Ludwig studierte Biochemie an der Freien Universität Berlin und Humanmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Als Doktorand und Postdoktorand forschte er unter anderem am Whitehead Institute of Biomedical Research und am Broad Institute of MIT and Harvard, beide in Cambridge, USA. Seit November 2020 leitet er eine Emmy Noether-Forschungsgruppe im gemeinsamen Forschungsfokus „Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ des BIH, des MDC-BIMSB und der Charité. Sein Labor ist am MDC-BIMSB angesiedelt. 2021 erhielt Leif S. Ludwig bereits den Hector Research Career Development Award, im Jahr 2023 den Paul-Ehrlich und Ludwig-Darmstädter-Nachwuchspreis und Heinz Maier-Leibnitz Preis. Seit 2024 ist er Mitglied des EMBO Young Investigator Netzwerks.

    Lichtschalter für Gene

    Die Entwicklung aller Körperzellen aus den pluripotenten Stammzellen hielt man fürher für eine Einbahnstraße. Mittlerweile gelang es Forschenden jedoch, solche reifen Körperzellen durch die Einspeisung spezieller Gene wieder in Stammzellen umzuwandeln. Das Resultat sind induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die ein großes Potential für die regenerative Medizin, insbesondere für die Reparatur oder gar den Ersatz geschädigter Organe haben. Der große Vorteil: Mit körpereigenen Zellen von Patient*innen lassen sich Therapien für sie individuell abstimmen.

    Hier setzt auch die Forschung von Dr. Daniel Ortmann am BIH an. Der Stammzellbiologe befasst sich unter anderem mit den Vorläuferzellen des Mesoderms und Endoderms, also dem embryonalen Gewebe, aus dem sich u.a. die Knochen, Muskeln, das Blutkreislaufsystem und die Nieren (Mesoderm) sowie Teile des Verdauungssystems, die Leber, die Schilddrüse, die Bauchspeicheldrüse (Endoderm) entwickeln. Besonders interessiert er sich für Mechanismen, die beeinflussen, in welche Körperzellen sich das frühe Mesoderm und Endoderm ausbilden. Dabei gelang ihm ein entscheidender Fortschritt: Mit seinen Kolleg*innen entwickelte er einen Weg, Gene wie mit einem Lichtschalter gezielt an- oder auszuschalten. Einer dieser hochpräzisen Schalter wurde unter dem Namen OPTi-OX patentiert. Diese Technologie ermöglicht es, Zellen effizienter und in höherer Qualität als bisher in den gewünschten Zieltyp zu programmieren. Sie war unter anderem Ausgangspunkt für die Gründung des Unternehmens bit.bio.

    Ein zentrales Problem der Zelltherapie ist die Reinheit der Produkte: Verbleiben nicht umgewandelte Stammzellen im Präparat, können sie Tumore bilden. Ortmanns jüngste Mitgründung, das Biotech-Unternehmen Plurify, setzt hier an, um mit einer RNA-basierten Technologie diese störenden Zellen zu eliminieren und Therapien effektiver, kostengünstiger und zugänglicher zu machen.

    Nun tritt Daniel Ortmann die BIH-Professur für “Cellular Programming” an. „Mein Ziel ist es, die zelluläre Programmierung so zu perfektionieren, dass wir therapeutische Zelltypen in höchster Qualität und Skalierbarkeit herstellen können. Wir wollen die Biologie der Zelle nicht nur verstehen, sondern sie gezielt so umschreiben, dass wir Krankheiten heilen können. Die klinische Exzellenz der Charité und das translationale Ökosystem des BIH bieten hierfür ein ideales Umfeld”, sagt Daniel Ortmann.

    Biografisches über Daniel Ortmann

    Daniel Ortmann studierte zwischen 2003 und 2008 Molekulare Medizin an der Universität Ulm. Danach wechselte er an die University of Cambridge, wo er zwischen 2009 und 2014 seine Doktorarbeit schrieb und bis 2019 als Postdoc blieb. Von 2019 bis 2023 arbeitete er bei als Senior Scientists, Head of Discovery und Principal Scientist bei bit.bio. Nach einer kurzen Zeit als Founder in Residence zwischen 2023 und 2024 bei Deep Science Ventures, wurde er 2024 Mitgründer von Plurify.


    Weitere Informationen:

    https://www.bihealth.org/de/aktuell/zwei-neue-bih-professuren-stammzelldynamiken...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


     

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