Eine neue klinische Studie unter Leitung von Prof. Dr. med. Igor Tsaur, Direktor der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Tübingen, will die operative Behandlung von Männern mit Peniskrebs verbessern. In DEPECA-2 wird geprüft, ob eine roboter-assistierte Entfernung von Lymphknoten in der Leiste ebenso wirksam, aber deutlich schonender ist als das bisherige offene Standardverfahren. Für die bundesweite Studie erhält das Studienteam eine Förderung in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Die Ergebnisse könnten die chirurgische Therapie des Peniskarzinoms grundlegend verändern.
Peniskrebs ist eine seltene, für Betroffene jedoch häufig schwerwiegende Erkrankung. Besonders kritisch wird die Situation, wenn sich der Tumor in die Lymphknoten der Leiste oder des Beckens ausbreitet: Rund ein Drittel der Patienten entwickelt im Krankheitsverlauf solche Metastasen. In diesen Fällen ist die operative Entfernung der Lymphknoten ein zentraler Bestandteil der Therapie – bislang allerdings um den Preis hoher Komplikationsraten. Eine neue bundesweite Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Tübingen will das nun ändern.
Mit der klinischen Studie DEPECA-2 prüfen Ärztinnen und Ärzte an insgesamt neun deutschen Universitätskliniken unter Tübinger Führung, ob eine roboter-assistierte inguinale Lymphknotenentfernung für Patienten schonender ist als das bisherige offene Standardverfahren – bei gleicher Wirksamkeit gegen den Krebs. Für das Projekt erhält das Studienteam eine hochkompetitive Förderung in Höhe von 1,8 Millionen Euro aus dem Programm „NCT Overarching Clinical Translational Trial (OCT2)“.
Hohe Komplikationsraten trotz bewährter Therapie
Die offene inguinale Lymphadenektomie gilt seit vielen Jahren als Goldstandard in der Behandlung von Patienten mit Peniskarzinom und erhöhtem Risiko für oder bestehendem Lymphknotenbefall. Onkologisch ist das Verfahren wirksam, geht jedoch mit einer erheblichen Belastung einher: Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Infektionen, erhöhter Lymphfluss oder Absterben von Hautgewebe treten bei bis zu 50 Prozent der Patienten auf. Häufig sind lange Krankenhausaufenthalte und eine deutlich verlängerte Genesungszeit die Folge.
„Für viele Patienten ist nicht nur der Krebs selbst, sondern auch die Behandlung eine enorme körperliche und psychische Belastung“, sagt Prof. Dr. Igor Tsaur, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Urologie am Universitätsklinikum Tübingen und Leiter der Studie. „Deshalb brauchen wir neue chirurgische Ansätze, die onkologisch sicher sind und gleichzeitig die Komplikationsrate deutlich senken.“
Roboter-assistierte Chirurgie als möglicher Wendepunkt
Moderne, minimal-invasive und roboter-assistierte Operationsverfahren haben sich in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen der Urologie etabliert. Sie ermöglichen ein besonders präzises Arbeiten, kleinere Schnitte und potenziell eine schnellere Erholung der Patienten. Ob diese Vorteile auch bei der operativen Behandlung von Lymphknotenmetastasen beim Peniskarzinom zum Tragen kommen, soll DEPECA-2 nun erstmals systematisch untersuchen.
In der multizentrischen Studie werden zwei Operationsmethoden direkt miteinander verglichen: die roboter-assistierte und die klassische offene inguinale Lymphknotenentfernung. Insgesamt sollen 80 Patienten in neun urologischen Universitätskliniken in Deutschland eingeschlossen werden. Neben der Komplikationsrate werden auch die onkologische Sicherheit, die Lebensqualität der Patienten sowie biologische Marker analysiert, die künftig eine bessere Vorhersage des Krankheitsverlaufs ermöglichen könnten. Der Studienstart ist für Anfang 2026 geplant.
Forschungskontinuität am Standort Tübingen
Mit DEPECA-2 setzt die Klinik für Urologie in Tübingen ihre Forschung zum Peniskarzinom konsequent fort und stellt erneut unter Beweis, wie moderne Roboter-Technologie und eine erstklassige, patientenorientierte Spitzenmedizin Hand in Hand gehen. Bereits zuvor hatte die Tübinger Urologie die deutschlandweite Studie DEPECA-1 in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Institut für Klinische Krebsforschung (IKF) initiiert, die sich mit einer medikamentösen Kombinationstherapie bei fortgeschrittenem, nicht mehr operablem bzw. metastasiertem Peniskrebs befasste. Während DEPECA-1 neue systemische Behandlungsoptionen untersucht, liegt der Fokus von DEPECA-2 nun auf der chirurgischen Therapie früherer Krankheitsstadien. „Beide Studien verfolgen dasselbe übergeordnete Ziel: die Versorgung von Männern mit dieser seltenen, aber aggressiven Krebserkrankung nachhaltig zu verbessern“, so Prof. Tsaur. „DEPECA-2 hat das Potenzial, einen echten Paradigmenwechsel in der operativen Behandlung einzuleiten.“
Sollte sich die roboter-assistierte Methode als gleichwertig wirksam, aber deutlich komplikationsärmer erweisen, könnten die Ergebnisse langfristig Eingang in Leitlinien finden – und die Behandlung von Männern mit Peniskarzinom grundlegend verändern. Die Förderung durch das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) unterstreicht die wissenschaftliche und klinische Bedeutung des Projekts.
Informationen für Studieninteressierte sind auf der Website zu finden: https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/kliniken/urol...
Prof. Dr. Igor Tsaur
Ärztlicher Direktor
Klinik für Urologie
Universitätsklinikum Tübingen
https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/kliniken/urol...
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