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09.02.2026 11:00

Warum nur wenige Planeten für Leben in Frage kommen

Franziska Schmid Hochschulkommunikation
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

    Der richtige Sauerstoffgehalt während der Kernbildung führte dazu, dass im Mantel und in der Kruste der Erde genügend Phosphor und Stickstoff vorhanden waren. Damit ist die Erde ein chemischer Glücksfall im Universum. Sie befindet sich in einer Zone mit idealen chemischen Bedingungen für die Entstehung des Lebens. Bei der Suche nach Leben im Universum sollten Forschende daher nach Sonnensystemen Ausschau halten, die jenem der Erde gleichen. Der Fokus auf Wasser greift zu kurz.

    Damit auf einem Planeten Leben entstehen kann, braucht es gewisse chemische Elemente in ausreichenden Mengen. Auf keinen Fall fehlen dürfen Phosphor und Stickstoff. So ist Phosphor unentbehrlich für den Aufbau der DNA und RNA, die genetische Informationen speichern und übertragen, und für den Energiehaushalt der Zellen. Stickstoff ist unter anderem ein unverzichtbarer Bestandteil von Proteinen, die für den Aufbau, die Struktur und die Funktion von Zellen essenziell sind. Ohne diese beiden Elemente kann sich aus lebloser Materie kein Leben entwickeln.

    Eine Studie unter der Leitung von Craig Walton, Postdoc am Centre for Origin and Prevalence of Life der ETH Zürich, und ETH-Professorin Maria Schönbächler zeigt nun, dass sich bereits während der Bildung des Planetenkerns entscheidet, ob genügend Phosphor und Stickstoff vorhanden sind. «Entscheidend während der Kernbildung ist, dass es genau die richtige Menge an Sauerstoff gibt, damit Phosphor und Stickstoff auf der Planetenoberfläche bleiben», erklärt Walton, der Erstautor der Studie. Auf der Erde war genau dies vor etwa 4,6 Milliarden Jahren der Fall – was sie zu einem chemischen Glücksfall im Universum macht. Diese Erkenntnis könnte die Suche nach Leben im Universum verändern.

    Kernbildung als kosmisches Roulette

    Wenn sich Planeten formen, bestehen sie zunächst aus geschmolzenem Gestein. In dieser Phase findet ein Sortierprozess statt: Schwere Metalle wie Eisen sinken in die Tiefe und bilden den Kern, während aus den leichteren Gesteinen der Mantel und später die Kruste wird.

    Ist während der Kernbildung zu wenig Sauerstoff vorhanden, verbindet sich Phosphor mit schweren Metallen wie Eisen und wandert in den Kern. Damit geht das Element für die Entstehung von Leben verloren. Gibt es während der Kernbildung hingegen zu viel Sauerstoff, bleibt der Phosphor zwar im Mantel, doch Stickstoff entweicht leichter in die Atmosphäre und kann so ganz verloren gehen.

    Chemische Goldlöckchenzone

    Walton und seine Ko-Autorinnen konnten in zahlreichen Modellierungen zeigen, dass nur in einem erstaunlich schmalen Bereich mittlerer Sauerstoffverhältnisse – einer sogenannten chemischen Goldlöckchenzone – sowohl Phosphor als auch Stickstoff in ausreichender Menge im Mantel verbleiben.

    «Unsere Modelle machen deutlich, dass die Erde genau in diesem Bereich liegt. Hätten wir während der Kernbildung der Erde nur ein klein wenig mehr oder weniger Sauerstoff gehabt, wäre nicht genug Phosphor und Stickstoff für die Entstehung des Lebens vorhanden gewesen», sagt Walton.

    Die Forschenden weisen zudem nach, dass bei der Bildung anderer Planeten wie dem Mars der Sauerstoffgehalt ausserhalb dieser Goldlöckchenzone lag und daher in ihrem Mantel nicht genügend Phosphor und Stickstoff verfügbar sind.

    Neue Kriterien für die Suche nach Leben

    Die neuen Erkenntnisse könnten verändern, wonach Forschende Ausschau halten, wenn sie nach Leben im Universum suchen. Bislang lag der Fokus vor allem auf der Frage, ob ein Planet über Wasser verfügt. Gemäss Walton und Schönbächler greift dies jedoch zu kurz.

    Denn die verfügbare Menge an Sauerstoff während der Entstehung eines Planeten kann dazu führen, dass viele Planeten von Anfang an chemisch ungeeignet sind, um Leben hervorzubringen, selbst wenn sie Wasser haben und von aussen betrachtet lebensfreundlich wirken.

    Die Suche nach ähnlichen Sonnensystemen im Universum

    Diese chemischen Grundvoraussetzungen für Leben können Astronomen indirekt messen, wenn sie mit grossen Teleskopen fremde Sonnensysteme beobachten. Denn wie viel Sauerstoff in einem Sonnensystem für die Entstehung von Planeten vorhanden ist, hängt von der chemischen Zusammensetzung ihres Zentralsterns ab. Denn dieser prägt mit seinem chemischen Fingerabdruck das gesamte ihn umgebende Planetensystem, da Planeten sich vor allem aus dem Material zusammensetzen, aus dem auch der zentrale Stern besteht.

    Sonnensysteme, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung stark von unserem unterscheiden, sind daher keine guten Orte, um nach Leben im Universum zu suchen. «Damit wird die Suche nach Leben auf anderen Planeten viel spezifischer. Wir sollten daher nach Sonnensystemen suchen, die unserer Sonne ähnlich sind», sagt Walton.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Craig Robert Walton, ETH Zürich, craig.walton(at)eaps.ethz.ch, +44 7940 063 423


    Originalpublikation:

    Walton CR, Rogers LK, Bonsor A, Spaargaren R, Shorttle O, Schönbächler M: The chemical habitability of Earth and rocky planets prescribed by core formation, Nature Astronomy, 9. Februar 2026, DOI: 10.1038/s41550-026-02775-z


    Weitere Informationen:

    https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2026/02/warum-nur-weni...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Chemie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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