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19.02.2026 14:00

Strahlentherapie: Präzise personalisierte Behandlung durch KI-Planung, adaptive Verfahren und Hybridgeräte

Natalie Otto Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.

    Berlin, 19.02.2026 – In der Strahlentherapie ist technologischer Fortschritt in besonderer Weise auch mit direkten Vorteilen für Patientinnen und Patienten verbunden, denn in den letzten 20 bis 30 Jahren hat jede technologische Neuerung auch signifikante Verbesserungen für Patientinnen und Patienten gebracht, belegt durch randomisierte Studien. Die Dynamik der Innovationen hat sich sogar beschleunigt. Wichtige aktuelle Forschungsthemen und Entwicklungen betreffen folgende Bereiche:

    - Hochpräzise Bestrahlungen und bildgeführte Strahlentherapie
    Durch die immer präziseren Bestrahlungstechniken kann das Tumorgewebe mit deutlich höheren Dosen in kürzerer Zeit bestrahlt werden, wodurch auch früher als strahlenresistent angesehene Tumoren effektiv behandelt werden können, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen an umliegenden Organen zu verursachen (1).

    - KI-assistierte Bestrahlungsplanung
    Die Bestrahlungsplanung ist bisher ein sehr personalintensiver Arbeitsprozess, in den Fachärztinnen und -ärzte (v. a. Definition des Zielvolumens, Konturierung von Risikoorganen) sowie Medizinphysikerinnen und -physiker (Auswahl der Bestrahlungstechnik, Dosisberechnung etc.) gemeinsam involviert sind. Diese Prozesse können vor allem bei häufigen Erkrankungssituationen, für die zahlreiche Standards definiert sind, durch Einsatz von KI erheblich beschleunigt werden. Dadurch können nicht nur individuelle Besonderheiten des Patienten/der Patientin und der Erkrankung noch besser berücksichtigt werden, sondern die höhere Effektivität, bezogen auf den Personaleinsatz, kann zukünftig auch bei steigenden Patientenzahlen in der Onkologie und geringeren Personalressourcen eine wichtige Rolle für die Versorgungssituation spielen (2).

    - Adaptive Strahlentherapie
    Auch bei adaptiver Strahlentherapie wird KI eingesetzt. Moderne Bestrahlungsgeräte können schon seit Jahren Bewegungen des Patienten/der Patientin, z. B. durch Atmung, registrieren und ggf. anpassen. Neu ist, dass auch morphologische Änderungen innerer Organe, z. B. durch von Tag zu Tag geänderten Füllungszustand, registriert und berücksichtigt werden können; solche Änderungen können relevant sein bei der Bestrahlung von Organen mit variablem Füllungszustand (z. B. organerhaltende Behandlung von Harnblasenkarzinomen) oder bei sehr engen Lagebeziehungen lagevariabler Organe zum Zielgebiet (z. B. zur Schonung von Darm und Blase bei der hoch dosierten Bestrahlung von Prostatakrebs). Dazu wird vor jeder Bestrahlungsfraktion die Lage sämtlicher Organe im Zielgebiet oder in der Nähe geprüft und der bereits vorhandene Bestrahlungsplan wird sofort neu berechnet und an die aktuelle Lage der Organe angepasst. Dadurch wird eine bislang unerreichte Personalisierung der Therapie erzielt, die morphologische Veränderungen der Tumorerkrankung in Echtzeit berücksichtigt (3).

    - Biologische Bestrahlungsplanung durch Einsatz metabolischer Bildgebung
    Neue Methoden der Bildgebung liefern nicht nur sehr präzise Informationen über die Lage, sondern auch über das biologische Verhalten von Tumoren im Körperinneren und diese können direkt bei der Bestrahlungsplanung verwendet werden. Ein Beispiel ist die PSMA-PET-gesteuerte Bestrahlung von Prostatakarzinomen, bei der die Strahlendosis in der Prostata moduliert und an die Lage und Konzentration von Tumorzellen angepasst wird, z. B. in der ARO-2020-01-Studie oder der FLAME-Studie (4, 5). Aber diese Informationen können auch zur Deeskalation der Therapie genutzt werden; in einer Studie aus New York war eine Radiochemotherapie mit nur 30 Gy Strahlendosis bei HPV-positiven Oropharynxkarzinomen äquieffektiv wie die sonst üblichen 66 Gy, wenn durch wiederholte PET-Bildgebung während der Strahlentherapie Tumorhypoxie ausgeschlossen wurde (6).

    - Hybridgeräte
    Fast alle modernen Strahlentherapiegeräte sind schon eine Kombination aus Therapie- und Diagnostikgerät (z. B. Linearbeschleuniger und Cone-Beam-Computertomographie). Neu seit einigen Jahren sind MR-Linacs, also die Kombination aus MR-Tomograph und Linearbeschleuniger. Diese Geräte erlauben nicht nur eine bessere Bildgebung vor der Bestrahlung, sondern die Bildregistrierung kann auch während der Bestrahlung weiterlaufen, sodass 4D-Dosisverteilungen erzeugt werden können. Eine interessante Neuentwicklung ist die Kombination aus PET-CT und Linearbeschleuniger: Ein während der Untersuchung detektiertes PET-Signal wird mit einer Latenz von 0,4 Sekunden sofort bestrahlt, sodass als Zukunftsvision Tumoren und Metastasen in einem Arbeitsgang detektiert und sofort ablativ behandelt werden können (7).

    Referenzen:
    1. Willmann J, von Wachter C, Zehnder R et al. Stereotactic Body Radiotherapy Without Systemic Therapy for Oligometastatic Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Netw Open. 2025 Dec 1; 8 (12): e2549685. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.49685
    2. Rühle, A. Künstliche Intelligenz in der Strahlentherapie. Forum2024; 39: 264-268. https://doi.org/10.1007/s12312-024-01353-6
    3. Pressemitteilung des Universitätsklinikums Münster vom 12.09.2024. https://www.ukm.de/aktuelles/neue-aera-personalisierter-tumormedizin-in-der-stra.... Zugriff 06.02.2026
    4. Menne Guricová K, Draulans C, Pos FJ et al. Focal Boost to the Intraprostatic Tumor in External Beam Radiotherapy for Patients With Localized Prostate Cancer: 10-Year Outcomes of the FLAME Trial. J Clin Oncol 2025; 43: 3065-3069
    5. Spohn SKB, Zamboglou C, Bürkle SL et al. Safety and quality of life of PSMA-PET- and MRI-based focal dose escalated radiotherapy for intermediate- and high-risk prostate cancer: Primary endpoint analysis of the bi-centric phase II HypoFocal trial (ARO2020-01). Radiother Oncol 2025; 208: 110883. doi: 10.1016/j.radonc.2025.110883
    6. Lee NY, Sherman EJ, Schöder H et al. Hypoxia-Directed Treatment of Human Papillomavirus-Related Oropharyngeal Carcinoma. J Clin Oncol 2024; 42: 940-950
    7. Vitzthum LK, Surucu M, Gensheimer MF et al. BIOGUIDE-X: A First-in-Human Study of the Performance of Positron Emission Tomography-Guided Radiation Therapy. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2024; 118: 1172-1180

    DEGRO-Pressestelle
    Prof. em. Dr. Jürgen Dunst
    E-Mail: office@degro.org


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
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