Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) setzt sich schon lange für ein hausärztlich geleitetes Primärversorgungssystem ein. Ein oft gehörtes Gegenargument ist, dass es nicht genügend Hausärztinnen und Hausärzte gebe. Mit einem neuen Positionspapier widerspricht die DEGAM – und erläutert, warum und unter welchen Voraussetzungen genügend personelle Ressourcen vorhanden sind.
Endlich bekommt die Einführung eines Primärversorgungssystems auch in Deutschland politischen Rückenwind. Aus gutem Grund: International liegen seit vielen Jahren gute Belege dafür vor, dass ein Primärversorgungssystem die Versorgung verbessert, Krankenhauseinweisungen reduziert und die Kosten senkt. Im Übrigen gibt es in Deutschland mit der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) bereits ein Modell, das in verschiedenen Bundesländern mit rund 10 Millionen eingeschriebenen Patientinnen und Patienten erfolgreich umgesetzt wird.
In die Debatte über eine hausärztlich zentrierte Versorgung mischen sich aber auch kritische Töne. Zum Beispiel wird immer wieder bezweifelt, dass es nicht ausreichend Hausärztinnen und Hausärzte gebe. Die DEGAM widerspricht: „Es sind genug Hausärztinnen und Hausärzte für ein Primärversorgungssystem vorhanden – unter der Voraussetzung, dass wir unnötige Arbeitsbelastungen reduzieren (schlanke Bürokratie!), dass wir die ärztliche Arbeitszeit für qualitativ hochwertige Versorgung („High Value Care“) nutzen und außerdem klar definierte Aufgaben an andere Gesundheitsberufe abgeben“, erläutert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.
Drei zentrale Aspekte zur Nutzung der Ressourcen
Im neuen Positionspapier zeigt die DEGAM auf, dass diese drei Aspekte zentrale Hebel sind, um mit den vorhandenen personellen Ressourcen auszukommen. Auch konkrete Vorschläge werden vorgestellt.
Die DEGAM fordert zudem eine kritische Auseinandersetzung darüber, dass es aktuell zahlreiche ärztliche Tätigkeiten gibt, die wenig Nutzen für die gesundheitliche Versorgung haben und vergleichsweise viel Zeit binden: „Aktuell verbringen Ärztinnen und Ärzte mit ihren Praxisteams aus wirtschaftlichen und administrativen Gründen zu viel Zeit mit Leistungen, die für Patientinnen und Patienten keinen nachweisbaren Nutzen haben („Low Value Care“), zum Beispiel (zu) viele Konsultationen für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei Infekten, quartalsbezogene Wiedervorstellungen oder umstrittene Präventionsleistungen“, ergänzt Vize-Präsidentin der DEGAM, Prof. Jutta Bleidorn.
Auch beim Thema Übernahme von Tätigkeiten in der Hausarztpraxis sei momentan noch viel Luft nach oben, kommentiert Prof. Marco Roos, ebenfalls Vizepräsident der DEGAM: „Bereits heute wird in der Hausarztpraxis im Team gearbeitet – und mit den neuen akademischen nichtärztlichen Gesundheitsberufen werden uns weitere zusätzliche Kräfte für die hausärztliche Praxis zur Verfügung stehen. Dafür brauchen wir die entsprechenden rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen.“ Die DEGAM fordert daher, über die Vergütung finanzielle Anreize zu setzen, um die Ausführung von Tätigkeiten durch nichtärztliches Fachpersonal zu stärken.
Ein weiterer Aspekt ist der – schon oft beschworene – Abbau von Bürokratie: „Wir müssen die inzwischen unstrittigen Baustellen – umständliche Formulare, wenig effiziente Schnittstellen und unzureichende Digitalisierung – endlich in den Griff bekommen. Auch dadurch wird wertvolle Zeit für die ärztlichen Kernaufgaben frei“, so Eva Hummers abschließend.
Hier kommen Sie zum Positionspapier der DEGAM "Genug Hausärztinnen & Hausärzte? Ja, in einem hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystem!": https://tinyurl.com/yptva4sn
Pressekontakt:
Natascha Hövener
Pressesprecherin
Telefon: 030 – 20 966 98 16
E-Mail: hoevener@degam.de
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsidentin: Prof. Dr. med. Eva Hummers (Göttingen)
http://www.degam.de
Über die DEGAM
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Allgemeinmedizin als anerkannte wissenschaftliche Disziplin zu fördern und sie als Rückgrat der Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Die DEGAM ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, zur Fort- und Weiterbildung sowie zum Qualitätsmanagement. Sie erarbeitet eigene wissenschaftlich fundierte Leitlinien für die hausärztliche Praxis und beteiligt sich auch an interdisziplinären Leitlinien anderer Fachgesellschaften. Die Aktivitäten der Nachwuchsförderung werden überwiegend von der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) realisiert.
Prof. Dr. med. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM
E-Mail: eva.hummers@med.uni-goettingen.de
https://tinyurl.com/yptva4sn - Positionspapier der DEGAM "Genug Hausärztinnen & Hausärzte? Ja, in einem hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystem!"
Übertragen von Leistungen, Konzentration auf ärztliche Kern-Aufgaben und schlanke Bürokratie sind di ...
Quelle: sturti
Copyright: iStock / sturti
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Medizin
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftspolitik
Deutsch

Übertragen von Leistungen, Konzentration auf ärztliche Kern-Aufgaben und schlanke Bürokratie sind di ...
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