Körperliches Training ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie des Typ-2-Diabetes. Eine neue Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) zeigt, dass das sogenannte Blutflussrestriktionstraining (BFRT) besondere Vorteile bietet. Trotz deutlich geringerer Gewichtsbelastung verbessert es die Muskelkraft ähnlich effektiv wie klassisches Krafttraining. Zudem reduziert BFRT das Bauchfett und erhöht die Durchblutung. Das Risiko für diabetesbedingte Begleiterkrankungen wird so gesenkt. BFRT kann damit eine Alternative zum klassischen Krafttraining für Menschen mit Typ-2-Diabetes sein. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem im renommierten Journal Cell Metabolism publiziert.
Krafttraining stärkt die Muskulatur, verbessert die Blutglukosekontrolle und soll das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Menschen mit geringerer körperlicher Belastbarkeit, altersbedingter Muskelschwäche, geringerer Muskelmasse oder Übergewicht kann ein Training mit hohen Gewichten jedoch schwerfallen. Außerdem unterschätzen viele Menschen, wie viel Gewicht sie tatsächlich brauchen, um Muskeln aufzubauen (etwa 70 Prozent der individuellen Maximalkraft). BFRT setzt genau hier an. Bei dieser Trainingsmethode, die bereits im Reha- und Leistungssport, in der Physiotherapie und in wenigen Fitnessstudios angewendet wird, werden aufblasbare Manschetten an den Oberschenkeln angelegt. Der venöse Blutfluss wird dabei vollständig unterbunden, der arterielle Blutzufluss wird um bis zu 80 Prozent reduziert. Trainiert wird mit Gewichten von nur rund 30 Prozent der individuellen Maximalkraft. Trotz der geringen Gewichte entsteht ein intensiver Trainingsreiz, weil Anpassungsprozesse aktiviert werden, die sonst erst bei deutlich höheren Belastungen auftreten. Wie BFRT bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wirkt, war bisher jedoch kaum bekannt.
BFRT setzt an den Wurzeln von Typ-2-Diabetes an und reduziert viszerales Fettgewebe
In der Studie absolvierten 20 Menschen mit Typ-2-Diabetes, aufgeteilt in zwei Gruppen, über einen Zeitraum von zwölf Wochen dreimal wöchentlich ein Training am Deutschen Diabetes-Zentrum – entweder mit BFRT oder als klassisches Krafttraining. Beide Gruppen steigerten ihre Muskelkraft in ähnlichem Ausmaß. Zudem verbesserten sich Ruhepuls und Blutdruck, auch das Fettgewebe nahm ab; die Teilnehmenden verloren Gewicht. Der entscheidende Unterschied zeigte sich bei der Körperfettverteilung: Klassisches Krafttraining verringerte vor allem das Unterhautfett, BFRT reduzierte hingegen das viszerale Fettgewebe, das die inneren Organe im Bauchraum umgibt. „Viszerales Fett gibt nicht nur Fettsäuren, sondern auch entzündungsfördernde Botenstoffe ins Blut ab“, erklärt Professor Michael Roden, Wissenschaftlicher Direktor und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Das fördert Insulinresistenz, also eine Verschlechterung der Insulinwirkung und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wird dieses Fettgewebe gezielt reduziert, sind besonders günstige Auswirkungen auf die Prävention und Therapie zu erwarten. Dass dies bei BFRT, einer Trainingsform mit niedriger Belastung auftritt, ist ein besonderer Vorteil für Menschen mit Typ-2-Diabetes.“
Mitochondrien werden leistungsfähiger, Durchblutung verbessert sich
BFRT wirkt sich auch auf die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, aus. Durch das Training wurden diese im Muskel zahlreicher und leistungsfähiger. „Mitochondrien entscheiden darüber, wie gut Muskel- und Fettzellen Glukose und Fette verstoffwechseln können. Je leistungsfähiger sie sind, desto besser ist der Stoffwechsel“, erklärt Professor Dominik Pesta vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zusätzlich zeigte die Analyse, dass BFRT Prozesse fördert, die die Neubildung kleiner Blutgefäße im Muskel unterstützt (Angiogenese). Eine bessere Durchblutung erhöht die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff und Nährstoffen – und erleichtert damit sowohl die Glukoseaufnahme als auch die Energieproduktion in den Zellen.
Dr. Nina Trinks, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Diabetologie am DDZ, betont den praktischen Nutzen der Studie: „Viele Teilnehmende haben berichtet, dass sie sich im Alltag kräftiger und belastbarer gefühlt haben. Mehr als die Hälfte hat sich nach Studienende im Fitnessstudio angemeldet, um dort, wenn es die eigene Fitness zulässt, mit regulärem Krafttraining weiterzumachen.“
Infokasten: Blutflussrestriktionstraining – besser als klassisches Krafttraining mit hohen Gewichten?
Was für klassisches Krafttraining spricht:
Krafttraining mit höheren Gewichten ist breit zugänglich und grundsätzlich leicht in den Alltag zu integrieren. Wird mit ausreichend hoher Gewichtsbelastung trainiert, steigert es Muskelkraft- und Muskelmasse, fördert Herz- und Kreislaufgesundheit und hilft beim Abnehmen.
Grenzen von BFRT:
Durch die gezielte Reduktion des Blutflusses werden bei BFRT mit geringer Last Stoffwechselprozesse aktiviert, die sonst erst bei Krafttraining mit hohen Gewichten auftreten. Allerdings ist BFRT derzeit nur begrenzt verfügbar und erfordert spezielles Equipment sowie professionelle Betreuung. Vor Beginn eines BFRT-Trainings sollte grundsätzlich eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Fazit:
Aufgrund der geringen mechanischen Belastung ist BFRT eine Alternative für Menschen mit Typ-2-Diabetes, wenn diese körperlich weniger belastbar sind. Sowohl BFRT als auch klassisches Krafttraining haben spezifische Stärken und können sinnvoll kombiniert werden.
Dr. Nina Trinks
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Diabetologie am DDZ
Titel: Blood-flow restriction resistance training improves skeletal muscle mitochondrial
capacity and cardiovascular risk factors in type 2 diabetes
Journal: Cell Metabolism
Autoren: Trinks, N., Gancheva, S., Pützer-Furmanczak, J. et al.
Doi: https://doi.org/10.1016/j.cmet.2025.12.016
Beim BFRT wird der venöse Blutfluss wird vollständig unterbunden, der arterielle Blutzufluss wird um ...
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Damit die Manschette beim Training nicht verrutscht, muss sie fest sitzen – quasi wie beim Blutdruck ...
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
Deutsch

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