Wie verändert sich die Biodiversität unter Bayerns Insekten – und warum? Forschende der Uni Würzburg nutzen in einer gemeinsamen Kooperation die Datenbank „Karla.Natur“ des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), um Zukunftstrends zu modellieren.
Insekten sind sehr wichtig für den Menschen. Sie bestäuben Obstbäume und andere Nutzpflanzen, helfen also dabei mit, dass genug Essen auf dem Tisch landet.
Etwa drei Viertel der Pflanzen, die wir anbauen, und mehr als 80 von 100 Wildpflanzen brauchen Insekten, damit sie Früchte tragen. Weltweit ist diese Bestäubung bis zu 577 Milliarden US‑Dollar im Jahr wert. Und das ist nur einer von vielen Gründen, warum die Menschheit das Wohlergehen der Insekten gut im Auge behalten sollte.
Wie hat sich die Verbreitung und die Biodiversität von Insekten in Bayern in den vergangenen Jahren verändert? Wie wird es in der Zukunft um die Insekten bestellt sein? Welche Rolle spielen dabei der Klimawandel und die verschiedenen Formen der Landnutzung? Und was kann der Mensch tun, um die Insekten möglichst gut zu schützen?
Diese zentralen Fragen werden am Lehrstuhl für Global Change Ecology am Biozentrum der Universität Würzburg unter der Leitung von Professor Christian Hof erforscht.
Nutzung der Artendatenbank Karla.Natur
Um die Studien weiter voranzubringen, hat der Lehrstuhl eine Kooperationsvereinbarung mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) getroffen: Im Rahmen der Vereinbarung erhalten die Forschenden Daten zum Vorkommen von Insekten in Bayern und tauschen sich mit den Fachexpertinnen und -experten des LfU aus. Die digitalen Daten der Karla.Natur-Artendatenbank gehen zurück bis ins Jahr 1980 und teils darüber hinaus.
„Die umfangreiche Datenbank des Landesamtes ist für uns ein wahrer Schatz, weil sie uns einen Blick in die Vergangenheit erlaubt“, sagt Professor Hof. „Denn obwohl das sogenannte Insektensterben inzwischen große Aufmerksamkeit in der Fachwelt und teils auch in Medien und Politik genießt, mangelt es an flächendeckenden Daten zur Entwicklung der Insekten-Biodiversität.“
Dem LfU ist der Wert der Daten bewusst. „Verbreitungsdaten von Arten bilden die Basis für den behördlichen Naturschutz, Artenhilfsprogramme oder den Biotopverbund. Allerdings hat unser Datenbestand auch Lücken, die wir durch die neuesten wissenschaftlichen Methoden ausgleichen wollen“, so Ines Langensiepen, Leiterin der Naturschutzabteilung am LfU.
„Dafür brauchen wir eine fundierte statistische Analyse, weil die Daten sehr ungleich über die Jahre und über verschiedene Regionen hinweg gesammelt wurden“, erklärt Professor Hof. Genau diese Unausgewogenheit sei bei solchen Datensammlungen typisch. Wenn man sie nicht mit geeigneten statistischen Methoden ausgleiche, könnten die Ergebnisse leicht ein falsches Bild vermitteln.
Tagfalter, Heuschrecken und Libellen im Fokus
Zunächst geht es den Würzburger Forschenden darum, die vergangene Entwicklung der Biodiversität bei Tagfaltern, Heuschrecken und Libellen besser zu verstehen. Auf dieser Basis können sie dann Modelle erarbeiten, um die zukünftige Entwicklung dieser Insekten unter verschiedenen Szenarien verlässlicher als bisher abzuschätzen.
Besonders Insekten sind sehr klimasensibel. „Uns interessiert vor allem der Blick in die Zukunft. Welche Arten müssen wie gefördert werden, um die Herausforderung der sich ändernden Bedingungen unserer Umwelt zu meistern? Genau da setzt der praktische Naturschutz an,“ sagt Ines Langensiepen.
Doktorand Christian Zehner ist der erste Würzburger Forscher, der von der neuen Kooperation profitiert: In seinem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Promotionsprojekt will er die LfU-Daten unter anderem nutzen, um die Bestandstrends der verschiedenen Insektengruppen in Unterfranken und anderen Regionen des Freistaats zu untersuchen. Auf dieser Basis soll den Ursachen dieser Entwicklungen auf den Grund gegangen werden.
Wärmeliebende Arten entwickeln sich positiv
Christian Hof hat schon in seiner Zeit an der Technischen Universität München (bis 2023) die Biodiversität der Insekten in Bayern im Zusammenhang mit dem Klimawandel erforscht. Damals fand sein Team unter anderem heraus, dass sich wärmeliebende Arten wie die Feuerlibelle, die ursprünglich nur rund um das Mittelmeer vorkam, positiv entwickeln. Auch diese Erkenntnis war Daten des LfU zu verdanken.
Prof. Dr. Christian Hof, Universität Würzburg, christian.hof@uni-wuerzburg.de
https://www.lfu.bayern.de/natur/artendaten/datenmeldung/karla_natur_arteingabe/i... Link zur Datenbank Karla.Natur des Bayerischen Landesamts für Umwelt LfU
Die Biodiversität von Libellen, Tagfaltern und Heuschrecken in Bayern steht vorerst im Zentrum der K ...
Quelle: Christian Hof
Copyright: Christian Hof
Feuerlibellen, hier ein Exemplar auf einem Gelände des Bayerischen Landesamts für Umwelt, profitiere ...
Quelle: Stephanie Millonig
Copyright: Stephanie Millonig
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Biologie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

Die Biodiversität von Libellen, Tagfaltern und Heuschrecken in Bayern steht vorerst im Zentrum der K ...
Quelle: Christian Hof
Copyright: Christian Hof
Feuerlibellen, hier ein Exemplar auf einem Gelände des Bayerischen Landesamts für Umwelt, profitiere ...
Quelle: Stephanie Millonig
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