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11.02.2026 11:32

Politischer Rückenwind für Wasserstoff-Reaktoren aus dem 3D-Drucker

Petra Nolis M.A. Marketing & Kommunikation
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

    Staatssekretär Matthias Hauer überreicht einen Förderbescheid für das Projekt
    InnoWaerm am Fraunhofer ILT. Das vom Bundesministerium für Forschung,
    Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit rund 1,5 Millionen Euro geförderte
    Vorhaben entwickelt hochtemperaturbeständige Leichtbau-Reaktoren aus
    Titanaluminid, die sich mithilfe additiver Fertigung herstellen lassen. Sie sollen
    einmal Wasserstoff direkt an Bord von Flugzeugen, Landmaschinen oder
    Schwerlastfahrzeugen erzeugen.

    Am 10. Februar 2026 überreichte der Parlamentarische Staatssekretär bei der
    Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Matthias Hauer
    am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen persönlich den Förderbescheid für
    das Projekt InnoWaerm an Projektleiter Andreas Vogelpoth und sein Team.

    »Mit der Hightech Agenda Deutschland setzen wir klare forschungs- und
    wirtschaftspolitische Impulse für den Innovationsstandort Deutschland. Ziel ist es,
    wissenschaftliche Exzellenz systematisch in marktfähige Technologien und
    gesellschaftliche Anwendungen zu überführen«, sagte Matthias Hauer. »Das BMFTR-Programm für die Validierungsförderung VIP+ schafft dafür eine verlässliche Brücke
    zwischen Forschung und Wertschöpfung – und das themen- und verwertungsoffen.
    Das VIP+-Förderprojekt InnoWaerm zeigt das eindrucksvoll und wird mit seinem
    innovativen Fertigungsverfahren einen wichtigen Beitrag zu einer wettbewerbsfähigen
    und nachhaltigen Mobilität der Zukunft leisten. Ich wünsche dem Projektteam
    größtmöglichen Erfolg.«

    Neben Vertretenden des Ministeriums nahmen auch Forschende beider beteiligten
    Fraunhofer-Institute ILT und IMM an der Veranstaltung teil. Für das Fraunhofer ILT
    waren unter anderem Institutsleiter Dr. Jochen Stollenwerk, Dr. Tim Lantzsch,
    Abteilungsleiter Laser Powder Bed Fusion (LPBF), sowie Alexander Neuke anwesend,
    der künftig die wissenschaftliche Leitung des Projekts übernimmt.

    »Mit InnoWaerm entwickeln wir eine Lösung, um Wasserstoff kompakt, leicht und
    robust für mobile Schwerlastanwendungen nutzbar zu machen. Mit unserer
    Technologie schaffen wir die Grundlage für klimaneutrale Antriebe für Flugzeuge und
    große landwirtschaftliche Maschinen, wo Batterien an ihre Grenzen stoßen«,
    verdeutlicht Andreas Vogelpoth.

    Anschließend besichtigte die Delegation das Labor, in dem das Projektteam die
    neuartigen Leichtbau-Wärmetauscher und Reaktoren entwickelt.
    Dr. Gunther Kolb vertrat das Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme
    IMM aus Mainz, bei dem er stellvertretender Institutsleiter und Bereichsleiter für
    dezentrale Wasserstofftechnik ist. Das Treffen bot Gelegenheit für einen direkten
    Austausch über die technologischen Herausforderungen, die Chancen der additiven
    Fertigung und die nächsten Schritte auf dem Weg zur industriellen Umsetzung.

    Das Fraunhofer ILT in Aachen koordiniert das Vorhaben; die Projektlaufzeit beträgt 24
    Monate. Das Fraunhofer IMM bringt seine langjährige Erfahrung im Bereich kompakter
    Reaktorsysteme für die Wasserstofferzeugung ein. Beide Institute arbeiten eng
    zusammen, um die neue Fertigungstechnologie mit konkreten
    Anwendungsanforderungen aus der Energie- und Mobilitätsforschung zu verknüpfen.

    »Mit unserer langjährigen Erfahrung in der Wasserstofftechnik bringen wir die
    Perspektive der Systemintegration bei InnoWaerm ein, vom chemischen Prozess im
    Mikroreaktor bis zur Anwendung«, erläutert Gunther Kolb.

    Leicht, hitzebeständig, frei formbar

    Ziel von InnoWaerm ist die Entwicklung hochtemperaturbeständiger LeichtbauWärmeübertrager und Reaktoren für mobile Anwendungen etwa in schweren
    Nutzfahrzeugen oder der Luftfahrt. Dabei geht es nicht nur um klassische
    Wärmetauscher zur effizienten Energienutzung, sondern auch um sogenannte
    Mikroreaktoren, um aus Flüssigkeiten wie Methanol oder Ammoniak direkt Wasserstoff
    zu erzeugen, der dann zum Antrieb genutzt werden kann.

    Die Forschenden verwenden Titanaluminid, eine extrem leichte, hitzebeständige und
    korrosionsresistente Legierung, die sie additiv verarbeiten. Das eingesetzte 3D-Druckverfahren LPBF wurde am Fraunhofer ILT gezielt weiterentwickelt, um die bislang
    problematische Verarbeitung des besonders spröden Titanaluminids zu ermöglichen.

    »Titanaluminid zählt zu den intermetallischen Phasen. Es verbindet Eigenschaften
    metallischer und keramischer Werkstoffe. Die ungewöhnliche Legierung ist extrem
    leicht, hitzebeständig, aber auch spröde und schwer zu verarbeiten«, erklärt
    Vogelpoth. »Deshalb war es bisher kaum für komplexe Bauteile einsetzbar. Mit unserer
    neuen Vorwärmtechnik im Laserschmelzprozess können wir das jetzt ändern. So wird
    es möglich, mikrostrukturierte Reaktoren herzustellen, die leicht genug für den Einsatz
    in mobilen Anwendungen sind, vom Flugzeug bis zur Landmaschine.«

    Titanaluminid konnte bisher nur sehr aufwendig verarbeitet werden beispielsweise mit
    Elektronenstrahlschmelzen oder Guss. Durch die additive Fertigung lassen sich nun
    exakte Geometrien fertigen und an thermische sowie strömungstechnische
    Anforderungen anpassen. »Was wir zeigen wollen: Es geht. Es ist machbar. Und es
    lohnt sich«, fasst Vogelpoth zusammen.

    Gemeinsam mit dem Fraunhofer IMM integrieren die Projektpartner die additiv
    gefertigten Bauteile in mobile Reaktoreinheiten in Kombination mit Brennstoffzellen
    und verbinden dabei geringes Gewicht mit hoher Temperaturbeständigkeit.

    Reaktoren für die Reichweite

    Im Mittelpunkt des Projekts steht die Luftfahrt: Dort zählt jedes Kilogramm und
    gleichzeitig steigen die Anforderungen an emissionsfreie Antriebe. Die im Projekt
    entwickelten Reaktormodule sollen direkt an Bord Wasserstoff erzeugen, indem sie
    flüssige Trägerstoffe umwandeln. Das vermeidet aufwendige Tanklösungen mit
    gasförmigem Wasserstoff und schafft neue Spielräume für Reichweite und Sicherheit.

    Die Technologie eignet sich besonders für hybride Antriebssysteme, bei denen
    Brennstoffzellen im Zusammenspiel mit chemischen Energieträgern eine flexible und
    emissionsarme Energieversorgung ermöglichen. Auch für andere mobile Anwendungen
    mit hohen Belastungen, etwa landwirtschaftliche Maschinen oder Nutzfahrzeuge,
    bietet das Konzept große Vorteile. Die Kombination aus geringem Gewicht, hoher
    Temperaturbeständigkeit und kompakter Bauform ist besonders dort relevant, wo der
    verfügbare Bauraum knapp und die Anforderungen an Effizienz hoch sind.

    In der nächsten Projektphase liegt der Fokus auf der Validierung unter realen
    Einsatzbedingungen. Das Projektteam plant, die Herstellbarkeit im industriellen
    Maßstab zu demonstrieren und das Potenzial der neuen Fertigungstechnologie für
    klimaneutrale Antriebssysteme in der Luftfahrt zu zeigen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Fachlicher Kontakt

    Andreas Vogelpoth M. Sc.
    Gruppe Process & Systems Engineering
    Telefon +49 241 8906-356
    andreas.vogelpoth@ilt.fraunhofer.de

    Niklas Prätzsch M. Sc.
    Gruppenleiter Process & Systems Engineering
    Telefon +49 241 8906-8174
    niklas.praetzsch@ilt.fraunhofer.de

    Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT
    Steinbachstraße 15
    52074 Aachen
    www.ilt.fraunhofer.de


    Weitere Informationen:

    https://www.ilt.fraunhofer.de


    Bilder

    InnoWaerm verbindet neuartige Werkstoffe mit anwendungsnaher Forschung und leistet einen wichtigen Beitrag zur klimaneutralen Mobilität der Zukunft.
    InnoWaerm verbindet neuartige Werkstoffe mit anwendungsnaher Forschung und leistet einen wichtigen B ...

    Copyright: © Fraunhofer ILT, Aachen.

    Dr. Gunther Kolb, Geschäftsbereichsleiter Dezentrale und Mobile Wasserstofftechnik am Fraunhofer IMM (li.), Parlamentarischer Staatssekretär Matthias Hauer (BMFTR) und Andreas Vogelpoth, Projektleiter InnoWaerm am Fraunhofer ILT.
    Dr. Gunther Kolb, Geschäftsbereichsleiter Dezentrale und Mobile Wasserstofftechnik am Fraunhofer IMM ...
    Quelle: Andreas Steindl
    Copyright: © Fraunhofer ILT, Aachen / Andreas Steindl.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Chemie, Energie, Maschinenbau, Umwelt / Ökologie, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

    InnoWaerm verbindet neuartige Werkstoffe mit anwendungsnaher Forschung und leistet einen wichtigen Beitrag zur klimaneutralen Mobilität der Zukunft.


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    Dr. Gunther Kolb, Geschäftsbereichsleiter Dezentrale und Mobile Wasserstofftechnik am Fraunhofer IMM (li.), Parlamentarischer Staatssekretär Matthias Hauer (BMFTR) und Andreas Vogelpoth, Projektleiter InnoWaerm am Fraunhofer ILT.


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