Berlin, 18. Februar 2026 · Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) legen Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums vor. Zentrale Verbesserungen sollen nicht weiter aufgeschoben werden.
Nachdem eine politische Entscheidung zur Verankerung der Ziele des Masterplans Medizinstudium 2020 in der Ärztlichen Approbationsordnung an Uneinigkeiten über die Finanzierung und die konkrete Umsetzung gescheitert ist, gibt es aus der Politik seit Monaten keine Bewegung mehr. Der Bedarf, das Medizinstudium weiterzuentwickeln, besteht jedoch fort. Vor diesem Hintergrund veröffentlichen MFT und AWMF Empfehlungen, wie zentrale Masterplanziele auch innerhalb der derzeit geltenden Approbationsordnung umgesetzt werden können.
„Wir können es uns nicht leisten, weitere Jahre auf politische Entscheidungen zu warten. Die veränderte Versorgungsrealität und die gesellschaftlichen Anforderungen lassen dies nicht zu. Wir setzen daher eigene Impulse zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums“, betont Prof. Dr. Kadmon, Präsidentin des MFT. Mit den Empfehlungen können die Medizinischen Fakultäten ihr Curriculum jetzt eigenverantwortlich anpassen. Die Vorschläge ersetzen jedoch keine Reform der Approbationsordnung, mit der für die genannten Ziele eine höhere Verbindlichkeit erreicht und weitere Ziele adressiert werden könnten. Für eine solche Reform wären weiterhin zusätzliche finanzielle Mittel für die Medizinischen Fakultäten erforderlich.
Empfehlungen zur strukturellen Weiterentwicklung
Priorität haben laut MFT und AWMF:
-ein longitudinales Curriculum zum wissenschaftlichen Denken und Handeln einschließlich eines Leistungsnachweises,
-ein erleichterter Zugang zu ambulanten Lehr- und Lernangeboten sowie deren Stärkung (einschließlich der Nutzung bestehender Möglichkeiten in Famulatur und Praktischem Jahr (PJ)),
-die Vermittlung und Prüfung praktischer Kompetenzen, die für Famulatur und PJ relevant sind, z.B. in Form von Parcoursprüfungen,
-verbesserte Lehr- und Lernbedingungen im PJ sowie
-die Weiterentwicklung schriftlicher Staatsexamensprüfungen – einschließlich der Unterstützung der digitalen Transformation und eines bestmöglichen Constructive Alignment, damit Lehre und Prüfungen konsequent zusammenpassen.
Zusätzlich werden neue relevante Themen – wie zum Beispiel Katastrophenmedizin oder Digitalität in der Medizin – im Rahmen der Weiterentwicklung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) integriert. Dieser wird durch die Medizinischen Fakultäten in Zusammenarbeit mit der AWMF entwickelt und durch den MFT koordiniert.
Fortschritt und Versorgung nachhaltig sichern
Aus Sicht der AWMF ist wissenschaftliche Kompetenz eine unverzichtbare Grundlage ärztlichen Handelns. Nur so ließen sich medizinischer Fortschritt, Leitlinienarbeit und qualitativ hochwertige Patientenversorgung nachhaltig sichern. „Wissenschaftliches Denken und Handeln muss daher expliziter als bislang Gegenstand des Studiums sein. Diesbezügliche Kompetenzen sollten noch vor Beginn einer Dissertation in Form einer wissenschaftlichen Projektarbeit nachgewiesen werden“, so Prof. Dr. Treede, Präsident der AWMF.
Mit ihrem gemeinsamen Vorgehen, bei dem sich beratend auch das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) eingebracht haben, senden MFT und AWMF ein deutliches Signal an Politik und Gesellschaft: Eine nachhaltige Weiterentwicklung des Medizinstudiums wird ohne politische Unterstützung nicht möglich sein.
Prof. Rolf-Detlef Treede
Prof. Renate Deinzer
Prof. Julia Weinmann-Menke
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Pädagogik / Bildung
überregional
Studium und Lehre, Wissenschaftspolitik
Deutsch

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