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16.02.2026 12:09

Wasserbau als interdisziplinäre Systemwissenschaft

Johanna Helbing Kommunikation/ Pressestelle
Technische Hochschule Lübeck

    „Wasser ist multidirektional, es kommt meist von mehreren Seiten“, sagt Edgar Nehlsen in seiner Antrittsvorlesung. Der Professor für Naturnahen Wasserbau an der TH Lübeck zeigt anschaulich, vor welch großen Herausforderungen speziell Norddeutschland steht – und an welchen Lösungsvorschlägen die Hochschule für Angewandte Wissenschaften arbeitet.

    „Der Meeresspiegel wird steigen. Wir werden häufiger Dürresommer, erleben. Wir werden häufiger mit Starkregen umgehen. Hochwasserschutz wird für küstennahe Städte wie Lübeck immer wichtiger werden.“ Diese Einschätzungen sind bei Prof. Edgar Nehlsen kein Alarmismus, sondern Realismus – und der Startschuss zur Tat. Der 44-jährige ist der erste Wasserbau-Professor in Deutschland mit dem Schwerpunkt „naturnah“ in der Denomination. Zusammen mit vielen Kolleg*innen sucht er in der Fachgruppe Angewandte Wasserforschung nach konkreten Lösungswegen für die anstehenden Herausforderungen rund um das Thema Wasser. „Wir denken an der TH Lübeck das Forschungsgebiet Wasserbau als interdisziplinäre Systemwissenschaft“, sagt Nehlsen.

    Kooperation, Interdisziplinarität und viel Austausch

    „Im Rahmen meiner Professur für Naturnahen Wasserbau möchte ich zur modernen Ausbildung des Ingenieurnachwuchses beitragen, nachhaltige und ganzheitliche Lösungen für praktische Fragestellungen des naturnahen Wasserbaus entwickeln und die Einwerbung und Durchführung entsprechender Forschungsaktivitäten vorantreiben“, zählt Nehlsen die Ziele für die nächsten Jahre auf. Neben angewandter Forschung und praxisorientierter Lehre sind seine Werkzeuge vor allem Kooperation, Interdisziplinarität und viel Austausch sowohl in der Lehre als auch in der Forschung.

    Fluss- und Küstenwasserbau, Wasserwirtschaft, Gewässerkunde und Hafenplanung

    Der gebürtige Lübecker Nehlsen studierte Bauingenieurwesen und Umwelttechnik an der TU Hamburg, wurde dann Wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Wasserbau in Hamburg, wo er ab 2014 als Oberingenieur verantwortlich war für diverse Formate in Forschung und Lehre. Seine Promotion bei Prof. Peter Fröhle über die „Wasserbauliche Systemanalyse zur Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels für tidebeeinflusste Nebengewässer“ schloss er 2016 ab. Anschließend war er an der TU Hamburg in der Lehre sowie als leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter in Projekten des Fluss- und Küstenwasserbaus, der Wasserwirtschaft, der Gewässerkunde und der Hafenplanung tätig.

    Anpassungen an die Folgen des Klimawandels

    Durch viele langjährige Kooperationen verfügt er über exzellente Kontakte zur regionalen Wirtschaft, zu Einrichtungen von der kommunalen bis zur Bundeebene sowie zu nationalen und internationalen Forschungspartnern. So arbeitet Nehlsen seit Jahren als Gutachter im Bereich Wasserbau sowie als Referent für Ausbildung beim Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) im Landesverband Schleswig-Holstein. Er ist Mitglied bei der International Association for Hydro-Environment Engineering and Research (IAHR) und der Hafentechnischen Gesellschaft (HTG) e.V.. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich, ist u.a. Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Lübeck-Schönböcken.

    Theoretische Grundlagen durchdringen, praktisch Lösungen erarbeiten

    Nehlsen ist Studiengangsleiter des Bachelor-Studienganges Bauingenieurwesen, sein Leitbild ist geprägt durch eine aktivierende Lehrweise zur bestmöglichen Vermittlung und Vertiefung von Wissen. Die Verzahnung von Lehre und Forschung ist eng: So wird beispielsweise im Modul Hydromechanik im Wasserbaulabor experimentiert, dokumentiert und gerechnet, im Modul Wasserbau anschließend vor Ort - z.B. am Niemarker Landgraben - direkt gemessen, beobachtet und auch die naturnahe Gestaltung geplant. „Ziel ist es, dass Studierende die wasserbaulichen Themen in einen übergeordneten Kontext verorten können und das für das moderne Wasserbauingenieurwesen erforderliche Bewusstsein für interdisziplinäre Ansätze und integriertes Denken verinnerlichen“, so Nehlsen. „Wir brauchen ganzheitliche Lösungen, keine Einzeloptimierung.“

    Ökologie mitdenken: Gewässer in einen naturähnlichen Zustand zurückbringen

    Seine Pläne für die Bereiche Lehre und Forschung drehen sich rund um die Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Hochwasserschutz und Wassermanagement in Flussgebieten und Küstenzonen, Wassermanagement in Niederungsgebieten sowie Hydro- und Morphodynamik naturnaher Gewässer. Nehlsens Ziel ist es, nachhaltige Konzepte und konkrete Lösungsideen für aktuelle wasserbauliche Fragestellungen zu entwickeln.

    „Hierzu ist eine integrierte Betrachtung unbedingt erforderlich, da zeitliche und räumliche Wirkungen im Spannungsfeld unterschiedlicher Nutzungen zu berücksichtigen sind“, so Nehlsen. Zum Glück gab es hier in den letzten Jahren einen Wandel: Bis vor wenigen Jahrzehnten stand unter der Überschrift „Kulturbau“ noch überwiegend der land- und forstwirtschaftliche Nutzen im Vordergrund, gelte es jetzt, das Thema Ökologie immer mitzudenken. So fordert es auch die Wasserrahmenrichtlinie. „Ich bringe Gewässer wieder in einen naturähnlichen Zustand zurück“, sagt er. Und diese Einschätzungen ist kein Optimismus, sondern Realismus.


    Bilder

    Edgar Nehlsen ist Professor für Naturnahen Wasserbau.
    Edgar Nehlsen ist Professor für Naturnahen Wasserbau.

    Copyright: TH Lübeck


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Bauwesen / Architektur, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

    Edgar Nehlsen ist Professor für Naturnahen Wasserbau.


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