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23.02.2026 14:06

Dunkle Materie: Nachweis mithilfe von Zucker? Studie untersucht Saccharose als mögliches Detektormaterial

Barbara Wankerl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Physik

    Die Natur der Dunklen Materie liegt im Verborgenen. Als Kandidaten kommen Teilchen unterschiedlicher Massen in Frage. Seit einiger Zeit suchen Forschende nach sehr leichten Dunkle-Materie-Teilchen, für die neuartige Nachweismethoden entwickelt werden müssen. Eine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Physik hat zum ersten Mal mit Zucker als Detektormaterial experimentiert. Erste Tests verliefen vielversprechend - doch ein Selbstläufer ist der süße Stoff nicht.

    CRESST ist ein Experiment, das für leichte WIMPs (Weakly Interacting Massive Particles) Dunkle-Materie-Teilchen ausgelegt ist. Das Nachweisprinzip basiert auf einem Verhalten, das man von Kugeln beim Billardspiel kennt: Trifft ein Dunkle-Materie-Teilchen auf einen der Atomkerne im Kristall, prallt dieser zurück. Die Energie des Rückstoßes lässt sich als minimaler Temperaturanstieg und als schwaches
    Licht messen.

    Die Vorzüge von Zucker

    Für den Nachweis von leichter Dunkle Materie werden spezielle Detektormaterialien gebraucht, wie Federica Petricca, Wissenschaftlerin am MPP und Sprecherin von CRESST erklärt: „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen geeigneten Materialien. Je leichter deren Atomkerne sind, umso besser. Denn ein sehr leichtes Dunkle-Materie-Teilchen kann einen schweren Atomkern kaum aus der Ruhe bringen, genauso wenig wie eine Murmel, die auf eine Bowlingkugel prallt.“

    Ihre Überlegungen brachten die Wissenschaftler:innen auf ganz normalen Haushaltszucker, Saccharose. „Der Gedanke schien uns zunächst abwegig, denn es gab keinerlei Hinweise auf vorherige Tests“, berichtet Federica Petricca. Dabei ist das Material nahezu perfekt: Kristallzucker besitzt neben Kohlenstoff und Sauerstoff insgesamt 22 Wasserstoffatome. Und mit nur einem Proton ist Wasserstoff das leichteste Element, das es gibt.

    Allerdings wird Dunkle Materie wohl nicht mit Würfelzucker aus dem Supermarkt entdeckt werden. „Da wir für unsere Experimente besonders reine und große Kristalle benötigen, müssen wir sie in einem aufwendigen Verfahren, das mehrere Wochen dauert, selbst züchten“, erläutert Federica Petricca.

    Vielversprechende Ergebnisse

    Die Zuckerstücke wurden mit Temperatur- und Lichtsensoren ausgestattet und einer radioaktiven Quelle ausgesetzt. Am Kristall ließ sich tatsächlich ein Lichtsignal und ein Temperaturanstieg verzeichnen. „Das Ergebnis hat uns selbst überrascht, denn Saccharose bildet einen eher weichen Kristall“, erläutert Federica Petricca. „Günstiger sind Materialien mit einem festen Kristallgitter, da es nach einer Teilchenkollision zu einer größeren Temperaturänderung kommt.“

    Dennoch ist das Team sehr zufrieden mit seinem kreativen, „süßen“ Ansatz: „Wir haben erstmals gezeigt, dass Zucker sich grundsätzlich als Material für den Nachweis Dunkler Materie eignet“, so Federica Petricca. „Allerdings wird sich erst nach vielen weiteren Tests und im Vergleich mit anderen Materialien zeigen, ob ein Detektor aus Saccharose zu realisieren ist.“ Der Zucker muss sich also erst noch bewähren.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Max-Planck-Institut für Physik
    Dr. Federica Petricca
    federica.petricca@mpp.mpg.de
    +49 89 32354-309


    Originalpublikation:

    The SWEET project: probing sugar crystals for direct dark matter searches
    A. Bento, F. Casadei, E. Cipelli, S. Di Lorenzo, F. Dominsky, P. V. Guillaumon, D. Hauff, A. Langenkämper, M. Mancuso, B. Mauri, C. Moore, F. Petricca, F. Pröbst, M. Zanirato
    IEEE Transactions on Applied Superconductivity
    DOI: 10.1109/TASC.2026.3665430, https://ieeexplore.ieee.org/document/11397460


    Weitere Informationen:

    https://www.mpp.mpg.de/forschung/cresst


    Bilder

    Saccharose-Kristalle an einem Nylonfaden. Sie haben sich in einem Reagenzglas mit einer hochkonzentrierten Zuckerlösung gebildet
    Saccharose-Kristalle an einem Nylonfaden. Sie haben sich in einem Reagenzglas mit einer hochkonzentr ...
    Quelle: Beatrice Mauri


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Physik / Astronomie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

    Saccharose-Kristalle an einem Nylonfaden. Sie haben sich in einem Reagenzglas mit einer hochkonzentrierten Zuckerlösung gebildet


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