In der Entwicklung wasserbasierter Materialien steht die Wissenschaft oft vor einer Herausforderung: Das Wasser stört die Bindungen zwischen den Molekülen. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Alex J. Plajer von der Universität Bayreuth hat nun jedoch ein Material entwickelt, das Wasser als aktiven und strukturellen Baustein enthält. Dieses Material ordnet sich in Wasser selbstständig zu Nanofasern und bildet Hydrogele, die in ihren Eigenschaften gesteuert werden können. Damit zeigt die Studie, dass Wasser kein reiner Störfaktor sein muss, sondern als gezieltes chemisches Designelement genutzt werden kann.
Das Team um Prof. Dr. Alex J. Plajer an der Universität Bayreuth hat in enger Zusammenarbeit mit Forschenden der Freien Universität Berlin ein neuartiges Molekül mit flacher Geometrie hergestellt, das den bisherigen Umgang mit Wasser in der Chemie grundlegend umkehrt. „Wir haben die Bausteine unserer Materialien so entworfen, dass sie spezielle Bindungsstellen besitzen, die wie eingebaute Steckplätze für Wassermoleküle funktionieren“, erklärt Prof. Plajer. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Wassermoleküle an diesen „Steckplätzen“ die Bausteine miteinander verbinden und so das Material physisch zusammenhalten sowie dessen Form und Funktion bestimmen.
„Das ist besonders bemerkenswert, da Wasser künstliche Strukturen dieser Art häufig destabilisiert. Unser neues Material hingegen könnte ohne die Wassermoleküle in dieser Form gar nicht existieren. Anstatt das Wasser von den strukturgebenden Bausteinen fernhalten zu müssen, haben wir es gezielt als strukturellen Baustein in die Struktur integriert“, erklärt Merlin R. Stühler, Erstautor der Studie und Doktorand von Alex Plajer. Werden die Bausteine in reines Wasser gegeben, ordnen sie sich selbstständig zu langen, röhrenförmigen Nanofasern an. So entstehen Hydrogele, die je nach Temperatur weicher oder fester werden und sich gezielt abbauen lassen.
Die besondere Struktur der Nanofasern konnte am Forschungszentrum für Elektronenmikroskopie (FZEM) der Freien Universität Berlin aufgeklärt werden. „Wir nutzten die Single-Particle-Analyse, eine Methode, die bisher vor allem in der Biologie zur Untersuchung von Proteinen und Viren eingesetzt wurde, um die Struktur der Fasern mit herausragender Präzision zu entschlüsseln“, erklärt Prof. Plajer. „Diese Methode hat es uns ermöglicht, die genaue Anordnung der Moleküle zu visualisieren und zu verstehen, wie sie zusammenwirken, um die einzigartigen Eigenschaften des Materials zu erzeugen.“
Die eingeschlossenen Wassermoleküle ermöglichen zudem die Übertragung von Information innerhalb der Struktur: Treffen die Nanofasern auf andere Moleküle, die eine bestimmte räumliche Ausrichtung haben, wie etwa natürlich vorkommende Aminosäuren, kann das Material diese Ausrichtung erkennen und übernimmt sie. So verdrehen sich die Nanofasern gezielt passend zu ihrer Umgebung. „Auf lange Sicht könnte unser Material aufgrund dieser Eigenschaften als biologischer Sensor oder in medizinischen Anwendungen Verwendung finden. Unsere Studie zeigt somit, dass Wasser in der Entwicklung wasserbasierter Materialien nicht nur stört, sondern gezielt Strukturen aufbaut, stabilisiert und ihnen Funktion verleiht“, schließt Plajer.
Prof. Dr. Alex Plajer
Juniorprofessor für Makromolekulare Chemie
Universität Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 / 55-3296
E-Mail: alex.plajer@uni-bayreuth.de
Originalpublikation: Merlin R. Stühler, Hesam Makki, Tarek Hilal, Debsena Chakraboty, Mathias Dimde, Kai Ludwig, Rainer Haag, Sabine Rosenfeldt, Dorothee Silbernagl, Andreas Schäfer, Alex J. Plajer. „Hydrogelation via Supramolecular Copolymerisation of Structural Water within Adaptive Metal–Organic Fibers“. Advanced Materials (2026)
DOI: https://doi.org/10.1002/adma.202519933
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Chemie
überregional
Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).